(Die Küche eines Hauses auf einer Warft. Draußen heult der Wind, durch das Fenster sieht man nur Wasser. Wiebke, fünfundvierzig, sitzt am Tisch mit einem Ordner. Thore, siebenundvierzig, steht am Fenster, im Ölzeug.)
Thore
Landunter. Dat Wasser steht bis an die Warft. Die Fähre fährt nich. Morgen auch nich.
Stichwort: „… Fähre fährt nich. Morgen auch nich.“
Wiebke
Ich hab um elf den Termin in Husum.
Stichwort: „… um elf den Termin in Husum.“
Thore
Den kannst vergessen. Es sei denn, du schwimmst.
Stichwort: „… vergessen. Es sei denn, du schwimmst.“
Wiebke
(Sie schlägt den Ordner auf.) Denn machen wir dat eben hier. Liste. Wer kriegt wat.
Stichwort: „… eben hier. Liste. Wer kriegt wat.“
Thore
Jetzt?
Stichwort: „Jetzt?“
Wiebke
Wir haben ja Zeit. Dat Wasser geht nich vor Mittwoch runter.
Stichwort: „… Wasser geht nich vor Mittwoch runter.“
Thore
(Er setzt sich.) Na gut. Fang an.
Stichwort: „Na gut. Fang an.“
Wiebke
Dat Haus.
Stichwort: „Dat Haus.“
Thore
Dat Haus kriegst du. Ich will nich mehr auf ’ne Insel, wo man im Winter viermal nich runterkommt.
Stichwort: „… man im Winter viermal nich runterkommt.“
Wiebke
Hallig. Dat is ’ne Hallig, keine Insel. Sechsundzwanzig Jahre, und du sagst immer noch Insel.
Stichwort: „… und du sagst immer noch Insel.“
Thore
Weil dat Wort Hallig mich an dich erinnert.
Stichwort: „… Wort Hallig mich an dich erinnert.“
Wiebke
Charmant.
Stichwort: „Charmant.“
Thore
Dat war nett gemeint.
Stichwort: „Dat war nett gemeint.“
(Pause. Der Wind rüttelt am Fenster.)
Wiebke
Die Schafe.
Stichwort: „Die Schafe.“
Thore
Die Schafe nehm ich. Die mögen mich.
Stichwort: „… Schafe nehm ich. Die mögen mich.“
Wiebke
Die mögen dich, weil du ihnen Brot gibst. Dat is verboten.
Stichwort: „… ihnen Brot gibst. Dat is verboten.“
Thore
Dat is Liebe.
Stichwort: „Dat is Liebe.“
Wiebke
(Sie schreibt.) Schafe: Thore. Mit Brotverbot.
Stichwort: „Schafe: Thore. Mit Brotverbot.“
(Das Licht flackert und geht aus. Dunkelheit. Man hört nur den Sturm.)
Thore
Schiet. Der Strom.
Stichwort: „Schiet. Der Strom.“
Wiebke
Die Kerzen sind in der Schublade. Links.
Stichwort: „… Kerzen sind in der Schublade. Links.“
Thore
Ich weiß, wo die Kerzen sind. Ich hab die da hingelegt. Neunzehnhundertneunundneunzig.
Stichwort: „… Ich hab die da hingelegt. Neunzehnhundertneunundneunzig.“
(Ein Streichholz. Thore zündet eine Kerze an. Beide sitzen sich im Kerzenlicht gegenüber.)
Wiebke
(Leise.) Weißt du noch, dat erste Landunter? Da waren wir drei Wochen hier. Wir haben uns nich getraut, uns anzufassen, weil deine Mutter oben geschlafen hat.
Stichwort: „… weil deine Mutter oben geschlafen hat.“
Thore
Und dann hast du gesagt, dat Wasser hört uns nich.
Stichwort: „… gesagt, dat Wasser hört uns nich.“
Wiebke
Dat war ’n büschen frech von mir.
Stichwort: „… war ’n büschen frech von mir.“
Thore
Dat war dat Beste, wat du je gesagt hast.
Stichwort: „… Beste, wat du je gesagt hast.“
(Stille. Wiebke klappt den Ordner langsam zu.)
Wiebke
Wir haben die letzten fünf Jahre nur noch über Strom geredet. Über Fähren und Reparaturen und wer zum Festland fährt.
Stichwort: „… Reparaturen und wer zum Festland fährt.“
Thore
Und über Schafe.
Stichwort: „Und über Schafe.“
Wiebke
Und über Schafe. (Pause.) Ich will nich mit dir über Schafe reden, Thore. Ich will mit dir klönen. So wie früher. Über Tüdelkram. Über nix.
Stichwort: „… wie früher. Über Tüdelkram. Über nix.“
Thore
Denn klön doch.
Stichwort: „Denn klön doch.“
Wiebke
Jetzt?
Stichwort: „Jetzt?“
Thore
Wir haben ja Zeit. Dat Wasser geht nich vor Mittwoch runter.
Stichwort: „… Wasser geht nich vor Mittwoch runter.“
(Wiebke sieht ihn an. Dann schiebt sie den Ordner zur Seite.)
Wiebke
Erzähl mal. Wat hast du heute gemacht?
Stichwort: „… mal. Wat hast du heute gemacht?“
Thore
(Er überlegt lange.) Ich hab den Schafen Brot gegeben.
Stichwort: „Ich hab den Schafen Brot gegeben.“
Wiebke
(Sie lacht.) Du Döspaddel.
Stichwort: „Du Döspaddel.“
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
Ende der Szene

