Lady Macbeth: „Kommt, Geister, die ihr lauscht auf Mordgedanken“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Brief in Prosa, dann Blankvers (Übersetzung Dorothea Tieck)

Lady Macbeth: Kommt, Geister, die ihr lauscht auf Mordgedanken

aus Macbeth (1606) von William Shakespeare · I. Aufzug, 5. Szene

Originaltext · Macbeth, William Shakespeare (1606)eingerichtet
Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 371 Wörter
Umfang
35 Verseeingerichtet
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 25–50redaktionelle Einschätzung
Tonlage
berechnendleidenschaftlich
Sprache
Brief in Prosa, dann Blankvers (Übersetzung Dorothea Tieck)behutsam modernisiert
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(Inverness, Macbeths Schloss. Lady Macbeth mit einem Brief ihres Mannes.)

(Liest.)

»Sie begegneten mir am Tage des Sieges; und ich erfuhr aus den sichersten Proben, dass sie mehr als menschliches Wissen besitzen. Als ich vor Verlangen brannte, sie weiter zu befragen, verschwanden sie und zerflossen in Luft. Indem ich noch, von Erstaunen betäubt, da stand, kamen die Abgesandten des Königs, die mich als Than von Cawdor begrüßten; mit welchem Titel mich kurz vorher diese Zauberschwestern angeredet und mich durch den Gruß: ‚Heil dir, dem künft’gen König!‘ auf die Zukunft verwiesen hatten. Ich habe es für gut gehalten, dir dies zu vertrauen, meine geliebteste Teilnehmerin der Hoheit, auf dass dein Mitgenuss an der Freude dir nicht entzogen werde, wenn du nicht erfahren hättest, welche Hoheit dir verheißen ist. Leg’ es an dein Herz und lebe wohl!«

  1. Glamis bist du; und Cawdor; und sollst werden,
  2. Was dir verheißen ward: – Doch fürcht’ ich dein Gemüt;
  3. Es ist zu voll von Milch der Menschenliebe,
  4. Das Nächste zu erfassen. Groß möcht’st du sein,
  5. Bist ohne Ehrgeiz nicht; doch fehlt die Bosheit,
  6. Die ihn begleiten muss. Was recht du möchtest,
  7. Das möcht’st du rechtlich; möchtest falsch nicht spielen,
  8. Und unrecht doch gewinnen: möchtest gern
  9. Das haben, großer Glamis, was dir zuruft:
  10. »Dies musst du tun, wenn du es haben willst!« –
  11. Und was du mehr dich scheust zu tun, als dass
  12. Du ungetan es wünschest. Eil’ hieher,
  13. Auf dass ich meinen Mut ins Ohr dir gieße,
  14. Und alles weg mit tapfrer Zunge geißle,
  15. Was von dem goldnen Zirkel dich zurückdrängt,
  16. Womit Verhängnis dich und Zaubermacht
  17. Im voraus schon gekrönt zu haben scheint. –

[…]

  1. Selbst der Rab’ ist heiser,
  2. Der Duncans schicksalsvollen Eingang krächzt
  3. Unter mein Dach. – Kommt, Geister, die ihr lauscht
  4. Auf Mordgedanken, und entweibt mich hier;
  5. Füllt mich von Wirbel bis zur Zeh’, randvoll,
  6. Mit wilder Grausamkeit! Verdickt mein Blut;
  7. Sperrt jeden Weg und Eingang dem Erbarmen,
  8. Dass kein anklopfend Mahnen der Natur
  9. Den grimmen Vorsatz lähmt; noch friedlich hemmt
  10. Vom Mord die Hand! Kommt an die Weibesbrust,
  11. Trinkt Galle statt der Milch, ihr Morddämonen,
  12. Wo ihr auch harrt in unsichtbarer Kraft
  13. Auf Unheil der Natur! Komm, schwarze Nacht,
  14. Umwölk’ dich mit dem dicksten Dampf der Hölle,
  15. Dass nicht mein scharfes Messer sieht die Wunde,
  16. Die es geschlagen; noch der Himmel,
  17. Durchschauend aus des Dunkels Vorhang, rufe:
  18. Halt! Halt!

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Der Brief ist Prosa, der Rest Blankvers. Lies den Brief nicht vor, sondern lies ihn wirklich: Jeder Satz verändert etwas in ihr.
  • Die Analyse („zu voll von Milch der Menschenliebe“) ist kühl und genau. Sie kennt ihren Mann. Erst die Nachricht vom König macht aus Gedanken einen Plan.
  • Die Anrufung („Kommt, Geister“) ist ein Ritual, kein Wutausbruch. Je konkreter die Körperbilder (Blut, Brust, Milch, Galle), desto unheimlicher.
  • Der kurze Wortwechsel mit dem Diener ist gestrichen und mit […] markiert. Gut als Vorsprechmonolog für Frauen mit großer Energie.

Weitere Rollen aus diesem Stück

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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