Hamlet und Ophelia: „Geh in ein Kloster!“

Dialog · 2 Personen · Renaissance & Shakespeare · Blankvers und Prosa (Übersetzung Schlegel)

Hamlet und Ophelia: Geh in ein Kloster!

aus Hamlet (1603) von William Shakespeare · III. Aufzug, 1. Szene

Originaltext · Hamlet, William Shakespeare (1603)Ausschnitt
Dauer
ca. 4,5 Mingeschätzt, 475 Wörter
Umfang
11 VerseOphelia · Hamlet
Figur
m + w · 2 Personen
Spielalter
ca. 16–32redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verletztleidenschaftlich
Sprache
Blankvers und Prosa (Übersetzung Schlegel)behutsam modernisiert
PDF-Optionen
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Ophelia

Mein Prinz, wie geht es euch seit so viel Tagen?

Stichwort: „… es euch seit so viel Tagen?“

Hamlet

Ich dank’ euch untertänig; wohl.

Stichwort: „Ich dank’ euch untertänig; wohl.“

Ophelia

  1. Mein Prinz, ich hab von euch noch Angedenken,
  2. Die ich schon längst begehrt zurückzugeben.
  3. Ich bitt’ euch, nehmt sie jetzo.

Stichwort: „… Ich bitt’ euch, nehmt sie jetzo.“

Hamlet

  1. Nein, ich nicht;
  2. Ich gab euch niemals was.

Stichwort: „… nicht; Ich gab euch niemals was.“

Ophelia

  1. Mein teurer Prinz, ihr wisst gar wohl, Ihr tatet’s,
  2. Und Worte süßen Hauchs dabei, die reicher
  3. Die Dinge machten. Da ihr Duft dahin,
  4. Nehmt dies zurück: dem edleren Gemüte
  5. Verarmt die Gabe mit des Gebers Güte.
  6. Hier, gnäd’ger Herr.

Stichwort: „… des Gebers Güte. Hier, gnäd’ger Herr.“

Hamlet

Ha, ha! Seid ihr tugendhaft?

Stichwort: „Ha, ha! Seid ihr tugendhaft?“

Ophelia

Gnädiger Herr?

Stichwort: „Gnädiger Herr?“

Hamlet

Seid ihr schön?

Stichwort: „Seid ihr schön?“

Ophelia

Was meint Eure Hoheit?

Stichwort: „Was meint Eure Hoheit?“

Hamlet

Dass, wenn ihr tugendhaft und schön seid, eure Tugend keinen Verkehr mit eurer Schönheit pflegen muss.

Stichwort: „… Verkehr mit eurer Schönheit pflegen muss.“

Ophelia

Könnte Schönheit wohl bessern Umgang haben als mit der Tugend?

Stichwort: „… Umgang haben als mit der Tugend?“

Hamlet

Ja freilich: denn die Macht der Schönheit wird eher die Tugend in eine Kupplerin verwandeln, als die Kraft der Tugend die Schönheit sich ähnlich machen kann. Dies war ehedem paradox, aber nun bestätigt es die Zeit. Ich liebte euch einst.

Stichwort: „… die Zeit. Ich liebte euch einst.“

Ophelia

In der Tat, mein Prinz, ihr machtet mich’s glauben.

Stichwort: „… mein Prinz, ihr machtet mich’s glauben.“

Hamlet

Ihr hättet mir nicht glauben sollen: denn Tugend kann sich unserm alten Stamm nicht so einimpfen, dass wir nicht einen Geschmack von ihm behalten sollten. Ich liebte euch nicht.

Stichwort: „… behalten sollten. Ich liebte euch nicht.“

Ophelia

Um so mehr wurde ich betrogen.

Stichwort: „Um so mehr wurde ich betrogen.“

Hamlet

Geh in ein Kloster. Warum wolltest du Sünder zur Welt bringen? Ich bin selbst leidlich tugendhaft; dennoch könnt’ ich mich solcher Dinge anklagen, dass es besser wäre, meine Mutter hätte mich nicht geboren. Ich bin sehr stolz, rachsüchtig, ehrgeizig; ich habe mehr Vergehungen auf dem Rücken, als ich Gedanken habe sie zu hegen, Einbildungskraft ihnen Gestalt zu geben, oder Zeit sie auszuführen. Wozu sollen solche Gesellen wie ich zwischen Himmel und Erde herumkriechen? Wir sind ausgemachte Schurken, alle: trau keinem von uns! Geh deines Wegs zum Kloster! Wo ist euer Vater?

Stichwort: „… zum Kloster! Wo ist euer Vater?“

Ophelia

Zu Hause, gnädiger Herr.

Stichwort: „Zu Hause, gnädiger Herr.“

Hamlet

Lasst die Tür hinter ihm abschließen, damit er den Narren nirgends anders spielt als in seinem eignen Hause. Leb wohl.

Stichwort: „… in seinem eignen Hause. Leb wohl.“

Ophelia

O hilf ihm, güt’ger Himmel!

Stichwort: „O hilf ihm, güt’ger Himmel!“

Hamlet

Wenn du heiratest, so gebe ich dir diesen Fluch zur Aussteuer: sei so keusch wie Eis, so rein wie Schnee, du wirst der Verleumdung nicht entgehn. Geh in ein Kloster! leb wohl! Oder willst du durchaus heiraten, nimm einen Narren; denn gescheite Männer wissen allzu gut, was ihr für Ungeheuer aus ihnen macht. In ein Kloster! geh! und das schleunig. Leb wohl.

Stichwort: „… geh! und das schleunig. Leb wohl.“

Ophelia

Himmlische Mächte, stellt ihn wieder her!

Stichwort: „Himmlische Mächte, stellt ihn wieder her!“

Hamlet

Ich weiß auch von euren Malereien Bescheid, recht gut. Gott hat euch ein Gesicht gegeben, und ihr macht euch ein andres; ihr schlendert, ihr trippelt, und ihr lispelt, und gebt Gottes Kreaturen verhunzte Namen, und stellt euch aus Leichtfertigkeit unwissend. Geht mir! nichts weiter davon! es hat mich toll gemacht. Ich sage, wir wollen nichts mehr von Heiraten wissen: wer schon verheiratet ist, alle außer einem, soll das Leben behalten; die übrigen sollen bleiben, wie sie sind. In ein Kloster! geh!

Stichwort: „… sie sind. In ein Kloster! geh!“

(Hamlet ab.)

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Die Szene beginnt in Versen und kippt in Prosa, als Hamlet zu spotten beginnt. Der Wechsel von Blankvers zu Prosa zeigt seinen Zustand.
  • Ob Hamlet merkt, dass er belauscht wird, legt der Text nicht fest. Entscheidet es für eure Fassung; es verändert jede Replik.
  • „Geh in ein Kloster!“ wiederholt sich und wird jedes Mal anders gemeint: als Schutz, als Verachtung, als Verzweiflung. Spiele die Beats einzeln.
  • Ophelias kurze Antworten und Gebete („O hilf ihm, güt’ger Himmel!“) sind nicht schwach. Sie hält stand, solange sie kann. Im Stück folgt ihr Monolog „O, welch ein edler Geist“.

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