(Vor Prosperos Zelle. Prospero hat Ferdinand, den schiffbrüchigen Prinzen von Neapel, zum Holztragen verurteilt. Ferdinand, ein Scheit Holz tragend.)
Ferdinand
- Es gibt müh’volle Spiele, und die Arbeit
- Erhöht die Lust dran; mancher schnöde Dienst
- Wird rühmlich übernommen, und das Ärmste
- Führt zu dem reichsten Ziel. Dies niedre Tagwerk
- Wär’ so beschwerlich als verhasst mir; doch
- Die Herrin, der ich dien’, erweckt das Tote
- Und macht die Müh’n zu Freuden. Oh, sie ist
- Zehnfach so freundlich als ihr Vater rau,
- Und er besteht aus Härte. Schleppen muss ich
- Und schichten ein paar tausend dieser Klötze,
- Bei schwerer Strafe: meine süße Herrin
- Weint, wenn sie’s sieht, und sagt, so knecht’scher Dienst
- Fand nimmer solchen Täter. Ich vergesse;
- Doch diese lieblichen Gedanken laben
- Die Arbeit selbst; ich bin am müßigsten,
- Wann ich sie tue.
Stichwort: „… am müßigsten, Wann ich sie tue.“
(Miranda kommt. Prospero in einiger Entfernung.)
Miranda
- Ach, ich bitte, plagt
- Euch nicht so sehr! Ich wollte, dass der Blitz
- Das Holz verbrannt, das Ihr zu schichten habt.
- Legt ab und ruht Euch aus! Wenn dies hier brennt,
- Wird’s weinen, dass es Euch beschwert. Mein Vater
- Steckt tief in Büchern: Bitte, ruht Euch aus!
- Ihr seid vor ihm jetzt auf drei Stunden sicher.
Stichwort: „… ihm jetzt auf drei Stunden sicher.“
Ferdinand
- O teuerste Gebieterin! die Sonne
- Wird untergehn, eh’ ich vollbringen kann,
- Was ich doch muss.
Stichwort: „… vollbringen kann, Was ich doch muss.“
Miranda
- Wenn Ihr Euch setzen wollt,
- Trag’ ich indes die Klötze. Gebt mir den!
- Ich bring’ ihn hin.
Stichwort: „… mir den! Ich bring’ ihn hin.“
Ferdinand
- Nein, köstliches Geschöpf!
- Eh’ sprengt’ ich meine Sehnen, bräch’ den Rücken,
- Als dass Ihr solcher Schmach Euch unterzögt,
- Und ich säh’ träge zu.
Stichwort: „… unterzögt, Und ich säh’ träge zu.“
Miranda
- Es stände mir
- So gut wie Euch, und ich verrichtet’ es
- Weit leichter, denn mich treibt mein guter Wille,
- Und Euerm ist’s zuwider.
Stichwort: „… guter Wille, Und Euerm ist’s zuwider.“
[…]
Miranda
- Ihr seht ermüdet aus.
Stichwort: „Ihr seht ermüdet aus.“
Ferdinand
- Nein, edle Herrin,
- Bei mir ist’s früher Morgen, wenn Ihr mir
- Am Abend nah seid. Ich ersuche Euch
- (Hauptsächlich, um Euch im Gebet zu nennen),
- Wie heißet Ihr?
Stichwort: „… Gebet zu nennen), Wie heißet Ihr?“
Miranda
- Miranda. – O mein Vater!
- Ich hab’ Eu’r Wort gebrochen, da ich’s sagte.
Stichwort: „… Eu’r Wort gebrochen, da ich’s sagte.“
Ferdinand
- Bewunderte Miranda! In der Tat
- Der Gipfel der Bewund’rung; was die Welt
- Am höchsten achtet, wert! Gar manches Fräulein
- Betrachtet’ ich mit Fleiß, und manches Mal
- Bracht’ ihrer Zungen Harmonie in Knechtschaft
- Mein allzu emsig Ohr; um andre Gaben
- Gefielen andre Frau’n mir; keine je
- So ganz von Herzen, dass ein Fehl in ihr
- Nicht haderte mit ihrem schönsten Reiz
- Und überwältigt’ ihn: doch Ihr, oh, Ihr,
- So ohnegleichen, so vollkommen, seid
- Vom besten jegliches Geschöpfs erschaffen.
Stichwort: „… seid Vom besten jegliches Geschöpfs erschaffen.“
Miranda
- Vom eigenen Geschlechte kenn’ ich niemand,
- Erinn’re mir kein weibliches Gesicht,
- Als meines nur im Spiegel; und ich sah
- Nicht mehre, die ich Männer nennen könnte,
- Als Euch, mein Guter, und den teuern Vater.
- Was für Gesichter anderswo es gibt,
- Ist unbewusst mir; doch bei meiner Sittsamkeit,
- Dem Kleinod meiner Mitgift! wünsch’ ich keinen
- Mir zum Gefährten in der Welt als Euch,
- Noch kann die Einbildung ein Wesen schaffen,
- Das ihr gefiele, außer Euch. Allein
- Ich plaudre gar zu wild und achte darin
- Des Vaters Vorschrift nicht.
Stichwort: „… achte darin Des Vaters Vorschrift nicht.“
Ferdinand
- Ich bin nach meinem Stand
- Ein Prinz, Miranda, ja ich denk’, ein König –
- (Wär’ ich’s doch nicht!), – und trüg’ so wenig wohl
- Hier diese hölzerne Leibeigenschaft,
- Als ich von einer Fliege mir den Mund
- Zerstechen ließ’. – Hört meine Seele reden!
- Den Augenblick, da ich Euch sahe, flog
- Mein Herz in Euern Dienst; da wohnt es nun,
- Um mich zum Knecht zu machen: Euretwegen
- Bin ich ein so geduld’ger Tagelöhner.
Stichwort: „… Bin ich ein so geduld’ger Tagelöhner.“
Miranda
- Liebt Ihr mich?
Stichwort: „Liebt Ihr mich?“
Ferdinand
- O Erd’, o Himmel! zeuget diesem Laut
- Und krönt mit günst’gem Glück, was ich beteure,
- Red’ ich die Wahrheit; red’ ich falsch, so kehrt
- Die beste Vorbedeutung mir in Unglück!
- Weit über alles, was die Welt sonst hat,
- Lieb’ ich und acht’ und ehr’ Euch.
Stichwort: „… ich und acht’ und ehr’ Euch.“
Miranda
- Ich bin töricht,
- Zu weinen über etwas, das mich freut.
Stichwort: „… weinen über etwas, das mich freut.“
[…]
Ferdinand
- Warum weint Ihr?
Stichwort: „Warum weint Ihr?“
Miranda
- Um meinen Unwert, dass ich nicht darf bieten,
- Was ich zu geben wünsche; noch viel minder,
- Wonach ich tot mich sehnen werde, nehmen.
- Doch das heißt Tändeln, und je mehr es sucht
- Sich zu verbergen, um so mehr erscheint’s
- In seiner ganzen Macht. Fort, blöde Schlauheit!
- Führ’ du das Wort mir, schlichte, heil’ge Unschuld!
- Ich bin Eu’r Weib, wenn Ihr mich haben wollt,
- Sonst sterb’ ich Eure Magd; Ihr könnt mir’s weigern,
- Gefährtin Euch zu sein, doch Dienerin
- Will ich Euch sein: Ihr wollet oder nicht.
Stichwort: „… Euch sein: Ihr wollet oder nicht.“
Ferdinand
- Geliebte, Herrin, und auf immer ich
- So untertänig!
Stichwort: „… und auf immer ich So untertänig!“
Miranda
- Mein Gatte denn?
Stichwort: „Mein Gatte denn?“
Ferdinand
- Ja, mit so will’gem Herzen,
- Als Dienstbarkeit sich je zur Freiheit wandte.
- Hier habt Ihr meine Hand!
Stichwort: „… wandte. Hier habt Ihr meine Hand!“
Miranda
- Und Ihr die meine,
- Mit meinem Herzen drin; und nun lebt wohl
- Auf eine halbe Stunde!
Stichwort: „… lebt wohl Auf eine halbe Stunde!“
Ferdinand
- Tausend, tausendmal!
Stichwort: „Tausend, tausendmal!“
(Beide ab.)
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