„Schick uns bitte aktuelle Polaroids.“ Diese Bitte kommt von Agenturen, von Casting Directors oder beim Anlegen eines Profils auf einer E-Casting-Plattform. Gemeint ist keine Sofortbildkamera, sondern ein Satz schlichter, unbearbeiteter Fotos, der zeigt, wie du heute aussiehst. Die Aufnahmen sind schnell gemacht. Trotzdem entscheiden ein paar Details darüber, ob sie ihren Zweck erfüllen. Und es gibt eine Grenze, die du kennen solltest, bevor dich jemand nach Fotos in Unterwäsche fragt.

Was Polaroids sind und was nicht

Der Name stammt aus der Zeit, als Modelagenturen ihre Bewerbenden mit Sofortbildkameras fotografierten. Heute entstehen Polaroids fast immer digital, oft mit dem Smartphone; im Modelbereich heißen sie deshalb auch „Digitals“. Geblieben ist das Prinzip: kein Styling, keine Retusche, kein inszeniertes Licht.

Damit unterscheiden sie sich klar vom Headshot, einem bewusst gestalteten Porträt, meist von Fotograf*innen aufgenommen. Der Headshot zeigt Ausstrahlung und Typ, das Polaroid den aktuellen Ist-Zustand. Eine Sedcard wiederum fasst mehrere Fotos mit Körperdaten auf einer Karte zusammen. Im Schauspielportfolio stehen Polaroids neben Headshots, Vita und Showreel. Sie ersetzen keines davon, sondern ergänzen es um einen ehrlichen Blick.

Wofür Agenturen und Castings sie brauchen

Headshots sind oft ein, zwei Jahre alt. Seitdem können Haare kürzer, ein Bart gewachsen oder das Gewicht anders geworden sein. Für eine Besetzung zählt aber, wer in drei Wochen vor der Kamera steht. Polaroids beantworten genau diese Frage: Haarlänge und -farbe, Hautbild, Statur und Proportionen, sichtbare Tattoos.

Deshalb fragen Agenturen meist bei der Aufnahme in die Kartei nach Polaroids, später wieder nach sichtbaren Veränderungen. Casting Directors fordern sie manchmal für eine konkrete Rolle an, etwa wenn Figur oder Frisur zu einer schon besetzten Familie passen sollen.

Diese Aufnahmen gehören dazu

Einen festen Standard gibt es nicht; frag im Zweifel nach den Vorgaben deiner Agentur. Bewährt hat sich dieser Satz:

  • Porträt frontal, neutraler Gesichtsausdruck, Blick in die Kamera
  • Porträt mit Lächeln, natürlich und nicht gestellt
  • Profil von der Seite, bei langen Haaren einmal offen, sodass die Länge sichtbar ist
  • Halbe Figur frontal, etwa ab der Hüfte aufwärts
  • Ganzkörper frontal, aufrecht und entspannt, Arme locker
  • Ganzkörper seitlich, auf Wunsch auch von hinten
Illustration einer jungen Frau mit langen braunen Haaren und grauem T-Shirt, frontal mit neutralem Gesichtsausdruck vor heller Wand.

Porträt frontal:
Neutraler Ausdruck, Blick in die Kamera.

Illustration derselben jungen Frau, frontal mit natürlichem Lächeln.

Porträt mit Lächeln:
Natürlich und freundlich.

Illustration der jungen Frau im Profil nach links; die langen glatten Haare fallen über die Schulter nach hinten.

Profil:
Seitlich, mit voller Haarlänge.

Illustration der jungen Frau frontal bis zu den Oberschenkeln, in grauem T-Shirt und dunkler Jeans, die Arme locker an der Seite.

Halbe Figur:
Etwa ab der Hüfte aufwärts.

Illustration der jungen Frau in voller Größe frontal, mit grauem T-Shirt, dunkler Jeans und weißen Sneakern auf einem Holzboden vor heller Wand.

Ganzkörper frontal:
Aufrecht, Arme locker.

Illustration der jungen Frau in voller Größe im Profil, aufrecht stehend vor heller Wand.

Ganzkörper seitlich:
Im Profil, Blick geradeaus.

Illustration der jungen Frau in voller Größe von hinten; die langen braunen Haare reichen über die Schulterblätter.

Ganzkörper von hinten:
Nur wenn die Agentur danach fragt.

Illustration der jungen Frau frontal mit schmaler dunkler Brille und leichtem Lächeln.

Porträt mit Brille:
Für alle, die im Alltag eine Brille tragen.

Wer im Alltag eine Brille trägt, macht ein Porträt mit und eines ohne. Tattoos und Piercings bleiben sichtbar, so wie sie sind. Für Castings ist wichtiger, sie zu kennen, als sie verdeckt zu sehen.

Licht, Hintergrund und Kamera

Das beste Licht ist weiches Tageslicht, etwa vor einem großen Fenster, ohne direkte Sonne. Das Licht sollte von vorn oder schräg vorn kommen, nicht von hinten: Gegenlicht lässt das Gesicht im Schatten verschwinden. Künstliches Licht funktioniert, wenn es gleichmäßig ist; eine einzelne Deckenlampe wirft harte Schatten unter die Augen.

Als Hintergrund eignet sich eine helle, ruhige Wand ohne Bilder, Regale oder Türrahmen. Mit etwas Abstand zur Wand fällt dein Schatten nicht direkt hinter dich.

Ideal ist, wenn eine zweite Person fotografiert. Alternativ helfen ein Stativ und der Selbstauslöser. Die Kamera steht etwa auf Brust- bis Augenhöhe; von unten oder oben verschieben sich die Proportionen. Nimm die Hauptkamera statt der Frontkamera und geh lieber einen Schritt zurück als ganz nah heran, denn das Weitwinkelobjektiv verzerrt aus kurzer Distanz Gesicht und Körper. Schalte Filter, Porträtmodus und automatische Hautglättung aus. Auch dezente Bearbeitung verfälscht genau das, was Polaroids zeigen sollen.

Kleidung, Haare und Make-up

Die Kleidung soll die Figur erkennen lassen, ohne aufzufallen: eine schmale Jeans oder Hose, dazu ein einfarbiges, gut sitzendes T-Shirt oder Top. Schwarz, Weiß, Grau oder gedeckte Töne funktionieren gut, Logos, Schriftzüge und große Muster lenken ab. Weite Pullover, Jacken und Kleider verdecken die Statur. Schlichte Schuhe oder barfuß – beides ist üblich.

Die Haare trägst du so wie im Alltag, gewaschen und nicht aufwendig gestylt. Make-up lässt du weg oder hältst es so dezent, dass es nicht auffällt. Schmuck und Accessoires bleiben am besten ab.

Auswahl, Bearbeitung und Versand

Aus einer Fotoserie wählst du die Bilder, die scharf sind, gut belichtet und dich wiedererkennbar zeigen, meist fünf bis acht. Zuschneiden und eine leichte Korrektur der Helligkeit sind in Ordnung; Retusche, Weichzeichner oder veränderte Proportionen nicht. Benenne die Dateien eindeutig, zum Beispiel mit deinem Namen, der Ansicht und dem Aufnahmemonat, damit Agentur und Casting sie zuordnen können.

Verschicke Polaroids auf dem Weg, auf dem sie angefragt wurden: über deine Agentur, dein Profil auf der Castingplattform oder an die E-Mail-Adresse aus der Anfrage. Erneuere sie, sobald sich dein Aussehen sichtbar verändert hat, sonst in regelmäßigen Abständen. Viele Agenturen geben dafür einen eigenen Rhythmus vor.

Badebekleidung, Unterwäsche, Nacktheit: wo die Grenze liegt

Für gewöhnliche Schauspiel-Polaroids braucht niemand Fotos in Unterwäsche. Gut sitzende Alltagskleidung zeigt die Statur ausreichend. Gelegentlich bitten Produktionen für eine bestimmte Rolle oder einen Werbedreh um Aufnahmen in Badebekleidung, etwa wenn eine Szene am Strand spielt oder viel Körper zu sehen sein wird. Eine seriöse Anfrage erkennst du daran, dass sie über deine Agentur oder eine nachprüfbare Castingfirma kommt, Projekt und Rolle nennt, den Grund erklärt und sagt, wer die Bilder sieht. Du kannst eine solche Anfrage ablehnen, ohne dich zu rechtfertigen. Sprich vorher mit deiner Agentur.

Nacktbilder verschickst du nie, egal wer danach fragt. Auch für Rollen mit Nacktszenen gehören sie nicht in eine Bewerbung. Wie ein fairer Ablauf aussieht, zeigen die Regeln der großen Schauspielgewerkschaften: Nach dem Leitfaden der US-Gewerkschaft SAG-AFTRA darf in keinem Vorsprechen jemand vollständig nackt sein. Muss für eine Rolle der Körper zu sehen sein, ist höchstens ein einziger Termin in knapper Bekleidung erlaubt, und zwar erst als letzte Runde. Er muss vorher angekündigt sein, Fotos und Aufnahmen gibt es nur mit schriftlicher Zustimmung, und du darfst eine Vertrauensperson mitbringen. Die britische Gewerkschaft Equity verlangt laut ihrem Casting-Manifest, dass sich niemand ganz oder teilweise entkleiden muss, ohne dass eine gemeinsam vereinbarte Person anwesend ist. Diese Regeln gelten für Produktionen unter den jeweiligen Verträgen, nicht automatisch in Deutschland. Sie zeigen aber, was in der Branche als verantwortungsvoller Umgang gilt. Wie intime Szenen später am Set vorbereitet werden, beschreiben der Eintrag zum Intimitätskoordinator und unser Beitrag Intimität im Schauspiel.

Vorsicht ist angebracht, wenn Anfragen über soziale Netzwerke oder Messenger von unbekannten Konten kommen, kein Projekt nennen, unter Zeitdruck setzen, nach „freizügigeren“ Bildern fragen, Geld für Fotos oder die Teilnahme verlangen oder ein Treffen in einer Wohnung oder einem Hotelzimmer vorschlagen. Solche Muster nutzen auch Erpresser*innen: Die Polizei warnt vor Sextortion, bei der Täter*innen mit intimen Aufnahmen Geld fordern. Ihr Rat: keine Nacktaufnahmen verschicken, nicht zahlen, den Kontakt abbrechen und Anzeige erstatten.

Fotos von dir dürfen nicht ohne deine Einwilligung verbreitet werden; das Recht am eigenen Bild schützt dich auch hier. Du kannst darum bitten, dass Bilder nach dem Casting gelöscht werden. Wer im Zusammenhang mit einem Casting oder einer Produktion belästigt oder unter Druck gesetzt wurde, findet bei der Themis Vertrauensstelle kostenlose rechtliche und psychologische Beratung für Film, Fernsehen, Musik und Theater.

Checkliste für deine Polaroids

Vor der Aufnahme

  • Vorgaben der Agentur oder der Anfrage gelesen: welche Ansichten, welches Format, welcher Versandweg?
  • Haare gewaschen und so wie im Alltag, kein aufwendiges Styling
  • Kein oder nur sehr dezentes Make-up, Schmuck abgelegt
  • Schlichte, gut sitzende Kleidung: schmale Hose, einfarbiges T-Shirt oder Top, ohne Logos und Muster
  • Ruhige, helle Wand gefunden, mit etwas Abstand davor
  • Weiches Tageslicht von vorn oder schräg vorn, keine direkte Sonne, kein Gegenlicht
  • Zweite Person zum Fotografieren oder Stativ mit Selbstauslöser bereit

Bei der Aufnahme

  • Hauptkamera statt Frontkamera, Kamera etwa auf Brust- bis Augenhöhe
  • Lieber einen Schritt zurück als zu nah heran
  • Filter, Porträtmodus und Hautglättung ausgeschaltet
  • Porträt frontal neutral und mit natürlichem Lächeln
  • Profil, bei langen Haaren mit sichtbarer Länge
  • Halbe Figur frontal
  • Ganzkörper frontal und seitlich, auf Wunsch von hinten
  • Bei Brille: je ein Porträt mit und ohne
  • Tattoos und Piercings so sichtbar, wie sie im Alltag sind

Vor dem Versand

  • Fünf bis acht scharfe, gut belichtete Bilder ausgewählt
  • Nur zugeschnitten und Helligkeit leicht korrigiert, keine Retusche
  • Dateien eindeutig benannt: Name, Ansicht, Aufnahmemonat
  • Versand nur auf dem erbetenen Weg: Agentur, Castingplattform oder E-Mail-Adresse aus der Anfrage
  • Keine Bilder in Badebekleidung oder Unterwäsche ohne begründete, nachprüfbare Anfrage über deine Agentur
  • Niemals Nacktbilder, egal wer fragt
  • Termin für neue Polaroids notiert, spätestens nach der nächsten sichtbaren Veränderung

Gute Polaroids sind unspektakulär, und das ist ihre Stärke: Wer sie ansieht, weiß, wer zum Casting kommt. Wenn du danach noch Material für eine konkrete Rolle aufnehmen sollst, hilft der Beitrag zu Self-Tape Auditions.

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