(Ein Bett, eine Decke, ein leuchtendes Handy. Ricky, vierzehn, sitzt im Schlafanzug auf der Bettkante, ein Handtuch um den Hals, und starrt auf den Bildschirm.)
- Ich war nur zehn Minuten duschen,
- das Handy lag hier auf dem Kissen.
- Jetzt seh ich nur noch Zahlen huschen:
- Vierhundertzwölf. Ich will’s nicht wissen.
- Ich scroll nach oben, Stück für Stück,
- vorbei an Katzen, Memes und Streit.
- Ich such den Anfang, ein Zurück,
- doch dieser Anfang ist sehr weit.
- Es fing ganz harmlos an, um acht:
- „Hat wer die Mathe, Seite zwei?“
- Dann hat der Finn ein Foto gemacht
- von seinem Hamster mit ’nem Ei.
- Dann ging’s um unsern Wandertag.
- Die Lea schreibt: „Ich hasse Wald.“
- Die Jule schreibt: „Wer Wald nicht mag,
- bleibt halt zu Hause.“ Es wird kalt.
(Ricky stockt, hält das Handy näher ans Gesicht.)
- Und zwischendrin, ich glaub es nicht,
- ein Daumen hoch von Frau Klawitt.
- Die Elternsprecherin. Die spricht
- nie was. Die liest nur immer mit.
- Ich tipp nur schnell „okay“ hinein,
- damit es aussieht, ich war da.
- Da rutscht der Daumen. Nein, nein, nein.
- Die Krone-Kartoffel. Mit „HURRA“.
(Ricky lässt das Handy aufs Bett fallen, als wäre es heiß, und hebt es mit zwei Fingern wieder auf.)
- Zehn Sekunden ist es still.
- Dann Lea: „Ricky, echt jetzt? Krass.“
- Und Jule: „Wenn Ricky König werden will …“
- Und Finn: „Ich wähl dich. Das wird Spaß.“
- Und dann, das gab es nie zuvor,
- schreibt die, die sonst nur Daumen schickt:
- „Bravo, Ricky! Ich geb’s ans Rektor-
- zimmer weiter.“ Und es klickt.
- Vierhundertdreißig. Und es steigt.
- Ich lege still das Handy weg.
- Wer vierzehn ist und lieber schweigt,
- dem macht ein Chat den größten Schreck.
- Und morgen früh, so wird es sein,
- steh ich gekrönt vorm ganzen Saal.
- Ich wollte nur „okay“, ganz klein.
- Mein Daumen traf die Königswahl.
(Ricky zieht sich die Decke über den Kopf. Darunter leuchtet weiter das Handy.)
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Ende des Textes

