(Der Ratssaal einer Kleinstadt, Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments. Pia, elf, steht am Rednerpult. Das Mikrofon ist zu hoch, sie zieht es mit beiden Händen herunter. Vor ihr liegt ein Zettel mit vielen Durchstreichungen.)
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, sehr geehrte Kinderparlamentarierinnen und Kinderparlamentarier. Und Jonas. (Sie sieht kurz zur Seite.) Jonas hat gesagt, ich soll ihn extra begrüßen, sonst stimmt er nicht mit.
Ich spreche heute für Antrag Nummer vier: ein Skatepark auf dem Parkplatz hinter der Stadthalle. Der Parkplatz ist von Montag bis Samstag leer. Ich habe gezählt. Am Dienstag stand da ein Auto, und das war das vom Hausmeister, und der hat da drin geschlafen.
Erwachsene sagen immer, Kinder sollen mehr raus. Dann gehen wir raus, und dann sagen sie, wir sollen da nicht rumstehen. Wir stehen aber nur rum, weil es nichts gibt, wo man nicht rumsteht. Ein Skatepark ist ein Ort, wo man nicht rumsteht. Da fährt man.
Und jetzt kommt mein bestes Argument. (Sie dreht den Zettel um.) Wenn es in einer Stadt etwas Interessantes gibt, dann gehen die Leute auch hin. Beweis: der Marktbrunnen. Der Brunnen war achtzig Jahre lang grau, und kein Mensch hat hingeguckt. Seit Donnerstag ist er grün, und dauernd stehen Leute davor und machen Fotos. Sogar die Zeitung war da. Dabei ist das nur Lebensmittelfarbe, die geht in drei Tagen wieder raus, und es waren auch nur vier Fläschchen, weil mehr hatte der Supermarkt nicht da –
(Stille. Pia sieht auf ihren Zettel. Dann zu Jonas.)
(Leise.) Das steht da nicht. (Lauter.) Das hab ich gelesen. In der Zeitung. Dass es Lebensmittelfarbe war. (Pause.) Steht das in der Zeitung?
(Die Bürgermeisterin schüttelt langsam den Kopf.)
Okay. (Sie richtet sich auf.) Dann stelle ich noch einen Antrag. Antrag Nummer fünf: Wer der Stadt beweist, dass sie einen interessanten Ort braucht, kriegt keinen Ärger. (Sie sieht in die Runde.) Wer ist dafür?
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