Charlotte: Der Elternabend

Monolog · Gegenwart · Gereimte Verse (Paarreim)

Charlotte: Natürlich ich.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 275 Wörter
Umfang
42 Verseungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 38–45redaktionelle Einschätzung
Tonlage
erschöpftkomisch
Sprache
Gereimte Verse (Paarreim)

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Inhalt
Seite

(Ein Klassenzimmer, Dienstagabend. Charlotte, Anfang vierzig, sitzt auf einem viel zu kleinen Stuhl, die Handtasche auf den Knien, die Jacke an. Um sie herum andere Eltern. Vorn an der Tafel steht „TOP 3: Handy“.)

  1. Ich sitz auf einem Kinderstuhl,
  2. die Knie bis zum Kinn, sehr cool,
  3. die Tafel sagt: „Tagesordnungspunkt drei“,
  4. und mein Gefrierzeug im Kofferraum taut dabei.
  5. Ich hab mir heute vorgenommen,
  6. ich sag nichts, ich bin nur gekommen.
  1. Frau Meier hebt sofort die Hand:
  2. „Die Kinder sind doch ganz verbrannt
  3. von diesem Bildschirm, diesem Licht!“
  4. Sie hat ein Tablet. Merkt sie nicht.
  5. Herr Schulz, der Arzt, sagt ernst und knapp:
  6. „Dopamin!“ Und dann schläft er ab.
  7. Ein Vater filmt, damit die Frau
  8. es später sieht. Sie weiß genau,
  9. dass sie gefehlt hat. Er hält drauf.
  10. Ich schau auf meine Uhr. Ich lauf.

(Sie steht halb auf. Die Lehrerin sieht sie an. Sie setzt sich wieder.)

  1. Nein, lauf ich nicht. Ich bleib, ich bleib.
  2. Ich hab ja keinen Zeitvertreib.
  3. Nur Arbeit, Kind und Wäscheberg
  4. und morgen früh um sieben ein Gewerk
  5. aus Folien, Zahlen, einem Chart.
  6. Ich bin nicht müde. Ich bin hart.
  1. Dann fragt die Lehrerin ganz leise:
  2. „Und Sie, Frau Berg? Was denken Sie?“ – Na, Scheiße.
  3. Das hab ich nicht gesagt. Nur gedacht.
  4. Ich hab gelächelt, laut gelacht,
  5. und dann, ich weiß nicht, was mich trieb,
  6. hab ich gesagt, was übrig blieb:
  1. „Ich weiß nicht, ob das Handy schadet.
  2. Ich weiß nur, dass mein Kind mich fragt:
  3. ‚Mama, wann bist du endlich fertig?‘
  4. Und dabei schau ich – sehr gegenwärtig –
  5. in mein Telefon. Jeden Abend.
  6. Ich bin kein Vorbild, nur ermahnend.
  7. Wenn wir den Kindern was verbieten,
  8. dann lasst uns selbst mal Ruhe bieten.
  9. Ein Abend ohne. Alle. Wir.
  10. Das wär ein Anfang. Hier. Und hier.“

(Stille. Dann klatscht jemand. Dann mehrere. Die Lehrerin lächelt und blättert in ihren Unterlagen.)

  1. Und dann, TOP vier, wie aus dem Nichts:
  2. „Wir brauchen noch ein Elterngesicht.
  3. Die Elternsprecherwahl ist dran.
  4. Wer meldet sich?“ Und jeder schaut mich an.

(Pause. Sie hebt langsam, ganz langsam die Hand.) Natürlich ich. (Sie seufzt.) Darf ich vorher kurz das Gefrierzeug holen?

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Der Vers ist Charlottes innerer Kommentar, der irgendwann laut wird. Achte auf das Metrum und lass die Reime trocken fallen.
  • Die anderen Eltern sind kurze Porträts. Gib jedem eine eigene Geste oder Stimme, aber verurteile niemanden.
  • Charlottes Rede zum Handy ist ehrlich gemeint; dort wird der Ton kurz ernst.
  • Die Pointe kommt, als alle sie ansehen. Lass die letzte Zeile auf ihrem Gesicht spielen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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