Ricky: 412 ungelesene Nachrichten

Monolog · Gegenwart · Gereimte Verse

Ricky: Mein Daumen traf die Königswahl.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 246 Wörter
Umfang
40 Verseungekürzt
Figur
offen besetzbar
Spielalter
ca. 13–17redaktionelle Einschätzung
Tonlage
hektischkomisch
Sprache
Gereimte Verse

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Stell zusammen, was auf dem Blatt stehen soll. Die Auswahl gilt für den Druck und für das PDF.

Inhalt
Seite

(Ein Bett, eine Decke, ein leuchtendes Handy. Ricky, vierzehn, sitzt im Schlafanzug auf der Bettkante, ein Handtuch um den Hals, und starrt auf den Bildschirm.)

  1. Ich war nur zehn Minuten duschen,
  2. das Handy lag hier auf dem Kissen.
  3. Jetzt seh ich nur noch Zahlen huschen:
  4. Vierhundertzwölf. Ich will’s nicht wissen.
  1. Ich scroll nach oben, Stück für Stück,
  2. vorbei an Katzen, Memes und Streit.
  3. Ich such den Anfang, ein Zurück,
  4. doch dieser Anfang ist sehr weit.
  1. Es fing ganz harmlos an, um acht:
  2. „Hat wer die Mathe, Seite zwei?“
  3. Dann hat der Finn ein Foto gemacht
  4. von seinem Hamster mit ’nem Ei.
  1. Dann ging’s um unsern Wandertag.
  2. Die Lea schreibt: „Ich hasse Wald.“
  3. Die Jule schreibt: „Wer Wald nicht mag,
  4. bleibt halt zu Hause.“ Es wird kalt.

(Ricky stockt, hält das Handy näher ans Gesicht.)

  1. Und zwischendrin, ich glaub es nicht,
  2. ein Daumen hoch von Frau Klawitt.
  3. Die Elternsprecherin. Die spricht
  4. nie was. Die liest nur immer mit.
  1. Ich tipp nur schnell „okay“ hinein,
  2. damit es aussieht, ich war da.
  3. Da rutscht der Daumen. Nein, nein, nein.
  4. Die Krone-Kartoffel. Mit „HURRA“.

(Ricky lässt das Handy aufs Bett fallen, als wäre es heiß, und hebt es mit zwei Fingern wieder auf.)

  1. Zehn Sekunden ist es still.
  2. Dann Lea: „Ricky, echt jetzt? Krass.“
  3. Und Jule: „Wenn Ricky König werden will …“
  4. Und Finn: „Ich wähl dich. Das wird Spaß.“
  1. Und dann, das gab es nie zuvor,
  2. schreibt die, die sonst nur Daumen schickt:
  3. „Bravo, Ricky! Ich geb’s ans Rektor-
  4. zimmer weiter.“ Und es klickt.
  1. Vierhundertdreißig. Und es steigt.
  2. Ich lege still das Handy weg.
  3. Wer vierzehn ist und lieber schweigt,
  4. dem macht ein Chat den größten Schreck.
  1. Und morgen früh, so wird es sein,
  2. steh ich gekrönt vorm ganzen Saal.
  3. Ich wollte nur „okay“, ganz klein.
  4. Mein Daumen traf die Königswahl.

(Ricky zieht sich die Decke über den Kopf. Darunter leuchtet weiter das Handy.)

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Der Text ist in vierhebigen Versen mit Kreuzreim geschrieben. Lass den Rhythmus tragen, aber leiere ihn nicht herunter. Die Reime sind Teil der Komik. Mehr zum Metrum.
  • Das Handy ist die wichtigste Requisite. Jede Strophe beginnt mit einem neuen Blick auf den Bildschirm: Scrollen, Stocken, Zurückzucken.
  • Die Pointe liegt in der letzten Zeile. Spiele Ricky nicht als Opfer des Chats, sondern als Person, die mit jeder Strophe ein bisschen mehr Kontrolle verliert und es mit Würde trägt.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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