Piet: Hafenrundfahrt

Monolog · Gegenwart · Hamburger Tonfall

Piet: Am Sitz, nich an mir, ich muss lenken.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 273 Wörter
Umfang
273 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 27–33redaktionelle Einschätzung
Tonlage
großspurigkomisch
Sprache
Hamburger Tonfall
PDF-Optionen

(Eine Barkasse im Hafen. Piet, dreißig, mit Schiffermütze, steht am Steuer, ein Mikrofon mit Spiralkabel in der Hand. Vor ihm Bänke voller Fahrgäste. In der ersten Reihe sitzt Jule mit einer Kamera.)

Moin, moin und herzlich willkommen an Bord der „Elfriede“! Ich bin Piet, Ihr Kapitän, Ihr Reiseleiter und, wenn wir untergehen, Ihr Bademeister. (Er grinst, sieht zu Jule.) Dat war ’n Witz. Wir gehen nich unter. Die Elfriede is älter als ich und hat noch nie wat falsch gemacht. Im Gegensatz zu mir.

Links sehen Sie die Elbphilharmonie. Die hat so viel gekostet, dat man se in Hamburg nur „Elphi“ nennt, weil keiner die ganzen Nullen aussprechen kann. (Zu Jule.) Dat hab ich mir grad ausgedacht. Dat steht nich im Text.

Und da vorne, kieken Sie mal, dat is der alte Elbtunnel. Eröffnet neunzehnhundertelf. Da sind so viele Kacheln drin, dat … (Er sieht zu Jule und verliert den Faden.) Wat wollt ich sagen? Kacheln. Viele Kacheln. Sehr schöne Kacheln. Mit Fischen drauf. Mit so Augen. So schöne Augen wie … (Er hustet.) … wie Fische eben.

(Die Fahrgäste lachen. Jule fotografiert ihn.)

Die Dame da vorne mit der Kamera kriegt heut übrigens Rabatt. Dat is meine … (Pause.) Dat is Jule. Wir kennen uns seit drei Wochen. Ich hab sie im Bus angesprochen, weil sie die Fahrkarte falschrum in den Entwerter gesteckt hat. Seitdem bin ich nich mehr ganz bei Trost.

Achtung, jetzt wird’s ’n büschen schaukelig. Dat is die Bugwelle von dem Containerriesen da. Bitte festhalten. Am Sitz, nich an mir, ich muss lenken.

(Er legt das Mikrofon kurz weg und nimmt es wieder.) So. Normalerweise erzähl ich jetzt wat über den Hafen. Über Schlepper und Tonnage und Störtebeker. Aber ich hab den ganzen Text vergessen, weil da vorne jemand sitzt und lacht. (Zu Jule.) Hör auf zu lachen. Ich kann nich arbeiten, wenn du lachst.

Meine Damen und Herren, dat is die schönste Hafenrundfahrt, die ich je gemacht hab, und ich hab Ihnen nix Richtiges erzählt. Dafür kriegen Sie alle beim Aussteigen ’n Franzbrötchen. Geht auf mich. (Leiser, zu Jule.) Und du kriegst zwei.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Der Text ist in leichtem Hamburger Tonfall geschrieben: „dat“, „wat“, „nich“, „kieken“, „büschen“. Sprich es locker und ohne Übertreibung. Mehr zu Dialekten im Schauspiel.
  • Piet hat seinen Text tausendmal gesagt. Spiele die Routine am Anfang sehr sicher, damit man merkt, wie Jule sie durcheinanderbringt.
  • Das Mikrofon mit Spiralkabel und das Steuer sind die Grenzen seines Status als Kapitän. Jedes Mal, wenn er zu Jule schaut, ist er nur noch verliebt.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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