Laertes und Ophelia: „Fürcht’ es, Ophelia!“

Dialog · 2 Personen · Renaissance & Shakespeare · Blankvers (Übersetzung Schlegel)

Laertes und Ophelia: Fürcht’ es, Ophelia! fürcht’ es, liebe Schwester

aus Hamlet (1603) von William Shakespeare · I. Aufzug, 3. Szene (Ausschnitt)

Originaltext · Hamlet, William Shakespeare (1603)Ausschnitt
Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 382 Wörter
Umfang
59 VerseLaertes · Ophelia
Figur
m + w · 2 Personen
Spielalter
ca. 16–30redaktionelle Einschätzung
Tonlage
fürsorglichernst & dramatisch
Sprache
Blankvers (Übersetzung Schlegel)behutsam modernisiert
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Laertes

  1. Mein Reisegut ist eingeschifft. Leb wohl,
  2. Und Schwester, wenn die Winde günstig sind
  3. Und Schiffsgeleit sich findet, schlaf nicht, lass
  4. Von dir mich hören.

Stichwort: „… nicht, lass Von dir mich hören.“

Ophelia

  1. Zweifelst du daran?

Stichwort: „Zweifelst du daran?“

Laertes

  1. Was Hamlet angeht und sein Liebsgetändel,
  2. So nimm’s als Sitte, als ein Spiel des Bluts;
  3. Ein Veilchen in der Jugend der Natur,
  4. Frühzeitig, nicht beständig – süß, nicht dauernd,
  5. Nur Duft und Labsal eines Augenblicks:
  6. Nichts weiter.

Stichwort: „… und Labsal eines Augenblicks: Nichts weiter.“

Ophelia

  1. Weiter nichts?

Stichwort: „Weiter nichts?“

Laertes

  1. Nur dafür halt’ es.
  2. Denn die Natur, aufstrebend, nimmt nicht bloß
  3. An Größ’ und Sehnen zu; wie dieser Tempel wächst,
  4. So wird der innre Dienst von Seel’ und Geist
  5. Auch weit mit ihm. Er liebt euch jetzt vielleicht:
  6. Kein Arg und kein Betrug befleckt bis jetzt
  7. Die Tugend seines Willens: doch befürchte,
  8. Bei seinem Rang gehört sein Will’ ihm nicht.
  9. Er selbst ist der Geburt ja untertan.
  10. Er kann nicht wie geringe Leute tun
  11. Für sich auslesen; denn an seiner Wahl
  12. Hängt Sicherheit und Heil des ganzen Staats.
  13. Deshalb muss seine Wahl beschränket sein
  14. Vom Beifall und der Stimme jenes Körpers,
  15. Von welchem er das Haupt. Wenn er nun sagt, er liebt dich,
  16. Geziemt es deiner Klugheit ihm zu glauben,
  17. So weit er nach besonderm Recht und Stand
  18. Tat geben kann dem Wort; das heißt, nicht weiter
  19. Als Dänemarks gesamte Stimme geht.
  20. Bedenk, was deine Ehre leiden kann,
  21. Wenn du zu gläubig seinem Liede lauschest,
  22. Dein Herz verlierst, und deinen keuschen Schatz
  23. Vor seinem ungestümen Dringen öffnest.
  24. Fürcht’ es, Ophelia! fürcht’ es, liebe Schwester,
  25. Und halte dich im Hintergrund der Neigung,
  26. Fern von dem Schuss und Anfall der Begier.
  27. Das scheu’ste Mädchen ist verschwendrisch noch,
  28. Wenn sie dem Monde ihren Reiz enthüllt.
  29. Selbst Tugend nicht entgeht Verleumdertücken,
  30. Es nagt der Wurm des Frühlings Kinder an,
  31. Zu oft noch eh’ die Knospe sich erschließt,
  32. Und in der Früh’ und frischem Tau der Jugend
  33. Ist gift’ger Anhauch am gefährlichsten.
  34. Sei denn behutsam! Furcht gibt Sicherheit,
  35. Auch ohne Feind hat Jugend innern Streit.

Stichwort: „… ohne Feind hat Jugend innern Streit.“

Ophelia

  1. Ich will den Sinn so guter Lehr’ bewahren,
  2. Als Wächter meiner Brust; doch, lieber Bruder,
  3. Zeigt nicht, wie heilvergess’ne Pred’ger tun,
  4. Den steilen Dornenweg zum Himmel andern,
  5. Derweil als frecher, lockrer Wollüstling
  6. Er selbst den Blumenpfad der Lust betritt,
  7. Und spottet seines Rats.

Stichwort: „… Lust betritt, Und spottet seines Rats.“

Laertes

  1. O fürchtet nichts!
  2. Zu lange weil’ ich – doch, da kommt mein Vater.
  3. (Polonius kommt)
  4. Zwiefacher Segen ist ein zwiefach Heil:
  5. Der Zufall lächelt einem zweiten Abschied.

Stichwort: „… Der Zufall lächelt einem zweiten Abschied.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Laertes’ große Rede ist eine Predigt über Ehre und Vorsicht. Er meint es gut; spiele zugleich, wie sehr er seine Rolle als großer Bruder genießt.
  • Ophelias Antworten sind kurz („Weiter nichts?“). Ihre Pausen sind Spielraum: Sie denkt mehr, als sie sagt.
  • Ihre letzte Rede trifft. Laertes’ „O fürchtet nichts!“ ist eine Ausrede, und Polonius’ Ankunft rettet ihn. Die Szene führt direkt in Polonius’ Abschiedsrede.
  • Schlegels Blankvers mit geteilten Versen verlangt Partnerspiel: Wer einen Halbvers beginnt, gibt dem anderen das Stichwort.

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