Petra und Lina: Die Matrikelnummer

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Petra und Lina: Es gibt keinen Chor.

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Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 338 Wörter
Umfang
338 WörterPetra · Lina
Figur
w + w · 2 Personen
Spielalter
ca. 17–55redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verlegentragikomisch
Sprache
Alltagssprache
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(Ein Jugendzimmer voller Umzugskartons. Lina, achtzehn, klebt einen Karton zu. Ihre Mutter Petra, Mitte vierzig, steht in der Tür und hält einen Briefumschlag hinter dem Rücken.)

Petra

Brauchst du Hilfe?

Stichwort: „Brauchst du Hilfe?“

Lina

Nein. Doch. Halt mal hier.

Stichwort: „Nein. Doch. Halt mal hier.“

(Petra hält den Karton, Lina klebt. Den Umschlag hat Petra sich unter den Arm geklemmt.)

Lina

Was ist das?

Stichwort: „Was ist das?“

Petra

Was?

Stichwort: „Was?“

Lina

Unter deinem Arm.

Stichwort: „Unter deinem Arm.“

Petra

Post.

Stichwort: „Post.“

Lina

Für wen?

Stichwort: „Für wen?“

Petra

Für mich. (Pause.) Von der Uni.

Stichwort: „Für mich. Von der Uni.“

Lina

Welche Uni?

Stichwort: „Welche Uni?“

Petra

Deine.

Stichwort: „Deine.“

(Lina hört auf zu kleben.)

Lina

Warum schreibt dir meine Uni? Habe ich was vergessen? Den Semesterbeitrag? Den habe ich überwiesen, ich habe sogar einen Screenshot –

Stichwort: „… ich habe sogar einen Screenshot –“

Petra

Es geht nicht um dich, Lina. Das ist meine Immatrikulationsbescheinigung.

Stichwort: „… dich, Lina. Das ist meine Immatrikulationsbescheinigung.“

(Lange Pause.)

Lina

Deine was?

Stichwort: „Deine was?“

Petra

Ich studiere Geschichte. Ab Oktober. Erstes Semester. (Sie lacht nervös.) Wie du.

Stichwort: „… Ab Oktober. Erstes Semester. Wie du.“

Lina

Du hast kein Abitur.

Stichwort: „Du hast kein Abitur.“

Petra

Seit Juni schon.

Stichwort: „Seit Juni schon.“

Lina

Seit –

Stichwort: „Seit –“

Petra

Abendgymnasium. Drei Jahre. Dienstags und donnerstags.

Stichwort: „Abendgymnasium. Drei Jahre. Dienstags und donnerstags.“

Lina

Dienstags und donnerstags ist Chor.

Stichwort: „Dienstags und donnerstags ist Chor.“

Petra

Es gibt keinen Chor.

Stichwort: „Es gibt keinen Chor.“

Lina

Du hast mir Lieder vorgesungen!

Stichwort: „Du hast mir Lieder vorgesungen!“

Petra

Ich habe Lieder aus dem Radio gesungen und gesagt, die proben wir gerade. Du hast nie richtig zugehört. Du hattest Kopfhörer drin.

Stichwort: „… richtig zugehört. Du hattest Kopfhörer drin.“

Lina

Drei Jahre?

Stichwort: „Drei Jahre?“

Petra

Meine Mathearbeiten habe ich in der Garage geübt, auf der Kühltruhe. Einmal hast du mich erwischt, und ich habe gesagt, ich mache die Steuer.

Stichwort: „… habe gesagt, ich mache die Steuer.“

Lina

Du hast gesagt, die Steuer macht dich fertig.

Stichwort: „… gesagt, die Steuer macht dich fertig.“

Petra

Die Integralrechnung hat mich fertiggemacht. Die Steuer macht Papa.

Stichwort: „… mich fertiggemacht. Die Steuer macht Papa.“

(Lina setzt sich auf einen Karton. Er gibt ein wenig nach.)

Lina

Warum hast du nichts gesagt?

Stichwort: „Warum hast du nichts gesagt?“

Petra

Weil ich Angst hatte, dass ich es nicht schaffe. Dann hätte ich es nicht nur selbst gewusst, sondern ihr alle. Ich bin mit sechzehn von der Schule abgegangen, weil wir das Geld gebraucht haben. Und jedes Mal, wenn du bei den Hausaufgaben gefragt hast, wann der Dreißigjährige Krieg war, habe ich in der Küche heimlich nachgeschaut, bevor ich geantwortet habe.

Stichwort: „… heimlich nachgeschaut, bevor ich geantwortet habe.“

Lina

Sechzehnhundertachtzehn bis achtundvierzig.

Stichwort: „Sechzehnhundertachtzehn bis achtundvierzig.“

Petra

Ich weiß. Jetzt weiß ich es.

Stichwort: „Ich weiß. Jetzt weiß ich es.“

Lina (plötzlich)

Moment. Dieselbe Uni. Dieselbe Stadt. Mama, ziehst du etwa auch –

Stichwort: „… Mama, ziehst du etwa auch –“

Petra

Nein! Nein. Ich pendle. Zweimal die Woche, mit dem Zug. Ich wohne nicht bei dir. Ich komme nicht in deine Mensa. (Pause.) Außer du willst.

Stichwort: „… in deine Mensa. Außer du willst.“

Lina

Ich will nicht.

Stichwort: „Ich will nicht.“

Petra

Gut.

Stichwort: „Gut.“

Lina

Ich will echt nicht, Mama.

Stichwort: „Ich will echt nicht, Mama.“

Petra

Ich habe es verstanden.

Stichwort: „Ich habe es verstanden.“

(Pause. Lina steht auf, nimmt ihrer Mutter den Umschlag aus der Hand und liest.)

Lina

Matrikelnummer. Du hast eine Matrikelnummer.

Stichwort: „Matrikelnummer. Du hast eine Matrikelnummer.“

Petra

Ich habe sie auswendig gelernt. Im Bus.

Stichwort: „… habe sie auswendig gelernt. Im Bus.“

Lina (leise)

Weiß Papa es?

Stichwort: „Weiß Papa es?“

Petra

Seit gestern. Er hat geweint. Er hat gesagt, das kommt von den Zwiebeln.

Stichwort: „… gesagt, das kommt von den Zwiebeln.“

(Lina sieht ihre Mutter lange an. Dann nimmt sie einen leeren Karton vom Stapel und stellt ihn vor sie hin.)

Lina

Du brauchst einen Rucksack. Nicht die Handtasche. Und keine Federmappe mit Blümchen.

Stichwort: „… Handtasche. Und keine Federmappe mit Blümchen.“

Petra

Ich habe schon eine gekauft.

Stichwort: „Ich habe schon eine gekauft.“

Lina

Mit Blümchen?

Stichwort: „Mit Blümchen?“

Petra (nach einer Pause)

Mit Sonnenblumen.

Stichwort: „Mit Sonnenblumen.“

Lina (lacht und wischt sich übers Gesicht)

Mittwochs um zwölf. Mensa. Hauptgebäude. Wenn du willst.

Stichwort: „… zwölf. Mensa. Hauptgebäude. Wenn du willst.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Die Szene beginnt beiläufig mit Klebeband und Kartons. Lasst das Geheimnis langsam ankommen.
  • Der Status zwischen Mutter und Tochter kippt: Plötzlich ist die Mutter die Anfängerin.
  • Linas Abwehr („Ich will nicht“) ist echt und muss es bleiben. Das Angebot am Ende kommt trotzdem.
  • Die Sonnenblumen-Federmappe ist die letzte Pointe. Sie zeigt, wie aufgeregt Petra ist.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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