(Die Wohnung des Oberstleutnants a. D. Schwartze. Er verlangt, dass Magda den Vater ihres Kindes heiratet, und hat die Türen abgeschlossen.)
(In wachsender Erregung.)
Ja, was wollt ihr eigentlich von mir? Warum klammert ihr euch an mich? ... Ich hätte fast gesagt: Was geht ihr mich an?
[…]
Ihr werft mir vor, dass ich mich verschenkte nach meiner Art, ohne euch und die ganze Familie um Erlaubnis zu fragen. Und warum denn nicht? War ich nicht familienlos? Hattest du mich nicht in die Fremde geschickt, mir mein Brot zu verdienen, und mich noch verstoßen hinterher, weil die Art, wie ich’s verdiente, nicht nach deinem Geschmacke war? ... Wen belog ich? An wem sündigte ich? ... Ja, wär’ ich eine Haustochter geblieben wie Marie, die nichts ist und nichts kann ohne das Schutzdach irgendeiner Heimat, die aus den Händen des Vaters schlankweg in die des Mannes übergeht – die von der Familie alles empfängt: Brot, Ideen, Charakter und was weiß ich? ... Ja, dann hättest du recht. In der verdirbt durch den kleinsten Fehltritt alles – Gewissen, Ehrgefühl, Selbstachtung ... Aber ich? ... Sieh mich doch an. Ich war eine freie Katze ... Ich gehörte längst zu jener Kategorie von Geschöpfen, die sich schutzlos wie nur ein Mann und auf ihrer Hände Arbeit angewiesen in der Welt herumstoßen ... Wenn ihr uns aber das Recht aufs Hungern gebt – und ich habe gehungert –, warum versagt ihr uns das Recht auf Liebe, wie wir sie haben können, und das Recht auf Glück, wie wir es verstehn?
[…]
Die Künstlerin lass aus dem Spiel! Ich will nichts mehr sein als irgendeine Nähterin oder Dienstmagd, die sich ihr bisschen Brot und ihr bisschen Liebe notdürftig bei fremden Leuten zusammensucht. – O, man weiß ja, was die Familie mit ihrer Moral von uns verlangt ... Im Stich gelassen hat sie uns, Schutz und Freuden gibt sie uns keine, und trotzdem sollen wir in unserer Einsamkeit nach den Gesetzen leben, die nur für sie Sinn haben ... Wir sollen still in den Winkeln hocken und da hübsch sittsam warten, bis irgendein braver Freiersmann daherkommt ... Ja, bis! Und derweilen verzehrt uns der Kampf ums Dasein Seele und Leib. – Vor uns liegt nichts wie Verwelken und Verbittern, und wir sollen nicht einmal wagen dürfen, das, was wir noch haben an Jugend und überquellender Kraft, dem Manne hinzugeben, nach dem unser Wesen schreit? – – – Knebelt uns meinetwegen, verdummt uns, sperrt uns in Harems und in Nonnenklöster – und das wäre vielleicht noch das Beste! – Aber wenn ihr uns die Freiheit gebt, so wundert euch nicht, wenn wir uns ihrer bedienen.
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