Rana und Tess: Der Balkon

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Rana und Tess: Ich hab es mir auch romantischer vorgestellt. Ohne Jonte im Hintergrund.

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Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 310 Wörter
Umfang
310 WörterTess · Rana
Figuren
weiblich + weiblich
Spielalter
ca. 18–20redaktionelle Einschätzung
Tonlage
aufgedrehttragikomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
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(Ein schmaler Hotelbalkon, zwei Plastikstühle, ein Wäscheständer mit Badetüchern. Von unten Musik einer Strandbar. Rana, neunzehn, sitzt mit angezogenen Knien da. Tess, achtzehn, kommt aus dem Zimmer, das Handy in der Hand, und lässt sich auf den zweiten Stuhl fallen.)

Tess

Er hat geantwortet.

Stichwort: „Er hat geantwortet.“

Rana

Wer?

Stichwort: „Wer?“

Tess

Jonte. Wer denn sonst. Er hat geschrieben: „Haha.“ Mit zwei a. Was heißt das?

Stichwort: „… Mit zwei a. Was heißt das?“

Rana

Dass er lacht.

Stichwort: „Dass er lacht.“

Tess

Aber zwei a. Bei drei a lacht man wirklich. Bei zwei a lacht man aus Höflichkeit. (Sie starrt auf das Handy.) Ich hab ihm geschrieben, dass der Sonnenuntergang heute aussah wie ein Aperol. Und er schreibt: „Haha.“

Stichwort: „… ein Aperol. Und er schreibt: „Haha.““

Rana

Der Sonnenuntergang sah wirklich aus wie ein Aperol.

Stichwort: „… sah wirklich aus wie ein Aperol.“

Tess

Danke. Siehst du. Du verstehst mich.

Stichwort: „Danke. Siehst du. Du verstehst mich.“

Rana

Tess, ich wollte dir eigentlich noch was …

Stichwort: „… wollte dir eigentlich noch was …“

Tess

Warte. Er tippt. (Beide starren auf das Handy.) Er tippt nicht mehr. (Sie legt das Handy mit dem Bildschirm nach unten auf den Boden.) Fertig. Ich bin fertig mit Jonte. Was wolltest du sagen?

Stichwort: „… mit Jonte. Was wolltest du sagen?“

Rana

Dass das die letzte Nacht ist.

Stichwort: „Dass das die letzte Nacht ist.“

Tess

Ich weiß. Morgen um sechs der Bus. Zweiundzwanzig Stunden. Mit Herrn Ostrowski, der wieder seine Wanderlieder singt.

Stichwort: „… Ostrowski, der wieder seine Wanderlieder singt.“

Rana

Nein, ich meine, die letzte Nacht von allem. Ab August bist du in Münster und ich in Köln. Das ist nicht weit, ich weiß. Aber man sieht sich nicht mehr in der großen Pause. Und heult nicht mehr zusammen auf dem Klo wegen Chemie.

Stichwort: „… zusammen auf dem Klo wegen Chemie.“

Tess

Wir haben nie wegen Chemie geheult.

Stichwort: „Wir haben nie wegen Chemie geheult.“

Rana

Du hast wegen Chemie geheult. Ich hab dir die Taschentücher gehalten. Drei Jahre lang.

Stichwort: „… die Taschentücher gehalten. Drei Jahre lang.“

Tess

(Lacht.) Stimmt. (Das Handy vibriert. Sie hebt es sofort auf.) Er schreibt: „Bist du auch auf dem Balkon?“ (Sie springt auf und beugt sich über das Geländer.) Wo ist er? Siehst du ihn? Welcher Balkon?

Stichwort: „… er? Siehst du ihn? Welcher Balkon?“

Rana bleibt sitzen

Tess.

Stichwort: „Tess.“

Tess

Da! Der dritte von links. Mit dem Handtuch. Oh Gott, er winkt. Soll ich winken? Ich winke.

Stichwort: „… winkt. Soll ich winken? Ich winke.“

Rana

(Laut, plötzlich.) Ich bin verliebt.

Stichwort: „Ich bin verliebt.“

(Tess hört auf zu winken und dreht sich langsam um.)

Tess

In Jonte?

Stichwort: „In Jonte?“

Rana

Nein, Tess. Nicht in Jonte.

Stichwort: „Nein, Tess. Nicht in Jonte.“

Tess

(Pause.) In wen dann?

Stichwort: „In wen dann?“

(Rana sieht sie an und sagt nichts. Unten wechselt die Musik. Tess setzt sich langsam wieder hin.)

Tess

Oh.

Stichwort: „Oh.“

Rana

Ja.

Stichwort: „Ja.“

Tess

Seit wann?

Stichwort: „Seit wann?“

Rana

Seit Chemie. Seit dem dritten Taschentuch ungefähr.

Stichwort: „… Chemie. Seit dem dritten Taschentuch ungefähr.“

Tess

(Pause.) Und das sagst du mir jetzt. In der letzten Nacht. Auf einem Balkon mit Wäscheständer.

Stichwort: „… Nacht. Auf einem Balkon mit Wäscheständer.“

Rana

Ich hab es mir auch romantischer vorgestellt. Ohne Jonte im Hintergrund.

Stichwort: „… romantischer vorgestellt. Ohne Jonte im Hintergrund.“

(Das Handy vibriert. Tess sieht kurz hin. Dann legt sie es mit dem Bildschirm nach unten unter den Stuhl.)

Tess

Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Stichwort: „… weiß nicht, was ich sagen soll.“

Rana

Musst du nicht. Ich wollte nur nicht in den Bus steigen, ohne dass du es weißt.

Stichwort: „… steigen, ohne dass du es weißt.“

Tess

(Nach einer Weile streckt sie die Hand aus, nicht ganz bis zu Rana.) Bleib noch sitzen. Bis die Musik aufhört. Ich muss nachdenken. Und ich denke besser, wenn du da bist.

Stichwort: „… denke besser, wenn du da bist.“

Rana legt ihre Hand neben die von Tess

Okay. Ich halte die Taschentücher bereit.

Stichwort: „Okay. Ich halte die Taschentücher bereit.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Die Szene lebt von zwei Tempi: Tess ist schnell, abgelenkt, aufgedreht, Rana langsam und gesammelt. Lasst diesen Unterschied hörbar werden, bis er kippt. Hilfreich ist ein Blick auf das Partnerspiel.
  • Das Handy ist die dritte Figur. Jedes Vibrieren unterbricht. Dass Tess es am Ende unter den Stuhl legt, ist ihre eigentliche Antwort.
  • Das Ende bleibt offen. Spielt weder Zurückweisung noch Erfüllung, sondern den Moment, in dem beide neu nachdenken. Der Subtext trägt mehr als die Worte.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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