Thomas: Die Maschine

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Thomas: Mama, ich hab mir ein Motorrad gekauft.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 375 Wörter
Umfang
375 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 40–46redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verlegentragikomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
Seite

(Eine Garage. Ein altes Motorrad, frisch poliert. Thomas, vierundvierzig, sitzt auf einem Klappstuhl daneben, das Telefon am Ohr.)

Mama? Ich bin’s. Nein, alles gut. Den Kindern geht’s gut. Sabine geht’s gut. Ich ruf nur an, weil … (Pause.) Weil Sonntag ist. Ja. Ich weiß, dass ich sonst nicht anrufe, wenn Sonntag ist. Mama. Ich muss dir was sagen. Setz dich mal hin.

Nein, niemand ist krank. Mama, ich hab mir ein Motorrad gekauft.

(Lange Pause. Er hält das Telefon ein Stück vom Ohr weg.)

Ja. Ein Motorrad. (Pause.) Nein, ich hab keine Midlife-Crisis. Das sagt Sabine auch. Ich hab einfach ein Motorrad. (Pause.) Weil ich es wollte. Weil ich vierundvierzig bin und seit zwanzig Jahren jeden Morgen um sieben im selben Auto auf derselben Bundesstraße stehe und jeden Morgen dieselben Motorräder an mir vorbeifahren. Und jeden Morgen denke ich: Der hat es besser. Der hat Wind.

Mama, ich trag einen Helm. Ich hab einen Kurs gemacht, ich hab den Schein, ich bin der langsamste Motorradfahrer in ganz Niedersachsen. Ich fahr zum Bäcker. (Pause.) Was für eins? (Er sieht auf das Motorrad.) Eine Honda. Eine alte.

(Leise.) Ja. Die. Die CB, die Papa hatte. Rot, mit dem verchromten Tank. Ich hab sie bei einem Mann in Celle gefunden, der hat sie dreißig Jahre im Schuppen stehen gehabt. Ich hab sie mit dem Anhänger geholt.

Weißt du noch, wie er sie verkauft hat? Ich war acht. Er hat sie an einem Samstag vor die Tür geschoben, und ein Mann mit Schnurrbart hat bar bezahlt. Papa hat ihm den Schlüssel gegeben und ist rein und hat den ganzen Nachmittag den Rasen gemäht. Zweimal. Und du hast in der Küche gestanden und nichts gesagt.

Ich mach dir keinen Vorwurf. Ich weiß, warum. Weil wir zwei Kinder waren und Onkel Rolf mit dem Motorrad … Ja. Ich weiß. (Pause.) Ich hab nur nie verstanden, warum er nie wieder gefahren ist. Auch nicht, als wir groß waren.

(Lange Pause. Thomas hört zu. Sein Gesicht verändert sich.)

Was? (Pause.) Du bist … Mama. Du bist gefahren? Du? (Pause.) Vor Papa. Mit siebzehn. Eine Kreidler. Und du hast Papa auf einem Motorradtreffen kennengelernt. (Er steht auf.) Das habt ihr mir nie erzählt. Vierundvierzig Jahre, und das habt ihr mir nie erzählt!

(Er lacht, fassungslos.) Und warum hast du dann …? (Pause. Leise.) Weil du dich für uns entschieden hast. Ihr beide. Gleichzeitig.

(Er setzt sich wieder. Er streicht über den Tank.)

Mama? Was machst du nächsten Sonntag? (Pause.) Ich hab einen zweiten Helm. Sabine passt er nicht. (Pause.) Doch, ich mein das ernst. Ich fahr langsam. Ich bin der langsamste Motorradfahrer in ganz Niedersachsen. (Er lauscht.) Du willst vorn sitzen? (Pause, dann ein Lachen.) Okay. Okay, Mama. Aber nur bis zum Bäcker.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Wir hören nur Thomas. Gib jeder Antwort der Mutter eine konkrete Pause und eine Reaktion.
  • Thomas ist kein Midlife-Klischee. Er kauft nicht Freiheit, sondern Erinnerung. Spiel die Komik, ohne ihn lächerlich zu machen.
  • Die Wendung am Schluss kommt von der Mutter. Zeig, wie Thomas sie erst nicht glaubt. Das ist die Pointe.
  • Das Motorrad kann im Raum stehen oder nur gedacht sein. Eine Hand auf dem Tank reicht.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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