(Ein Klassenzimmer, Dienstagabend. Charlotte, Anfang vierzig, sitzt auf einem viel zu kleinen Stuhl, die Handtasche auf den Knien, die Jacke an. Um sie herum andere Eltern. Vorn an der Tafel steht „TOP 3: Handy“.)
- Ich sitz auf einem Kinderstuhl,
- die Knie bis zum Kinn, sehr cool,
- die Tafel sagt: „Tagesordnungspunkt drei“,
- und mein Gefrierzeug im Kofferraum taut dabei.
- Ich hab mir heute vorgenommen,
- ich sag nichts, ich bin nur gekommen.
- Frau Meier hebt sofort die Hand:
- „Die Kinder sind doch ganz verbrannt
- von diesem Bildschirm, diesem Licht!“
- Sie hat ein Tablet. Merkt sie nicht.
- Herr Schulz, der Arzt, sagt ernst und knapp:
- „Dopamin!“ Und dann schläft er ab.
- Ein Vater filmt, damit die Frau
- es später sieht. Sie weiß genau,
- dass sie gefehlt hat. Er hält drauf.
- Ich schau auf meine Uhr. Ich lauf.
(Sie steht halb auf. Die Lehrerin sieht sie an. Sie setzt sich wieder.)
- Nein, lauf ich nicht. Ich bleib, ich bleib.
- Ich hab ja keinen Zeitvertreib.
- Nur Arbeit, Kind und Wäscheberg
- und morgen früh um sieben ein Gewerk
- aus Folien, Zahlen, einem Chart.
- Ich bin nicht müde. Ich bin hart.
- Dann fragt die Lehrerin ganz leise:
- „Und Sie, Frau Berg? Was denken Sie?“ – Na, Scheiße.
- Das hab ich nicht gesagt. Nur gedacht.
- Ich hab gelächelt, laut gelacht,
- und dann, ich weiß nicht, was mich trieb,
- hab ich gesagt, was übrig blieb:
- „Ich weiß nicht, ob das Handy schadet.
- Ich weiß nur, dass mein Kind mich fragt:
- ‚Mama, wann bist du endlich fertig?‘
- Und dabei schau ich – sehr gegenwärtig –
- in mein Telefon. Jeden Abend.
- Ich bin kein Vorbild, nur ermahnend.
- Wenn wir den Kindern was verbieten,
- dann lasst uns selbst mal Ruhe bieten.
- Ein Abend ohne. Alle. Wir.
- Das wär ein Anfang. Hier. Und hier.“
(Stille. Dann klatscht jemand. Dann mehrere. Die Lehrerin lächelt und blättert in ihren Unterlagen.)
- Und dann, TOP vier, wie aus dem Nichts:
- „Wir brauchen noch ein Elterngesicht.
- Die Elternsprecherwahl ist dran.
- Wer meldet sich?“ Und jeder schaut mich an.
(Pause. Sie hebt langsam, ganz langsam die Hand.) Natürlich ich. (Sie seufzt.) Darf ich vorher kurz das Gefrierzeug holen?
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Ende des Textes

