(Ein Wald bei Athen. Nacht. Oberon mit seinem Gefolge von der einen, Titania mit dem ihren von der anderen Seite.)
Oberon
- Schlimm treffen wir bei Mondenlicht, du stolze Titania!
Stichwort: „… wir bei Mondenlicht, du stolze Titania!“
Titania
- Wie? Oberon ist hier,
- Der Eifersücht’ge? Elfen, schlüpft von hinnen,
- Denn ich verschwor sein Bett und sein Gespräch.
Stichwort: „… verschwor sein Bett und sein Gespräch.“
Oberon
- Vermessne, halt! Bin ich nicht dein Gemahl?
Stichwort: „… halt! Bin ich nicht dein Gemahl?“
Titania
- So muss ich wohl dein Weib sein; doch ich weiß
- Die Zeit, dass du dich aus dem Feenland
- Geschlichen, tagelang als Corydon
- Gesessen, spielend auf dem Haberrohr,
- Und Minne der verliebten Phyllida
- Gesungen hast. – Und warum kommst du jetzt
- Von Indiens entferntestem Gebirg’,
- Als weil – ei denkt doch! – weil die Amazone,
- Die strotzende, hochaufgeschürzte Dame,
- Dein Heldenliebchen, sich vermählen will?
- Da kommst du denn, um ihrem Bette Heil
- Und Segen zu verleihn.
Stichwort: „… Bette Heil Und Segen zu verleihn.“
Oberon
- Titania,
- Wie kannst du dich vermessen, anzuspielen
- Auf mein Verständnis mit Hippolyta?
- Da du doch weißt, ich kenne deine Liebe
- Zum Theseus? Locktest du im Dämmerlichte
- Der Nacht ihn nicht von Perigunen weg,
- Die er vorher geraubt? Warst du nicht schuld,
- Dass er der schönen Ägle Treue brach,
- Der Ariadne und Antiopa?
Stichwort: „… Treue brach, Der Ariadne und Antiopa?“
Titania
- Das sind die Grillen deiner Eifersucht!
- Und nie, seit jenem Sommer, trafen wir
- Auf Hügeln noch im Tal, in Wald noch Wiese,
- Am Kieselbrunnen, am beschilften Bach,
- Noch an des Meeres Klippenstrand uns an,
- Und tanzten Ringel nach des Windes Pfeifen,
- Dass dein Gezänk uns nicht die Lust verdarb.
- Drum sog der Wind, der uns vergeblich pfiff,
- Als wie zur Rache, böse Nebel auf
- Vom Grund des Meers; die fielen auf das Land,
- Und machten jeden winz’gen Bach so stolz,
- Dass er des Bettes Dämme niederriss.
- Drum schleppt der Stier sein Joch umsonst, der Pflüger
- Vergeudet seinen Schweiß, das grüne Korn
- Verfault, eh’ seine Jugend Bart gewinnt.
- Leer steht die Hürd’ auf der ersäuften Flur,
- Und Krähen prassen in der siechen Herde.
- Verschlämmt vom Leime liegt die Kegelbahn;
- Unkennbar sind die art’gen Labyrinthe
- Im muntern Grün, weil niemand sie betritt.
- Den Menschenkindern fehlt die Winterlust;
- Kein Sang noch Jubel macht die Nächte froh.
- Drum hat der Mond, der Fluten Oberherr,
- Vor Zorne bleich, die ganze Luft gewaschen
- Und fieberhafter Flüsse viel erzeugt.
- Durch eben die Zerrüttung wandeln sich
- Die Jahreszeiten: silberhaar’ger Frost
- Fällt in den zarten Schoß der Purpurrose;
- Indes ein würz’ger Kranz von Sommerknospen
- Auf Hiems’ Kinn und der beeisten Scheitel
- Als wie zum Spotte prangt. Der Lenz, der Sommer,
- Der zeitigende Herbst, der zorn’ge Winter,
- Sie alle tauschen die gewohnte Tracht,
- Und die erstaunte Welt erkennt nicht mehr
- An ihrer Frucht und Art, wer jeder ist.
- Und diese ganze Brut von Plagen kommt
- Von unserm Streit, von unserm Zwiespalt her;
- Wir sind davon die Stifter und Erzeuger.
Stichwort: „… sind davon die Stifter und Erzeuger.“
Oberon
- So hilf dem ab! Es liegt an dir. Warum
- Kränkt ihren Oberon Titania?
- Ich bitte nur ein kleines Wechselkind
- Zum Edelknaben.
Stichwort: „… nur ein kleines Wechselkind Zum Edelknaben.“
Titania
- Gib dein Herz zur Ruh’!
- Das Feenland kauft mir dies Kind nicht ab.
- Denn seine Mutter war aus meinem Orden,
- Und hat in Indiens gewürzter Luft
- Gar oft mit mir die Nächte weggeschwatzt.
- Wir saßen auf Neptunus’ gelbem Sand,
- Sahn nach den Handelsschiffen auf der Flut,
- Und lachten, wenn vom üpp’gen Spiel des Windes
- Der Segel schwangrer Leib zu schwellen schien.
- Dies ahmte sie, mit kleinen Schritten wankend
- (Ihr Leib trug damals meinen kleinen Junker),
- Aus Torheit nach, und segelt’ auf dem Lande
- Nach Spielereien aus, und kehrte, reich
- An Ware, wie von einer Reise heim.
- Doch sie, ein sterblich Weib, starb an dem Kinde,
- Und ihr zu Lieb’ erzieh’ ich nun das Kind,
- Und ihr zu Liebe geb’ ich es nicht weg.
Stichwort: „… Liebe geb’ ich es nicht weg.“
Oberon
- Wie lange denkt Ihr hier im Hain zu weilen?
Stichwort: „… Ihr hier im Hain zu weilen?“
Titania
- Vielleicht bis nach des Theseus Hochzeitfest.
- Wollt Ihr in unsern Ringen ruhig tanzen
- Und unsre lust’gen Mondscheinspiele sehn,
- So kommt mit uns! Wo nicht: vermeidet mich,
- Und ich will nie mich nahen, wo Ihr haust.
Stichwort: „… nie mich nahen, wo Ihr haust.“
Oberon
- Gib mir das Kind, so will ich mit dir gehn.
Stichwort: „… so will ich mit dir gehn.“
Titania
- Nicht um dein Königreich. – Ihr Elfen, fort mit mir;
- Denn Zank erhebt sich, weil’ ich länger hier.
Stichwort: „… erhebt sich, weil’ ich länger hier.“
(Mit ihrem Gefolge ab.)
Oberon
- Gut, zieh’ nur hin! Du sollst aus diesem Walde
- Nicht eher, bis du mir den Trotz gebüßt.
Stichwort: „… bis du mir den Trotz gebüßt.“
[…]
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