(Der Ardenner Wald. Der verbannte Herzog und sein Gefolge beim Mahl. Orlando ist gegangen, um seinen alten Diener zu holen. Der Herzog: Die Welt biete mehr betrübte Szenen als die eigene.)
- Die ganze Welt ist Bühne,
- Und alle Frau’n und Männer bloße Spieler.
- Sie treten auf und gehen wieder ab,
- Sein Leben lang spielt einer manche Rollen,
- Durch sieben Akte hin. Zuerst das Kind,
- Das in der Wärt’rin Armen greint und sprudelt;
- Der weinerliche Bube, der mit Bündel
- Und glattem Morgenantlitz, wie die Schnecke,
- Ungern zur Schule kriecht; dann der Verliebte,
- Der wie ein Ofen seufzt, mit Jammerlied
- Auf seiner Liebsten Brau’n; dann der Soldat,
- Voll toller Flüch’ und wie ein Pardel bärtig,
- Auf Ehre eifersüchtig, schnell zu Händeln,
- Bis in die Mündung der Kanone suchend
- Die Seifenblase Ruhm. Und dann der Richter,
- In rundem Bauche, mit Kapaun gestopft,
- Mit strengem Blick und regelrechtem Bart,
- Voll weiser Sprüch’ und neuester Exempel
- Spielt seine Rolle so. Das sechste Alter
- Macht den besockten hagern Pantalon,
- Brill’ auf der Nase, Beutel an der Seite;
- Die jugendliche Hose, wohl geschont,
- ’ne Welt zu weit für die verschrumpften Lenden;
- Die tiefe Männerstimme, umgewandelt
- Zum kindischen Diskante, pfeift und quäkt
- In feinem Ton. Der letzte Akt, mit dem
- Die seltsam wechselnde Geschichte schließt,
- Ist zweite Kindheit, gänzliches Vergessen,
- Ohn’ Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles.
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
Ende des Textes · Ganzes Stück lesen (öffnet neuen Tab)

