(Expeditionsraum im Haus des Fabrikanten. Die Weber warten mit ihren Waren.)
Es war nichts von Bedeutung. Der Junge ist schon wieder ganz munter. (Erregt und pustend umhergehend) Es bleibt aber immer eine Gewissenlosigkeit. Das Kind ist ja nur so’n Hälmchen zum umblasen. Es ist rein unbegreiflich, wie Menschen … wie Eltern so unvernünftig sein können. Bürden ihm zwei Schock Parchend auf, gute anderthalb Meilen Wegs. Es is wirklich kaum zum glauben. Ich werde einfach müssen die Einrichtung treffen, dass Kindern überhaupt die Ware nich mehr abgenommen wird. (Er geht wiederum eine Weile stumm hin und her) Jedenfalls wünsche ich dringend, dass so etwas nicht mehr vorkommt. — Auf wem bleibt’s denn schließlich sitzen? Natürlich doch auf uns Fabrikanten. Wir sind an allem schuld. Wenn so’n armes Kerlchen zur Winterszeit im Schnee stecken bleibt und einschläft, dann kommt so’n hergelaufener Skribent, und in zwei Tagen da haben wir die Schauergeschichte in allen Zeitungen. Der Vater, die Eltern, die so’n Kind schicken . . . . i bewahre, wo werden die denn schuld sein! Der Fabrikant muss ’ran, der Fabrikant is’ der Sündenbock. Der Weber wird immer gestreichelt, aber der Fabrikant wird immer geprügelt: das is ’n Mensch ohne Herz, ’n Stein, ’n gefährlicher Kerl, den jeder Presshund in die Waden beißen darf. Der lebt herrlich und in Freuden und gibt den armen Webern Hungerlöhne. — Dass so’n Mann auch Sorgen hat und schlaflose Nächte, dass er sein großes Risiko läuft, wovon der Arbeiter sich nichts träumen lässt, dass er manchmal vor lauter dividieren, addieren und multiplizieren, berechnen und wieder berechnen nich’ weiß, wo ihm der Kopf steht, dass er hunderterlei bedenken und überlegen muss und immerfort so zu sagen auf Tod und Leben kämpft und konkurriert, dass kein Tag vergeht ohne Ärger und Verlust: darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Und was hängt nicht alles am Fabrikanten, was saugt nich’ alles an ihm und will von ihm leben. Nee, nee! ihr solltet nur manchmal in meiner Haut stecken, ihr würd’s bald genug satt kriegen. (Nach einiger Sammlung) Wie hat sich dieser Kerl, dieser Bursche da, dieser Bäcker hier aufgeführt! Nun wird er gehen und ausposaunen, ich wäre wer weiß wie unbarmherzig. Ich setzte die Weber bei jeder Kleinigkeit mir nichts, dir nichts vor die Tür. Is’ das wahr? Bin ich so unbarmherzig?
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Na, das scheint mir doch auch so. Und dabei ziehen diese Lümmels umher und singen gemeine Lieder auf uns Fabrikanten, wollen von Hunger reden und haben so viel übrig, um den Fusel quartweise konsumieren zu können. Sie sollten mal die Nase hübsch wo anders neinstecken und sehen, wie’s bei den Leinwandwebern aussieht. Die können von Not reden. Aber ihr hier, ihr Parchentweber, ihr steht noch so da, dass ihr nur Grund habt, Gott im Stillen zu danken. Und ich frage die alten fleißigen und tüchtigen Weber, die hier sind: kann ein Arbeiter, der seine Sachen zusammenhält, bei mir auskommen oder nicht?
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Na, seht ihr! — So’n Kerl, wie der Bäcker natürlich nicht. Aber, ich rate euch, haltet diese Burschen im Zaume; wird mir’s zu bunt, dann quittiere ich. Dann löse ich das Geschäft auf, und dann könnt ihr seh’n, wo ihr bleibt. Dann könnt ihr seh’n, wo ihr Arbeit bekommt. Bei Ehren-Bäcker sicherlich nicht.
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Die Geschäfte geh’n hundsmiserabel, das wisst ihr ja selbst. Ich setze zu, statt dass ich verdiene. Wenn ich trotzdem dafür sorge, dass meine Weber immer Arbeit haben, so setze ich voraus, dass das anerkannt wird. Die Ware liegt mir da in tausenden von Schocken, und ich weiß heut noch nicht, ob ich sie jemals verkaufen werde. — Nun hab’ ich gehört, dass sehr viele Weber hierum ganz ohne Arbeit sind und da … na, Pfeifer mag euch das Weitre auseinandersetzen. — Die Sache ist nämlich die: damit ihr den guten Willen seht … ich kann natürlich keine Almosen austeilen, dazu bin ich nicht reich genug, aber ich kann bis zu einem gewissen Grade den Arbeitslosen Gelegenheit geben, wenigstens ’ne Kleinigkeit zu verdienen. Dass ich dabei ein immenses Risiko habe, ist ja meine Sache. — Ich denke mir halt: wenn sich ein Mensch täglich ’ne Quarkschnitte erarbeiten kann, so ist doch das immer besser, als wenn er überhaupt hungern muss. Hab ich nicht recht?
[…]
Ich bin also gern bereit, noch zweihundert Webern Beschäftigung zu geben. Unter welchen Umständen, wird Pfeifer euch auseinandersetzen.
(Er will gehen.)
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