(Christian Maskes Salon. Sein Vater Theobald ist unangemeldet über die Hintertreppe gekommen, um ihm den Tod der Mutter mitzuteilen. Christian hat sich eben einen schwarzen Anzug angezogen.)
Christian
Welch trostlose Verkettung der Umstände. Heute hättest du bei dir zu Haus das Telegramm gefunden, das euch zu den glücklichsten Eröffnungen herrief.
Stichwort: „… euch zu den glücklichsten Eröffnungen herrief.“
Theobald
Du hast uns telegrafiert?
Stichwort: „Du hast uns telegrafiert?“
Christian
Ich erwartete euch mit Ungeduld.
Stichwort: „Ich erwartete euch mit Ungeduld.“
Theobald
Was ist hier Wichtiges vorgefallen?
Stichwort: „Was ist hier Wichtiges vorgefallen?“
Christian
Kamst du einige Stunden später, du hättest deinen Sohn verlobt gefunden.
Stichwort: „… du hättest deinen Sohn verlobt gefunden.“
Theobald
Schau! Ist das Mädchen hübsch?
Stichwort: „Schau! Ist das Mädchen hübsch?“
Christian
Es ist – Gräfin.
Stichwort: „Es ist – Gräfin.“
Theobald
Christian! Wo hast du den Mut her?
Stichwort: „… Wo hast du den Mut her?“
Christian
Gehört Mut dazu?
Stichwort: „Gehört Mut dazu?“
Theobald
Jeder aus seiner Haut; denke ich aber, du steckst ein wenig in meiner – da hast du ja einen tollen Satz gemacht.
Stichwort: „… du ja einen tollen Satz gemacht.“
Christian
Über uns fort, Vater.
Stichwort: „Über uns fort, Vater.“
Theobald
Es ist unheimlich. Und jene?
Stichwort: „Es ist unheimlich. Und jene?“
Christian
Das ist alles, was du mir dazu sagst?
Stichwort: „… alles, was du mir dazu sagst?“
Theobald
Aus meiner Natur ist es wie ein Knalleffekt!
Stichwort: „… Natur ist es wie ein Knalleffekt!“
Christian
In einer ganz natürlichen Entwicklung eine logische Folge.
Stichwort: „… ganz natürlichen Entwicklung eine logische Folge.“
Theobald
Ein subalterner Beamter ich, deine Mutter Schneiderstochter – es hat etwas von einer Gewalttat an sich. Und der Vater Graf, die ganze Verwandtschaft – Junge, du bist verrückt!
Stichwort: „… Verwandtschaft – Junge, du bist verrückt!“
Christian
Was heißt der Unsinn?
Stichwort: „Was heißt der Unsinn?“
Theobald
Das ist doch toller als alle Komödien der Welt. Da machst du einen ja lächerlich. Kennst du denn gar keine Rücksichten mehr? Einen Grafen habe ich überhaupt noch nicht bei Leibe gesehen. Kann man denn nicht zu dir kommen, ohne dass du das Unterste zuoberst kehrst? Ich sage doch! Ein Subalterner in Pension.
Stichwort: „… sage doch! Ein Subalterner in Pension.“
Christian
Das ist Larifari.
Stichwort: „Das ist Larifari.“
Theobald
Ein Unglück ist es! Wie wagst du eigentlich, mir das anzutun? Mit Fingern müssen die Leute auf mich zeigen.
Stichwort: „… müssen die Leute auf mich zeigen.“
Christian (Betreten.)
Aber ...
Stichwort: „Aber ...“
Theobald
Die Seyfferts! Schon deine Mutter war eine überspannte Person. Ich werde närrisch. Habe ich mich doch nicht so, als du damals die Sperenzien mit uns machtest, über den Tod meiner Frau habe ich mich nicht so aufgeregt.
Stichwort: „… habe ich mich nicht so aufgeregt.“
Christian
Aber Vater ...
Stichwort: „Aber Vater ...“
Theobald (Immer erregter.)
Die Maus mit der Giraffe willst du verkuppeln, Seiltänzerstücke machen, ins Anomalische steigst du ja! Deine Mutter stirbt mir mit sechzig Jahren, ich bin sie gewöhnt, mir war’s ein Schlag, aber schließlich flüchtet man in die Natur der Sache. Maskes aber, hier dieser gewisse, allenthalben genau bekannte Theobald und eine ganze Grafenfamilie! Es ist um den Verstand zu verlieren.
Stichwort: „… ist um den Verstand zu verlieren.“
(Christian hat in Resignation das Florett genommen.)
Theobald (Ganz außer sich.)
Willst du mich morden? Besser bleibe ich ein normaler Beamter hier auf dem Platz, als dass ich der allgemeinen Belustigung zum Opfer falle. Hast du denn aus der Jugend keine Erinnerung mehr? An unsere Stübchen und den Kanarienvogel; nicht wie wir über den Graben schlurften, und du an unserer Seite den Herrn Kanzleirat ehrfürchtig grüßen musstest? Was aber kann ein Kanzleirat gegen einen Grafen.
Stichwort: „… kann ein Kanzleirat gegen einen Grafen.“
Christian (Ängstlich.)
Hör mir doch zu ...
Stichwort: „Hör mir doch zu ...“
Theobald
Und wer sind wir erst auf der Stufenleiter? Dass ich nicht närrisch werde!
Stichwort: „… Stufenleiter? Dass ich nicht närrisch werde!“
Christian
Mir ist deine furchtbare Aufregung unverständlich.
Stichwort: „Mir ist deine furchtbare Aufregung unverständlich.“
Theobald
Und die Folgen? Ist dir von unmittelbaren, verhängnisvollen Folgen nichts eingefallen, die jedes Kind sieht? Als du uns beide alte Leute in die Fremde schicktest, schäumte ich vor Wut; allmählich aber sah ich mit Luisens Hilfe eine zwar grausame Vernunft darin, den höheren Sinn des Handels für dich, wenn auch nicht für mich. Und da du es sonst an nichts fehlen, den anderen Teil leben ließest, kam ich zur Ruhe. (Er springt auf) Und jetzt wagst du solchen ...
Stichwort: „… Und jetzt wagst du solchen ...“
Christian
Ich unterbreche dich. Sogar ehe an diese Heirat zu denken war, überwältigte mich ein Begehren, das vom Augenblick unserer Trennung an in mir immer stärker geworden ist. Von nun an dachte ich mit euch, da es anders beschlossen ist, mit dir sehr innig gemeinschaftlich zu leben. Ich wollte dich bitten, deinen Wohnsitz überhaupt hierher zu verlegen.
Stichwort: „… deinen Wohnsitz überhaupt hierher zu verlegen.“
Theobald (Fällt in einen Stuhl.)
Das ist klassisch!
Stichwort: „Das ist klassisch!“
Christian
Du ...
Stichwort: „Du ...“
Theobald
Nicht dein Ernst?
Stichwort: „Nicht dein Ernst?“
Christian
Völlig. Ich konnte diesen Grad der Abneigung deinerseits nicht voraussehen.
Stichwort: „… Grad der Abneigung deinerseits nicht voraussehen.“
Theobald
Dein Ernst?!
Stichwort: „Dein Ernst?!“
Christian
Ich begreife nicht.
Stichwort: „Ich begreife nicht.“
Theobald (Auf ihn zu.)
Wie?
Stichwort: „Wie?“
Christian (Weicht unwillkürlich zurück.)
Begreife nicht ...
Stichwort: „Begreife nicht ...“
Theobald
Immer noch nicht?
Stichwort: „Immer noch nicht?“
Christian
Das heißt, verstehe wohl, was du meinst. Halte aber dein Bedenken für übertrieben ... teilweise.
Stichwort: „… dein Bedenken für übertrieben ... teilweise.“
Theobald
Übertrieben?
Stichwort: „Übertrieben?“
Christian
Andererseits ...
Stichwort: „Andererseits ...“
Theobald
Übertrieben?!
Stichwort: „Übertrieben?!“
Christian (Eingeschüchtert.)
Natürlich andererseits – wenn wirklich – natürlich. Mein Gott, müsste man eben auf seinen Lieblingswunsch verzichten – schweren Herzens. Auf deiner Teilnahme an der Hochzeit bestehe ich aber unter allen Umständen.
Stichwort: „… bestehe ich aber unter allen Umständen.“
Theobald
Darauf noch die Antwort: Entweder du machst diesen Vorschlag unbefangen nur so hin, dann bemerke ich: deinen Vater als Clown bei diesem Witz mitwirken sehn zu wollen, ist Unsittlichkeit. Mit einer Gräfin am Arm in meiner Aufmachung durch die Kirche Spießruten zu laufen, später als Mann aus dem Volk lächerlich bei Tisch zu sitzen ...
Stichwort: „… lächerlich bei Tisch zu sitzen ...“
Christian
Vater!
Stichwort: „Vater!“
Theobald
Danke. Oder du willst an mir niedrige Rache dafür nehmen, dass ich dich in deiner Jugend meine väterliche Gewalt fühlen ließ, indem du jetzt vor aller Welt mein Selbstgefühl demütigst; vielleicht aber soll diese Einladung gar ein Pflaster für Mutters Tod sein. Nein, Christian, um Gottes willen nicht! Tu für mich, was du bisher getan, und ich bin zufrieden, und willst du mehr, so überlege noch einmal gründlich, was du vorhast. In jedem Falle aber musst du mich als eine bestimmte Größe in deinem Lebensplan einstellen: einer, der mit solchen Sachen nichts zu tun hat, dich aber unter keinen Umständen, nicht im Geringsten molestiert. Darum bin ich vorhin die Hintertreppe heraufgekommen. Und nun will ich mir nur noch etwas Garderobe kaufen.
Stichwort: „… mir nur noch etwas Garderobe kaufen.“
Christian
Mein Schneider, meine Lieferanten selbstverständlich ...
Stichwort: „Mein Schneider, meine Lieferanten selbstverständlich ...“
Theobald
Die sind auf unsereinen nicht eingerichtet. Ich habe andere Quellen. Und abends reise ich heim.
Stichwort: „… Quellen. Und abends reise ich heim.“
(Er nimmt Hut und Stock.)
Christian (Ängstlich.)
Ein paar Tage solltest du wenigstens bleiben.
Stichwort: „… paar Tage solltest du wenigstens bleiben.“
Theobald
Ich sollte nicht! Lass doch den Firlefanz. Warum sprichst du überhaupt nicht in dem alten vernünftigen Ton mit mir? Ungesehen verschwinde ich auf dem Wege, auf dem ich kam, brauchst mich nicht zu bringen. In der nächsten besten Kneipe esse ich etwas. Und kommst du mal vorbei, ihr Grab zu sehen, soll’s mich freuen. Bist, von diesem Unsinn abgesehen, sonst ein guter Kerl; lässt einen leben.
Stichwort: „… ein guter Kerl; lässt einen leben.“
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
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