(Inverness, Macbeths Schloss. Lady Macbeth mit einem Brief ihres Mannes.)
(Liest.)
»Sie begegneten mir am Tage des Sieges; und ich erfuhr aus den sichersten Proben, dass sie mehr als menschliches Wissen besitzen. Als ich vor Verlangen brannte, sie weiter zu befragen, verschwanden sie und zerflossen in Luft. Indem ich noch, von Erstaunen betäubt, da stand, kamen die Abgesandten des Königs, die mich als Than von Cawdor begrüßten; mit welchem Titel mich kurz vorher diese Zauberschwestern angeredet und mich durch den Gruß: ‚Heil dir, dem künft’gen König!‘ auf die Zukunft verwiesen hatten. Ich habe es für gut gehalten, dir dies zu vertrauen, meine geliebteste Teilnehmerin der Hoheit, auf dass dein Mitgenuss an der Freude dir nicht entzogen werde, wenn du nicht erfahren hättest, welche Hoheit dir verheißen ist. Leg’ es an dein Herz und lebe wohl!«
- Glamis bist du; und Cawdor; und sollst werden,
- Was dir verheißen ward: – Doch fürcht’ ich dein Gemüt;
- Es ist zu voll von Milch der Menschenliebe,
- Das Nächste zu erfassen. Groß möcht’st du sein,
- Bist ohne Ehrgeiz nicht; doch fehlt die Bosheit,
- Die ihn begleiten muss. Was recht du möchtest,
- Das möcht’st du rechtlich; möchtest falsch nicht spielen,
- Und unrecht doch gewinnen: möchtest gern
- Das haben, großer Glamis, was dir zuruft:
- »Dies musst du tun, wenn du es haben willst!« –
- Und was du mehr dich scheust zu tun, als dass
- Du ungetan es wünschest. Eil’ hieher,
- Auf dass ich meinen Mut ins Ohr dir gieße,
- Und alles weg mit tapfrer Zunge geißle,
- Was von dem goldnen Zirkel dich zurückdrängt,
- Womit Verhängnis dich und Zaubermacht
- Im voraus schon gekrönt zu haben scheint. –
[…]
- Selbst der Rab’ ist heiser,
- Der Duncans schicksalsvollen Eingang krächzt
- Unter mein Dach. – Kommt, Geister, die ihr lauscht
- Auf Mordgedanken, und entweibt mich hier;
- Füllt mich von Wirbel bis zur Zeh’, randvoll,
- Mit wilder Grausamkeit! Verdickt mein Blut;
- Sperrt jeden Weg und Eingang dem Erbarmen,
- Dass kein anklopfend Mahnen der Natur
- Den grimmen Vorsatz lähmt; noch friedlich hemmt
- Vom Mord die Hand! Kommt an die Weibesbrust,
- Trinkt Galle statt der Milch, ihr Morddämonen,
- Wo ihr auch harrt in unsichtbarer Kraft
- Auf Unheil der Natur! Komm, schwarze Nacht,
- Umwölk’ dich mit dem dicksten Dampf der Hölle,
- Dass nicht mein scharfes Messer sieht die Wunde,
- Die es geschlagen; noch der Himmel,
- Durchschauend aus des Dunkels Vorhang, rufe:
- Halt! Halt!
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