(Im Haus des Bischofs Gregor. Der junge Leon, seit Kurzem Koch, streitet mit dem Hausverwalter.)
- So? In der Küche meint ihr? Zeigt mir die!
- Wenn eine Küche der Ort ist, wo man kocht,
- So sucht ihr sie im ganzen Schloss vergebens.
- Wo man nicht kocht, ist keine Küche, Herr,
- Wo keine Küche, ist kein Koch. Das, seht ihr?
- Wollt ich dem Bischof sagen; und ich tus,
- Ich tus fürwahr, und säht ihr noch so scheel.
- Pfui, Schande über alle Knauserei!
- Erst schickten sie den Koch fort, nun, da meint ich,
- Sie trauten mir so viel und war schon stolz,
- Doch als ich anfing, meine Kunst zu zeigen,
- Ist alles viel zu teuer, viel zu viel.
- Mit nichts soll ich da kochen, wenn auch nichts.
- Nur gestern noch erhascht ich ein Stück Wildpret,
- So köstlich als kein andres, um ’nen Spottpreis,
- Und freute mich im voraus, wie der Herr sich,
- Der alte, schwache, laben würde dran.
- Ja, prost die Mahlzeit! Musst ichs nicht verkaufen,
- An einen Sudelkoch verhandeln mit Verlust;
- Weils viel zu teuer schien, gar viel zu kostbar.
- Nennt ihr das Knauserei? wie, oder sonst?
[…]
- Mich jagen? Ei, erspart euch nur die Müh!
- Ich geh von selbst. Hier, meine Schürze, seht!
- Und hier mein Messer, das euch erst erschreckt,
(Er wirft beides auf den Boden.)
- So werf ichs hin und heb es nimmer auf.
- Sucht einen andern Koch für eure Fasten!
- Glaubt ihr, für Geld hätt ich dem Herrn gedient?
- Es gibt wohl andre Wege noch und bessre,
- Sich durchzuhelfen, für ’nen Kerl wie ich.
- Der König braucht Soldaten, und, mein Treu!
- Ein Schwert wär nicht zu schwer für diese Hand.
- Doch sah ich euern Bischof durch die Straßen,
- Mit seinem weißen Bart und Lockenhaar,
- Das Haupt gebeugt von Alterslast,
- Und doch gehoben von – ich weiß nicht was,
- Doch von was Edlem, Hohem muss es sein;
- Die Augen aufgespannt, als säh er Bilder
- Aus einem andern, unbekannten Land,
- Die allzugroß für also kleine Rahmen:
- Sah ich ihn so durch unsre Straßen ziehn,
- Da riefs in mir: dem musst du dienen, dem,
- Und wärs als Stallbub. Also kam ich her.
- In diesem Haus, dacht ich, wär Gottesfrieden,
- Sonst alle Welt in Krieg. Nun da ich hier,
- Nun muss ich sehn, wie er das Brot sich abknappt,
- Als hätt er sich zum Hungertod verdammt,
- Wie er die Bissen sich zum Munde zählt.
- Mag das mit ansehn wer da will, ich nicht.
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