Jaques: „Die ganze Welt ist Bühne“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Blankvers (Übersetzung Schlegel)

Jaques: Die ganze Welt ist Bühne, und alle Frau’n und Männer bloße Spieler.

aus Wie es euch gefällt (1599) von William Shakespeare · II. Aufzug, 7. Szene

Originaltext · Wie es euch gefällt, William Shakespeare (1599)ungekürzt
Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 188 Wörter
Umfang
29 Verseungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 30–70redaktionelle Einschätzung
Tonlage
melancholischleise & nachdenklich
Sprache
Blankvers (Übersetzung Schlegel)behutsam modernisiert
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(Der Ardenner Wald. Der verbannte Herzog und sein Gefolge beim Mahl. Orlando ist gegangen, um seinen alten Diener zu holen. Der Herzog: Die Welt biete mehr betrübte Szenen als die eigene.)

  1. Die ganze Welt ist Bühne,
  2. Und alle Frau’n und Männer bloße Spieler.
  3. Sie treten auf und gehen wieder ab,
  4. Sein Leben lang spielt einer manche Rollen,
  5. Durch sieben Akte hin. Zuerst das Kind,
  6. Das in der Wärt’rin Armen greint und sprudelt;
  7. Der weinerliche Bube, der mit Bündel
  8. Und glattem Morgenantlitz, wie die Schnecke,
  9. Ungern zur Schule kriecht; dann der Verliebte,
  10. Der wie ein Ofen seufzt, mit Jammerlied
  11. Auf seiner Liebsten Brau’n; dann der Soldat,
  12. Voll toller Flüch’ und wie ein Pardel bärtig,
  13. Auf Ehre eifersüchtig, schnell zu Händeln,
  14. Bis in die Mündung der Kanone suchend
  15. Die Seifenblase Ruhm. Und dann der Richter,
  16. In rundem Bauche, mit Kapaun gestopft,
  17. Mit strengem Blick und regelrechtem Bart,
  18. Voll weiser Sprüch’ und neuester Exempel
  19. Spielt seine Rolle so. Das sechste Alter
  20. Macht den besockten hagern Pantalon,
  21. Brill’ auf der Nase, Beutel an der Seite;
  22. Die jugendliche Hose, wohl geschont,
  23. ’ne Welt zu weit für die verschrumpften Lenden;
  24. Die tiefe Männerstimme, umgewandelt
  25. Zum kindischen Diskante, pfeift und quäkt
  26. In feinem Ton. Der letzte Akt, mit dem
  27. Die seltsam wechselnde Geschichte schließt,
  28. Ist zweite Kindheit, gänzliches Vergessen,
  29. Ohn’ Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles.

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Spielhinweise

  • Jaques greift das Theaterbild des Herzogs auf („Schauplatz“, „Szenen“) und spinnt es weiter. Er improvisiert, aber mit Genuss an der Formulierung.
  • Jedes Lebensalter ist ein kleines Porträt. Finde für jedes eine Haltung, ohne zu pantomimieren.
  • Der Schluss („Ohn’ Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles“) ist bitter. Im Stück kommt gleich danach Orlando mit dem alten Adam zurück, für den er gesorgt hat: ein stilles Gegenbild.
  • Einer der bekanntesten Monologe der Theatergeschichte und sehr beliebt als Vorsprechtext.

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