Kreon: „Dies ist mein Sinn“

Monolog · Antike · Ungereimte Verse (Übertragung Hölderlin)

Kreon, König von Theben: Dies ist mein Sinn

aus Antigone von Sophokles · Hölderlins Übertragung „Antigonae“, Erster Akt, zweite Szene

Originaltext · Antigone, Sophoklesungekürzt
Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 363 Wörter
Umfang
51 Verseungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 35–70redaktionelle Einschätzung
Tonlage
feierlichernst & dramatisch
Sprache
Ungereimte Verse (Übertragung Hölderlin)behutsam modernisiert
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(Vor dem Königshaus in Theben. Kreon tritt vor den Chor der thebanischen Alten.)

  1. Ihr Männer, wärs die Stadt allein, die haben,
  2. Nachdem in großer Flut sie die geschüttert,
  3. Nun wiederum gestaltet unsre Götter.
  4. Euch aber rief aus zwei Ursachen ich
  5. Aus den Gesamten, einmal, weil ich weiß,
  6. Ihr achtet überhaupt von Lajos Thron die Herrschaft,
  7. Dann auch, als Ödipus die Stadt errichtet,
  8. Und nachher unterging, seid treugesinnt
  9. Geblieben ihr den Kindern jener Eltern.
  10. Da nun aus doppeltem Verhängnis diese
  11. An einem Tag umkamen, schlagend und
  12. Geschlagen in der eigenhändgen Schande,
  13. Hab ich die Kraft also und Thron durchaus,
  14. Aus Folge des Geschlechts von den Gestorbnen.
  15. Doch nur mit solchen, die Recht und Befehl gewohnt sind,
  16. Kann einer in der Seel und Sinnesart und Meinung,
  17. Verstehn sich, allenfalls, mit andern schwerlich.
  18. Mir nämlich scheint, wenn einer vornehm ist,
  19. Und nicht sich hält im höchsten Sinn, hingegen
  20. In einer Furcht verschloßne Zunge führet,
  21. Ein schlechtes Leben das, jetzt und von jeher.
  22. Und wenn für größer, als sein Vaterland,
  23. Das Liebste jemand hält, der gilt mir ganz nichts.
  24. Ich nämlich, weiß es Zeus, der alles schauet, allzeit,
  25. Ich werd es nicht verschweigen, seh ich Irrung
  26. Den Städtern gehen gegen ihre Wohlfahrt, nicht,
  27. Wenn auf dem Grund hier ein Verdroßner ist,
  28. Den mir zum Freunde machen, denn ich weiß,
  29. Der hält zusammen, und so wir auf diesem
  30. Recht fahren, mögen Freunde wir gewinnen.
  31. Nach solcher Satzung will die Stadt ich fördern.
  32. Dermalen aber hab ich Ähnliches verkündet
  33. Den Städtern wegen Ödipus Geschlecht.
  34. Eteokles wohl, der kämpfend für die Stadt ist
  35. Gestorben, all anordnend mit dem Speer,
  36. Ihn decket mit dem Grab und heiliget,
  37. Was nur gehört den besten Toten drunten.
  38. Doch jenem, der sein Blutsverwandter ist,
  39. Polynikes, der das väterliche Land,
  40. Der Heimat Götter, kommend von der Flucht,
  41. Vom Gipfel an, mit Feuer, wollte stürzen,
  42. Sich weiden an verwandtem Blut und diese
  43. Wegführen in Gefangenschaft, von diesem
  44. Sag ich und in der Stadt ists ausgerufen,
  45. Dass keiner ihn begrabe, keiner traure,
  46. Dass unbegraben er gelassen sei, zu schaun
  47. Ein Mahl, zerfleischt von Vögeln und von Hunden.
  48. Dies ist mein Sinn und niemals werden mir
  49. Die Schlimmen mehr geehrt sein, als die Guten.
  50. Doch wer es gut meint mit der Stadt, tot oder
  51. Lebendig, immer sei er gleich von mir geschätzet.

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Spielhinweise

  • Kreon ist hier kein Tyrann, sondern ein Staatsmann mit Prinzipien. Spiele den Anspruch, gerecht zu sein. Die Härte liegt im Gesetz selbst, nicht in der Stimme.
  • Hölderlin übersetzt nah am griechischen Satzbau („Hab ich die Kraft also und Thron durchaus“). Kläre jeden Satz für dich, dann trägt die fremde Wortstellung.
  • Die Rede richtet sich an den Chor: eine Gruppe von Zuhörern, die zustimmen soll. Stell dir mehrere Gesichter vor und gewinne sie nacheinander.
  • Mit diesem Gesetz beginnt die Tragödie. Der Schluss („Doch wer es gut meint mit der Stadt …“) ist zugleich Versprechen und Drohung.

Weitere Rollen aus diesem Stück

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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