(Der Turm. Sigismund ist wieder in Ketten erwacht; man hat ihm gesagt, sein Tag als Herrscher sei ein Traum gewesen.)
- Dies ist Wahrheit; darum zäumen
- wollen wir den rauen Mut,
- diesen Ehrgeiz, diese Wut,
- wenn wir wieder einmal träumen.
- Wohl geschieht’s; denn in den Räumen
- dieser Wunderwelt ist eben
- nur ein Traum das ganze Leben;
- und der Mensch (das seh ich nun)
- träumt sein ganzes Sein und Tun,
- bis zuletzt die Träum entschweben.
- König sei er, träumt der König;
- und in diesen Wahn versenkt,
- herrscht, gebietet er und lenkt.
- Alles ist ihm untertänig;
- doch es bleibt davon ihm wenig,
- denn sein Glück verkehrt der Tod
- schnell in Staub (o bittre Not!);
- wen kann Herrschaft lüstern machen,
- der da weiß, dass ihm Erwachen
- in des Todes Traume droht?
- Auch der Reiche träumt; ihm zeigen
- Schätze sich, doch ohne Frieden.
- Auch der Arme träumt hienieden,
- er sei elend und leibeigen.
- Träumet, wer beginnt zu steigen;
- träumet, wer da sorgt und rennt;
- träumet, wer von Hass entbrennt;
- kurz, auf diesem Erdenballe
- träumen, was sie leben, alle,
- ob es keiner gleich erkennt.
- So auch träumt mir jetzt, ich sei
- hier gefangen und gebunden;
- und einst träumte mir von Stunden,
- da ich glücklich war und frei.
- Was ist Leben? Raserei!
- Was ist Leben? Hohler Schaum,
- ein Gedicht, ein Schatten kaum!
- Wenig kann das Glück uns geben;
- denn ein Traum ist alles Leben,
- und die Träume selbst ein Traum.
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