Jupiter
- Soll ich dir sagen, was ich denke?
Stichwort: „… ich dir sagen, was ich denke?“
Alkmene
- Nun?
Stichwort: „Nun?“
Jupiter
- Und was, wenn Offenbarung uns nicht wird,
- So gar geneigt zu glauben ich mich fühle?
Stichwort: „… geneigt zu glauben ich mich fühle?“
Alkmene
- Nun? Und? du machst mir bang —
Stichwort: „… Und? du machst mir bang —“
Jupiter
- Wie, wenn du seinen
- Unwillen — Du erschrickst dich nicht, gereizt?
Stichwort: „… — Du erschrickst dich nicht, gereizt?“
Alkmene
- Ihn? Ich? gereizt?
Stichwort: „Ihn? Ich? gereizt?“
Jupiter
- Ist er dir wohl vorhanden?
- Nimmst du die Welt, sein großes Werk, wohl wahr?
- Siehst du ihn in der Abendröte Schimmer,
- Wenn sie durch schweigende Gebüsche fällt?
- Hörst du ihn beim Gesäusel der Gewässer,
- Und bei dem Schlag der üpp’gen Nachtigall?
- Verkündet nicht umsonst der Berg ihn dir
- Getürmt gen Himmel, nicht umsonst ihn dir,
- Der felszerstiebten Katarakten Fall?
- Wenn hoch die Sonn’ in seinen Tempel strahlt
- Und von der Freude Pulsschlag eingeläutet,
- Ihn alle Gattungen Erschaff’ner preisen,
- Steigst du nicht in des Herzens Schacht hinab
- Und betest deinen Götzen an?
Stichwort: „… hinab Und betest deinen Götzen an?“
Alkmene
- Entsetzlicher! Was sprichst du da? Kann man
- Ihn frömmer auch, und kindlicher, verehren?
- Verglüht ein Tag, dass ich an seinem Altar
- Nicht für mein Leben dankend, und dies Herz,
- Für dich auch du Geliebter, niedersänke?
- Warf ich nicht jüngst noch in gestirnter Nacht
- Das Antlitz tief, inbrünstig, vor ihm nieder,
- Anbetung, glüh’nd, wie Opferdampf, gen Himmel
- Aus dem Gebrodel des Gefühls entsendend?
Stichwort: „… Aus dem Gebrodel des Gefühls entsendend?“
Jupiter
- Weshalb warfst du aufs Antlitz dich? — War’s nicht,
- Weil in des Blitzes zuckender Verzeichnung
- Du einen wohlbekannten Zug erkannt?
Stichwort: „… Verzeichnung Du einen wohlbekannten Zug erkannt?“
Alkmene
- Mensch! Schauerlicher! Woher weißt du das?
Stichwort: „Mensch! Schauerlicher! Woher weißt du das?“
Jupiter
- Wer ist’s, dem du an seinem Altar betest?
- Ist er’s dir wohl, der über Wolken ist?
- Kann dein befangner Sinn ihn wohl erfassen?
- Kann dein Gefühl, an seinem Nest gewöhnt,
- Zu solchem Fluge wohl die Schwingen wagen.
- Ist’s nicht Amphitryon, der Geliebte stets,
- Vor welchem du im Staube liegst?
Stichwort: „… Vor welchem du im Staube liegst?“
Alkmene
- Ach, ich Unseel’ge, wie verwirrst du mich.
- Kann man auch Unwillkürliches verschulden?
- Soll ich zur weißen Wand des Marmors beten?
- Ich brauche Züge nun, um ihn zu denken.
Stichwort: „… Züge nun, um ihn zu denken.“
Jupiter
- Sieh’st du? Sagt’ ich es nicht? Und meinst du nicht, dass solche
- Abgötterei ihn kränkt? Wird er wohl gern
- Dein schönes Herz entbehren? Nicht auch gern
- Von dir sich innig angebetet fühlen?
Stichwort: „… Von dir sich innig angebetet fühlen?“
Alkmene
- Ach, freilich wird er das. Wo ist der Sünder,
- Dess’ Huld’gung nicht den Göttern angenehm.
Stichwort: „… Dess’ Huld’gung nicht den Göttern angenehm.“
Jupiter
- Gewiss! Er kam, wenn er dir niederstieg,
- Dir nur, um dich zu zwingen ihn zu denken,
- Um sich an dir, Vergessenen, zu rächen.
Stichwort: „… sich an dir, Vergessenen, zu rächen.“
Alkmene
- Entsetzlich!
Stichwort: „Entsetzlich!“
Jupiter
- Fürchte nichts. Er straft nicht mehr dich,
- Als du verdient. Doch künftig wirst du immer
- Nur ihn, versteh’, der dir zu Nacht erschien,
- An seinem Altar denken, und nicht mich.
Stichwort: „… seinem Altar denken, und nicht mich.“
Alkmene
- Wohlan! Ich schwör’s dir heilig zu! Ich weiß
- Auf jede Miene, wie er ausgesehn,
- Und werd’ ihn nicht mit dir verwechseln.
Stichwort: „… werd’ ihn nicht mit dir verwechseln.“
Jupiter
- Das tu’. Sonst wagst du, dass er wiederkömmt.
- So oft du seinen Namenszug erblickst,
- Dem Diadem verzeichnet, wirst du seiner
- Erscheinung auf das Innigste gedenken;
- Dich der Begebenheit auf jeden Zug erinnern;
- Erinnern, wie vor dem Unsterblichen
- Der Schreck am Rocken dich durchzuckt; wie du
- Das Kleinod von ihm eingetauscht; wer dir
- Beim Gürten hülfreich war, und was
- Beim Ortolan geschehn. Und stört dein Gatte dich,
- So bittest du ihn freundlich, dass er dich
- Auf eine Stunde selbst dir überlasse.
Stichwort: „… Auf eine Stunde selbst dir überlasse.“
Alkmene
- Gut, gut, du sollst mit mir zufrieden sein.
- Es soll in jeder ersten Morgenstunde.
- Auch kein Gedanke fürder an dich denken:
- Jedoch nachher vergess’ ich Jupiter.
Stichwort: „… denken: Jedoch nachher vergess’ ich Jupiter.“
Jupiter
- Wenn also jetzt in seinem vollen Glanze,
- Gerührt durch so viel Besserung,
- Der ew’g’ Erschütterer der Wolken sich dir zeigte.
- Geliebte! sprich, wie würdest du dich fassen?
Stichwort: „… sprich, wie würdest du dich fassen?“
Alkmene
- Ach, der furchtbare Augenblick! hätt’ ich
- Doch immer ihn gedacht nur beim Altar,
- Da er so wenig von dir unterschieden.
Stichwort: „… er so wenig von dir unterschieden.“
Jupiter
- Du sahst noch sein unsterblich Antlitz nicht,
- Alkmene. Ach, es wird das Herz vor ihm
- In tausendfacher Seligkeit dir aufgehn.
- Was du ihm fühlen wirst, wird Glut dir dünken,
- Und Eis, was du Amphitryon empfindest.
- Ja, wenn er deine Seele jetzt berührte,
- Und zum Olymp nun scheidend wiederkehrt,
- So wirst du das Unglaubliche erfahren,
- Und weinen, dass du ihm nicht folgen darfst.
Stichwort: „… dass du ihm nicht folgen darfst.“
Alkmene
- Nein, nein, das glaube nicht, Amphitryon.
- Und könnt’ ich einen Tag zurücke leben,
- Und mich vor allen Göttern und Heroen
- In meine Klause riegelfest verschließen,
- So willigt’ ich —
Stichwort: „… riegelfest verschließen, So willigt’ ich —“
Jupiter
- Wahrhaftig? tätst du das?
Stichwort: „Wahrhaftig? tätst du das?“
Alkmene
- So willigt’ ich von ganzem Herzen ein.
Stichwort: „… willigt’ ich von ganzem Herzen ein.“
Jupiter (Für sich.)
- Verflucht der Wahn, der mich hieher gelockt!
Stichwort: „… der Wahn, der mich hieher gelockt!“
Alkmene
- Was ist dir? zürn’st du? Kränkt’ ich dich, Geliebter?
Stichwort: „… zürn’st du? Kränkt’ ich dich, Geliebter?“
Jupiter
- Du wolltest ihm, mein frommes Kind,
- Sein ungeheures Dasein nicht versüßen?
- Ihm deine Brust verweigern, wenn sein Haupt,
- Das weltenordnende, sie sucht,
- Auf seinen Flaumen auszuruhen? Ach Alkmene!
- Auch der Olymp ist öde ohne Liebe.
- Was gibt der Erdenvölker Anbetung
- Gestürzt in Staub, der Brust, der lechzenden?
- Er will geliebt sein, nicht ihr Wahn von ihm.
- In ew’ge Schleier eingehüllt,
- Möcht’ er sich selbst in einer Seele spiegeln,
- Sich aus der Träne des Entzückens wiederstrahlen.
- Geliebte, sieh! So viele Freude schüttet
- Er zwischen Erd’ und Himmel endlos aus;
- Wär’st du vom Schicksal nun bestimmt
- So vieler Millionen Wesen Dank,
- Ihm seine ganze Fordrung an die Schöpfung
- In einem einz’gen Lächeln auszuzahlen,
- Würd’st du dich ihm wohl — ach! ich kann’s nicht denken
- Lass mich’s nicht denken — lass —
Stichwort: „… mich’s nicht denken — lass —“
Alkmene
- Fern sei von mir,
- Der Götter großem Ratschluss mich zu sträuben.
- Ward ich so heil’gem Amte auserkoren.
- Er, der mich schuf, er walte über mich
- Doch —
Stichwort: „… er walte über mich Doch —“
Jupiter
- Nun? —
Stichwort: „Nun? —“
Alkmene
- Lässt man die Wahl mir —
Stichwort: „Lässt man die Wahl mir —“
Jupiter
- Lässt man dir —?
Stichwort: „Lässt man dir —?“
Alkmene
- Die Wahl, so bliebe meine Ehrfurcht ihm,
- Und meine Liebe dir, Amphitryon.
Stichwort: „… ihm, Und meine Liebe dir, Amphitryon.“
Jupiter
- Wenn ich nun dieser Gott dir wär’ —?
Stichwort: „… nun dieser Gott dir wär’ —?“
Alkmene
- Wenn du
- — Wie ist mir denn? Wenn du mir dieser Gott wärst
- — — Ich weiß nicht, soll ich vor dir niederfallen,
- Soll ich es nicht? Bist du’s mir? Bist du’s mir?
Stichwort: „… Bist du’s mir? Bist du’s mir?“
Jupiter
- Entscheide du. Amphitryon bin ich.
Stichwort: „Entscheide du. Amphitryon bin ich.“
Alkmene
- Amphitryon —
Stichwort: „Amphitryon —“
Jupiter
- Amphitryon, dir ja.
- Doch wenn ich, frag’ ich, dieser Gott dir wäre,
- Dir liebend vom Olymp herabgestiegen,
- Wie würdest du dich dann zu fassen wissen?
Stichwort: „… du dich dann zu fassen wissen?“
Alkmene
- Wenn du mir, Liebster, dieser Gott wärst — ja,
- So wüsst’ ich nicht, wo mir Amphitryon wäre,
- So würd’ ich folgen dir, wohin du gehst,
- Und wär’s auch, wie Euridike, zum Orkus.
Stichwort: „… wär’s auch, wie Euridike, zum Orkus.“
Jupiter
- Wenn du nicht wüsstest, wo Amphitryon wäre.
- Doch wie, wenn sich Amphitryon jetzt zeigte?
Stichwort: „… wie, wenn sich Amphitryon jetzt zeigte?“
Alkmene
- Wenn sich Amphitryon mir — ach, du quälst mich.
- Wie kann sich auch Amphitryon mir zeigen,
- Da ich Amphitryon in Armen halte?
Stichwort: „… Da ich Amphitryon in Armen halte?“
Jupiter
- Und dennoch könnt’st du leicht den Gott in Armen halten,
- Im Wahn, es sei Amphitryon.
- Warum soll dein Gefühl dich überraschen?
- Wenn ich, der Gott, dich hier umschlungen hielte,
- Und jetzo dein Amphitryon sich zeigte,
- Wie würd’ dein Herz sich wohl erklären?
Stichwort: „… würd’ dein Herz sich wohl erklären?“
Alkmene
- Wenn du, der Gott, mich hier umschlungen hieltest
- Und jetzo sich Amphitryon mir zeigte,
- Ja — dann so traurig würd’ ich sein, und wünschen,
- Dass er der Gott mir wäre, und dass du
- Amphitryon mir bliebst, wie du es bist.
Stichwort: „… mir bliebst, wie du es bist.“
Jupiter
- Mein süßes, angebetetes Geschöpf!
- In dem so selig ich mich, selig preise!
- So urgemäß, dem göttlichen Gedanken,
- In Form und Maß, und Sait’ und Klang,
- Wie’s meiner Hand Äonen nicht entschlüpfte!
Stichwort: „… Wie’s meiner Hand Äonen nicht entschlüpfte!“
Alkmene
- Amphitryon!
Stichwort: „Amphitryon!“
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
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