(Eine kleine Arbeiterkneipe, am Abend. An den Tischen sitzen Arbeiter und streiten über Revolution und Partei. Hinkemann hat den Parteifunktionär Michel Unbeschwert gefragt, ob vernünftige Verhältnisse einen Menschen glücklich machen können, der unheilbar krank ist. Unbeschwert antwortet: „Ich verstehe dich nicht ganz.“)
Ja, seit meiner Verwundung im Kriege meine ich selbst, ich bin ein bisschen verworren im Denken … Jeden Tag, wenn ich morgens aufstehe, kostet es mich ungeheure Anstrengung, um in all das, was in mir ist, was mich anfällt, was auf mich einbricht, mich betastet, mich befühlt, durch ein paar Worte, ein paar Gedanken Ordnung hineinzubringen … Das Leben ist so merkwürdig … so viel drängt auf einen ein, was man nicht versteht, nicht erfasst, wovor man sich geradezu bangt … man sieht gar keinen Sinn … man fragt sich, ob man das Leben überhaupt erfassen kann … ob das nicht so ist, als wollte man sich unterstehen, ein Meer auszuschöpfen … ob das nicht gerade so ist, als wollte man sich selbst begreifen, nicht wahr, das kann man nicht … man kann sich nur ausleben, aber wenn man zurückschaut, ist es doch wieder ein anderes als was man lebte … man sagt sich manchmal, man ist ein Stück Leben und lebt, damit basta … wer „Wahrheit“ herausstudieren will oder gar „Zweck“, der beginnt das Gleiche wie jener Mensch, der aus einem wachsenden Zwetschgenbaum Wahrheit und Zweck herausstudieren wollte … Bis ich mich zurechtgefunden habe … Morgens, wenn man aufsteht, ist Chaos in einem da und wenn man sich abends zu Bett legt, ist wieder Chaos da … Wie vor der Schöpfung ist es … Also … ich will versuchen mich deutlicher zu erklären … Also, wir haben doch so viel Krüppel seit dem Krieg. Was wird mit denen?
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