(Der Hof vor dem Palast in Mykene. Abend. Rote Lichtflecken fallen durch die Zweige eines Feigenbaums. Elektra ist allein.)
- Allein! Weh, ganz allein. Der Vater fort,
- hinabgescheucht in seine kalten Klüfte.
(Gegen den Boden.)
- Wo bist du, Vater? hast du nicht die Kraft,
- dein Angesicht herauf zu mir zu schleppen?
- Es ist die Stunde, unsre Stunde ists!
- Die Stunde, wo sie dich geschlachtet haben,
- dein Weib und der mit ihr in einem Bette,
- in deinem königlichen Bette schläft.
- Sie schlugen dich im Bade tot, dein Blut
- rann über deine Augen, und das Bad
- dampfte von deinem Blut, dann nahm er dich,
- der Feige, bei den Schultern, zerrte dich
- hinaus aus dem Gemach, den Kopf voraus,
- die Beine schleifend hinterher: dein Auge,
- das starre, offne, sah herein ins Haus.
- So kommst du wieder, setzest Fuß vor Fuß
- und stehst auf einmal da, die beiden Augen
- weit offen, und ein königlicher Reif
- von Purpur ist um deine Stirn, der speist sich
- aus deines Hauptes offner Wunde.
- Vater!
- Ich will dich sehn, lass mich heut nicht allein!
- Nur so wie gestern, wie ein Schatten, dort
- im Mauerwinkel zeig dich deinem Kind!
- Vater! dein Tag wird kommen! Von den Sternen
- stürzt alle Zeit herab, so wird das Blut
- aus hundert Kehlen stürzen auf dein Grab!
- So wie aus umgeworfnen Krügen wirds
- aus den gebundnen Mördern fließen, rings
- wie Marmorkrüge werden nackte Leiber
- von allen ihren Helfern sein, von Männern
- und Frauen, und in einem Schwall, in einem
- geschwollnen Bach wird ihres Lebens Leben
- aus ihnen stürzen – und wir schlachten dir
- die Rosse, die im Hause sind, wir treiben
- sie vor dem Grab zusammen, und sie ahnen den Tod
- und wiehern in die Todesluft
- und sterben, und wir schlachten dir die Hunde,
- weil sie der Wurf sind und der Wurf des Wurfes
- von denen, die mit dir gejagt, von denen,
- die dir die Füße leckten, denen du
- die Bissen hinwarfst, darum muss ihr Blut
- hinab, um dir zu Dienst zu sein, und wir,
- dein Blut, dein Sohn Orest und deine Töchter,
- wir drei, wenn alles dies vollbracht und Purpur-
- gezelte aufgerichtet sind, vom Dunst
- des Blutes, den die Sonne an sich zieht,
- dann tanzen wir, dein Blut, rings um dein Grab:
- und über Leichen hin werd ich das Knie
- hochheben Schritt für Schritt, und die mich werden
- so tanzen sehen, ja, die meinen Schatten
- von weitem nur so werden tanzen sehn,
- die werden sagen: einem großen König
- wird hier ein großes Prunkfest angestellt
- von seinem Fleisch und Blut, und glücklich ist,
- wer Kinder hat, die um sein hohes Grab
- so königliche Siegestänze tanzen!
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