(Das französische Lager. Arthur ist in die Hände König Johanns gefallen. Constanze kommt mit gelöstem Haar; König Philipp und der Kardinal Pandulpho versuchen, sie zu beruhigen.)
- Das will ich, ja: und warum will ich’s tun?
- Ich riss sie aus den Banden und rief laut:
- »O lösten diese Hände meinen Sohn,
- Wie sie in Freiheit dieses Haar gesetzt!«
- Doch nun beneid’ ich ihre Freiheit ihnen
- Und will sie wieder in die Banden schlagen:
- Mein armes Kind ist ein Gefangner ja. –
- Ich hört’ Euch sagen, Vater Kardinal,
- Wir sehn und kennen unsre Freund’ im Himmel;
- Ist das, so seh’ ich meinen Knaben wieder;
- Denn seit des Erstgebornen Kain Zeit,
- Bis auf das Kind, das erst seit gestern atmet,
- Kam kein so liebliches Geschöpf zur Welt.
- Nun aber nagt der Sorgen Wurm mein Knöspchen
- Und scheucht den frischen Reiz von seinen Wangen,
- Dass er so hohl wird aussehn wie ein Geist,
- So bleich und mager wie ein Fieberschauer,
- Und wird so sterben; und so auferstanden,
- Wenn ich ihn treffe in des Himmels Saal,
- Erkenn’ ich ihn nicht mehr: drum werd’ ich nie,
- Nie meinen zarten Arthur wiedersehn.
[…]
- Gram füllt die Stelle des entfernten Kindes,
- Legt in sein Bett sich, geht mit mir umher,
- Nimmt seine allerliebsten Blicke an,
- Spricht seine Worte nach, erinnert mich
- An alle seine holden Gaben, füllt
- Die leeren Kleider aus mit seiner Bildung;
- Drum hab’ ich Ursach’, meinen Gram zu lieben.
- Gehabt Euch wohl! Wär’ Euch geschehn, was mir,
- Ich wollt’ Euch besser trösten als Ihr mich.
(Sie reißt ihren Kopfputz ab.)
- Ich will die Zier nicht auf dem Haupt behalten,
- Da mein Gemüt so wild zerrüttet ist.
- O Gott, mein Kind! Mein holder Sohn! Mein Arthur!
- Mein Leben! Meine Lust! Mein alles du!
- Mein Witwentrost und meines Kummers Heil!
(Ab.)
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