Yasmin: Dreißig

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Yasmin: Auf eine zu dicke Gurke.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 392 Wörter
Umfang
392 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 28–31redaktionelle Einschätzung
Tonlage
ironischtragikomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
Seite

(Ein Kinderzimmer in einem Reihenhaus. Pferdeposter, Etagenbett, Luftschlangen. Zehn Leute um die dreißig stehen mit Sektgläsern eng zwischen Schreibtisch und Kleiderschrank. Yasmin, dreißig, Jogginghose, gerade erst aus der Dusche, hält ein Glas, das ihr jemand in die Hand gedrückt hat. Ihre Mutter nickt ihr aufmunternd zu.)

Wow. Danke. Wirklich. Ich bin … überrascht. Das war ja auch der Plan. (Sie sieht zu ihrer Mutter.) Mama hat gesagt, ich soll was sagen. Mama sagt seit dreißig Jahren, ich soll was sagen, beim Arzt, beim Bäcker, auf Hochzeiten. Also sage ich was.

Willkommen in meinem Zimmer. Für die, die lange nicht hier waren: Es hat sich nichts verändert. Das Pferd über dem Bett heißt Sternchen. Ich hab es aus einer Zeitschrift ausgeschnitten, als ich zehn war, und ich habe nie ein echtes Pferd geritten. Das Etagenbett hab ich mit vierzehn bekommen, damit Übernachtungsbesuch kommen kann. Es kam nie Übernachtungsbesuch, weil ich mit vierzehn sehr anstrengend war. (Zu einer Frau.) Melli, du warst einmal da. Du bist um elf abgeholt worden.

Und jetzt seid ihr alle hier. Kai, der in der achten Klasse mein Freund war, drei Wochen lang, per SMS. Jenny, die mir in der Zehnten das Rauchen beigebracht hat, hinter der Turnhalle. Ich rauche nicht mehr, Jenny, du kannst also stolz sein. Und Herr Brandt, mein Mathelehrer. (Pause.) Mama, warum ist Herr Brandt hier?

(Gelächter. Herr Brandt hebt das Glas.)

Ihr fragt euch bestimmt, wie es mir geht. Ihr fragt nicht, weil ihr höflich seid, aber ich sehe es. Ihr guckt auf die Jogginghose. Ihr guckt auf das Pferd. Ihr denkt: Was ist passiert? Yasmin wollte doch nach Berlin. Yasmin hatte doch diesen Job in der Agentur und diesen Freund mit dem Lastenrad.

(Sie trinkt.) Die Agentur gibt es noch. Ohne mich. Den Freund gibt es noch. Ohne mich. Das Lastenrad hat er behalten. Und jetzt bin ich dreißig und schlafe unter einem Pferdeposter, und meine Mutter macht mir morgens ein Pausenbrot, obwohl ich keine Pause habe, weil ich nicht arbeite.

(Stille. Die Mutter senkt den Blick.)

Und wisst ihr was? Das Pausenbrot ist gut. Das ist das Beste, was mir in diesem Jahr passiert ist. Es ist immer Käse und Gurke, und die Gurke ist immer zu dick geschnitten, und irgendwann im September hab ich gemerkt, dass ich mich darauf freue. Auf eine zu dicke Gurke.

Ich habe nicht gedacht, dass ich hier noch mal lande. Ich dachte, das Zimmer ist ein Anfang, kein Ende. Vielleicht ist es auch beides. (Sie hebt ihr Glas.) Also. Auf Sternchen, das Pferd, das ich nie geritten bin. Auf das Etagenbett, das endlich voll wird, wenn heute jemand zu viel trinkt. Und auf Mama und Papa, die mich zurückgenommen haben, ohne Fragen zu stellen.

(Pause.) Herr Brandt, Sie dürfen auch bleiben. Aber oben schläft Melli. Die hat noch eine Nacht gut.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Yasmin beginnt mit Ironie als Schutz. Halte das Tempo am Anfang hoch und die Witze trocken.
  • Jedes Ding im Zimmer erzählt von früher. Wähle die Gegenstände konkret und schau sie dir wirklich an.
  • Der Bruch kommt bei der Frage, wie es ihr geht. Danach wird es langsamer; das ist der Kern der Tragikomödie.
  • Am Schluss findet Yasmin zurück in die Komik, aber anders. Die letzte Zeile meint sie ernst.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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