Katharina: „Pfui, pfui! entrunzle diese droh’nde Stirn“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Blankvers mit Reimpaaren (Übersetzung Baudissin)

Katharina: Dein Eh’mann ist dein Herr, ist dein Erhalter

aus Der Widerspenstigen Zähmung (1592) von William Shakespeare · V. Aufzug, 2. Szene

Originaltext · Der Widerspenstigen Zähmung, William Shakespeare (1592)ungekürzt
Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 331 Wörter
Umfang
44 Verseungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 18–40redaktionelle Einschätzung
Tonlage
bestimmttragikomisch
Sprache
Blankvers mit Reimpaaren (Übersetzung Baudissin)behutsam modernisiert
PDF-Optionen

(Padua, ein Zimmer in Lucentios Haus. Hochzeitsmahl. Petruchio hat gewettet, seine Frau sei die gehorsamste. Er fordert Katharina auf, den anderen Frauen ihre Pflicht zu erklären.)

  1. Pfui, pfui! entrunzle diese droh’nde Stirn,
  2. Und schieß’ nicht zorn’ge Pfeil’ aus diesen Augen,
  3. Verwundend deinen König, Herrn, Regierer.
  4. Das tötet Schönheit wie der Frost die Flur,
  5. Zerstört den Ruf wie Wirbelwind die Blüten,
  6. Und niemals ist es recht noch liebenswert.
  7. Ein zornig Weib ist gleich getrübter Quelle
  8. Unrein und sumpfig, widrig, ohne Schönheit:
  9. Und ist sie so, wird keiner, noch so durstig,
  10. Sie würd’gen, einen Tropfen draus zu schlürfen.
  11. Dein Eh’mann ist dein Herr, ist dein Erhalter,
  12. Dein Licht, dein Haupt, dein Fürst; er sorgt für dich
  13. Und deinen Unterhalt, gibt seinen Leib
  14. Mühsel’ger Arbeit preis zu Land und Meer,
  15. Wacht Nächte durch in Sturm, und Tag’ in Kälte,
  16. Wenn du im Hause warm und sicher ruhst;
  17. Und fodert zum Ersatz nicht andern Lohn
  18. Als Liebe, freundlich Blicken und Gehorsam:
  19. Zu kleine Zahlung für so große Schuld.
  20. Die Pflicht, die der Vasall dem Fürsten zollt,
  21. Die ist die Frau auch schuldig ihrem Gatten.
  22. Und ist sie trotzend, launisch, trüb und bitter,
  23. Und nicht gehorsam billigem Gebot,
  24. Was ist sie als ein tückischer Rebell,
  25. Sünd’ger Verräter an dem lieben Herrn?
  26. Wie schäm’ ich mich, dass Frau’n so albern sind!
  27. Sie künden Krieg und sollten knieen um Frieden!
  28. O dass sie herrschen, lenken, trotzen wollen,
  29. Wo sie nur schweigen, lieben, dienen sollen!
  30. Weshalb ist unser Leib zart, sanft und weich,
  31. Kraftlos für Müh’ und Ungemach der Welt,
  32. Als dass ein weiches Herz, ein sanft Gemüte
  33. Als zarter Gast die zarte Wohnung hüte?
  34. O kommt, ihr eigensinn’gen, schwachen Würmer!
  35. Mein Sinn war hart wie einer nur der euern,
  36. Mein Herz so groß, mein Grund vielleicht noch besser,
  37. Um Wort mit Wort, um Zorn mit Zorn zu schlagen: –
  38. Jetzt seh’ ich’s, unsre Lanzen sind nur Stroh,
  39. Gleich schwach wir selbst, schwach wie ein hülflos Kind,
  40. Scheinen wir nur, was wir am mind’sten sind.
  41. Drum dämpft den Trotz, beugt euch dem Mann entgegen,
  42. Ihm unter seinen Fuß die Hand zu legen: –
  43. Wenn er’s befiehlt, zum Zeichen meiner Pflicht,
  44. Verweigert meine Hand den Dienst ihm nicht.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Ob Katharina das ernst meint, ironisch spricht oder eine Rolle meisterhaft ausfüllt, ist seit langem umstritten. Entscheide dich für eine Lesart und spiele sie konsequent.
  • Die Rede ist die längste des Stücks. Wer zuvor ständig übertönt wurde, hat jetzt alle Aufmerksamkeit. Das ist eine Frage von Status.
  • Die Bilder (Quelle, Rebell, Lanzen aus Stroh) sind kraftvoll und zugleich überspitzt. Darin kann eine Ironie liegen, muss aber nicht.
  • Die Reimpaare am Ende setzen Schlusspunkte. Die letzte Geste (die Hand unter seinen Fuß) wird angeboten, nicht ausgeführt.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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