Sabine: „Schon seit fünf Wochen“

Monolog · Weimarer Klassik · Prosa

Sabine Staar: Schon seit fünf Wochen bin ich aus der Residenz zurück, und noch keine Zeile.

aus Die deutschen Kleinstädter (1803) von August von Kotzebue · I. Akt, 1. und 3. Szene

Originaltext · Die deutschen Kleinstädter, August von Kotzebue (1803)eingerichtet
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 257 Wörter
Umfang
257 Wörtereingerichtet
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 16–28redaktionelle Einschätzung
Tonlage
ungeduldigkomisch
Sprache
Prosabehutsam modernisiert
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(Sabine allein. Sie wartet auf Post aus der Residenz.)

Schon seit fünf Wochen bin ich aus der Residenz zurück, und noch keine Zeile. Wenn ich heute wieder vergebens hoffe, so — so — ja was denn? — so werd’ ich böse und heirate Sperling. — Gemach! gemach! ich kann ja auch wohl böse werden, ohne Sperling zu heiraten. Wer wäre sonst am meisten gestraft?

[…]

(Sie liest flüchtig.)

„Neues Schauspiel —“ — was kümmerts mich? — „Die Schleppen werden jetzt sehr lang getragen“ — wer will das wissen? — „englische Strohhüte“ — wer hat darnach gefragt? — Wie? — schon zu Ende? — Keine Silbe von ihm? — Freilich hab’ ich ihm verboten, mir selbst zu schreiben, das schickt sich nicht. Aber er versprach doch durch die Cousine — und auch die Cousine versprach — warum hat denn keines Wort gehalten? — bin ich schon vergessen? — er wollte ja selber kommen, mit Empfehlungsschreiben vom Minister? und nun kömmt er nicht, und schreibt auch nicht. Er weiß doch, dass ich den Sperling heiraten soll. Der Vater quält mich, die Großmutter quält mich, und nun werd’ ich auch noch von ihm gequält! — (Sie zerreibt den Brief zwischen den Händen) Es geschieht dir schon recht. Man hat dich genug vor den jungen Herren aus der Residenz gewarnt. Sie verlieben sich in Einem Tage dreimal, und wenn sie Abends in die Komödie gehn, wissen sie schon nichts mehr davon. — Aber Karl! Karl! auch du ein Alltagsmensch? auch du nur ein Schönschwätzer? (Sie zieht ein Portrait aus der Tasche) Können diese edlen Züge täuschen? — mit diesem Blicke schwur er mir, in wenig Wochen selbst zu kommen, und meinen Vater zu gewinnen. Sind fünf Wochen wenig? muss ich ihm vorrechnen, dass sie aus 35 ewig langen Tagen bestehn? — O Karl! eile! sonst bin ich für dich verloren!

(Sie betrachtet wehmütig das Bild.)

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Spielhinweise

  • Sabine spielt sich selbst Szenen vor: Erst droht sie, aus Trotz Sperling zu heiraten, dann nimmt sie es sofort zurück. Diese schnellen Wechsel tragen die Komik.
  • Der Brief ist eine dankbare Requisite: überfliegen, die Neuigkeiten über Schleppen und Strohhüte ungeduldig abtun, ihn am Ende zwischen den Händen zerknüllen.
  • Die kurze Szene mit der Magd ist gestrichen und mit […] markiert. Das Porträt in der Tasche ist ihr zweites Gegenüber: Mit ihm streitet sie, bevor sie es wehmütig betrachtet.
  • Ein komischer Monolog für junge Frauen mit einem klaren Ziel am Schluss: „O Karl! eile!“

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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