Mirandolina: „Er wird sie schon finden“

Monolog · Aufklärung · Prosa (deutsche Übersetzung 1770)

Mirandolina: Er ist ein Feind vom Frauenzimmer? Er kann sie nicht leiden? Der arme Narr!

aus Die Gastwirtin (1753) von Carlo Goldoni · I. Akt, 9. Auftritt

Originaltext · Die Gastwirtin, Carlo Goldoni (1753)ungekürzt
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 303 Wörter
Umfang
303 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 18–35redaktionelle Einschätzung
Tonlage
spöttischkomisch
Sprache
Prosa (deutsche Übersetzung 1770)behutsam modernisiert
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(Ein Zimmer im Gasthof der Mirandolina in Florenz. Der verarmte Marquis hat ihr eben seinen Schutz angeboten und ist mit den Worten gegangen, wäre er an der Stelle des reichen Grafen, so würde er sie heiraten.)

Oh, was der da sagt! Ihro Exzellenz, der Herr Marquis von Habenichts würde mich heiraten? Ah, und wenn er mich auch heiraten wollte, so würde es doch noch ein wenig Schwierigkeiten setzen. Ich möchte ihn nicht. Vom Geruche wird niemand satt. Wenn ich alle die geheiratet hätte, die mich haben wollten, wie viel Männer müsste ich nicht haben? So viel ihrer in diesen Gasthof kommen, tun sterblich verliebt, vernarren sich in mich und bieten sich an, mich zu heiraten. Nur der einzige Ritter, der so wild, wie ein Bär ist, begegnet mir grob. Das ist der erste Fremde, der in meinem Gasthofe logiert, und der keine Lust hat, mit mir umzugehn. Ich meine eben nicht, dass sich gleich alle geradezu verlieben sollen; aber mich so zu verachten? Das ist eine Sache, die mich gewaltig ärgert. Er ist ein Feind vom Frauenzimmer? Er kann sie nicht leiden? Der arme Narr! Er hat gewiss noch keine gefunden, die es recht anzufangen wusste. Aber er wird sie schon finden. Er wird sie schon finden. Und vielleicht hat er sie schon gefunden? Mit solchen nehme ich es gerade gern auf. Die mir immer nachlaufen, machen mich bald verdrießlich. Der Adel ist nichts für mich. Aus Reichtümern mache ich mir auch nicht viel. Mein ganzes Vergnügen besteht darinne, mich bedient, geliebkoset und verehrt zu sehen. Das ist meine, ja beinahe aller Frauenzimmer Schwachheit. Mich zu verheiraten, daran denke ich noch nicht einmal; ich brauche niemanden; ich lebe ehrbar und genieße meine Freiheit. Ich gehe mit allen um; aber ich verliebe mich niemals in jemanden. Ich will mich über die Grimassen meiner entzückten Liebhaber lustig machen; aber auch alle Kunstgriffe anwenden, die barbarischen und fühllosen Herzen dererjenigen zu besiegen, zu demütigen und zu erschüttern, die uns, als das Beste, was die schöne Natur auf der Welt hervorgebracht hat, anfeinden.

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Spielhinweise

  • Mirandolina spricht die Zuschauenden direkt an. Mach sie zu Verbündeten, die ihren Plan mitbekommen.
  • „Er wird sie schon finden. Er wird sie schon finden.“ Bei der Wiederholung kommt ihr der Gedanke: Sie selbst wird die eine sein.
  • Der Ärger über den Ritter ist echt. Aus gekränkter Eitelkeit wird ein Plan; das ist ihr Spielziel.
  • Der Schluss ist eine Kampfansage im Namen aller Frauen. Spiel sie mit Lust, nicht mit Zorn (vgl. Komödie).

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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