(Padua, ein Zimmer in Lucentios Haus. Hochzeitsmahl. Petruchio hat gewettet, seine Frau sei die gehorsamste. Er fordert Katharina auf, den anderen Frauen ihre Pflicht zu erklären.)
- Pfui, pfui! entrunzle diese droh’nde Stirn,
- Und schieß’ nicht zorn’ge Pfeil’ aus diesen Augen,
- Verwundend deinen König, Herrn, Regierer.
- Das tötet Schönheit wie der Frost die Flur,
- Zerstört den Ruf wie Wirbelwind die Blüten,
- Und niemals ist es recht noch liebenswert.
- Ein zornig Weib ist gleich getrübter Quelle
- Unrein und sumpfig, widrig, ohne Schönheit:
- Und ist sie so, wird keiner, noch so durstig,
- Sie würd’gen, einen Tropfen draus zu schlürfen.
- Dein Eh’mann ist dein Herr, ist dein Erhalter,
- Dein Licht, dein Haupt, dein Fürst; er sorgt für dich
- Und deinen Unterhalt, gibt seinen Leib
- Mühsel’ger Arbeit preis zu Land und Meer,
- Wacht Nächte durch in Sturm, und Tag’ in Kälte,
- Wenn du im Hause warm und sicher ruhst;
- Und fodert zum Ersatz nicht andern Lohn
- Als Liebe, freundlich Blicken und Gehorsam:
- Zu kleine Zahlung für so große Schuld.
- Die Pflicht, die der Vasall dem Fürsten zollt,
- Die ist die Frau auch schuldig ihrem Gatten.
- Und ist sie trotzend, launisch, trüb und bitter,
- Und nicht gehorsam billigem Gebot,
- Was ist sie als ein tückischer Rebell,
- Sünd’ger Verräter an dem lieben Herrn?
- Wie schäm’ ich mich, dass Frau’n so albern sind!
- Sie künden Krieg und sollten knieen um Frieden!
- O dass sie herrschen, lenken, trotzen wollen,
- Wo sie nur schweigen, lieben, dienen sollen!
- Weshalb ist unser Leib zart, sanft und weich,
- Kraftlos für Müh’ und Ungemach der Welt,
- Als dass ein weiches Herz, ein sanft Gemüte
- Als zarter Gast die zarte Wohnung hüte?
- O kommt, ihr eigensinn’gen, schwachen Würmer!
- Mein Sinn war hart wie einer nur der euern,
- Mein Herz so groß, mein Grund vielleicht noch besser,
- Um Wort mit Wort, um Zorn mit Zorn zu schlagen: –
- Jetzt seh’ ich’s, unsre Lanzen sind nur Stroh,
- Gleich schwach wir selbst, schwach wie ein hülflos Kind,
- Scheinen wir nur, was wir am mind’sten sind.
- Drum dämpft den Trotz, beugt euch dem Mann entgegen,
- Ihm unter seinen Fuß die Hand zu legen: –
- Wenn er’s befiehlt, zum Zeichen meiner Pflicht,
- Verweigert meine Hand den Dienst ihm nicht.
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