Josefine: Die Wohnungsübergabe

Monolog · Gegenwart · Gereimte Verse

Josefine: Sie streichen drüber. Er bleibt mir.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 266 Wörter
Umfang
40 Verseungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 28–35redaktionelle Einschätzung
Tonlage
empörtkomisch
Sprache
Gereimte Verse

Drucken und PDF

Stell zusammen, was auf dem Blatt stehen soll. Die Auswahl gilt für den Druck und für das PDF.

Inhalt
Seite

(Eine leere Altbauwohnung. Josefine, einunddreißig, steht mit einem Schlüsselbund in der Hand neben dem Vermieter, der mit einer Taschenlampe die Wände absucht und ein Klemmbrett hält.)

  1. Herr Kranz, Sie leuchten in die Ecke,
  2. als ob dort was Verbotnes stecke.
  3. Das ist ein Dübel. Nur ein Dübel.
  4. Ich weiß, Sie nehmen Dübel übel.
  5. Dort hing fünf Jahre lang ein Bild,
  6. ein Boot, ein Leuchtturm, die See war wild,
  7. mein Opa hat es selbst gemalt.
  8. Das Loch ist klein. Das Bild war alt.
  1. Sie zählen weiter? Bitte sehr.
  2. Es sind dreizehn. Nicht eins mehr.
  3. Ich hab sie gestern selbst gezählt
  4. und mich mit Spachtelmasse gequält.
  5. Sie sehen’s nicht? Sie sehen’s doch.
  6. Sie finden jedes kleine Loch.
  7. Sie leuchten, schreiben, kreuzen an
  8. und fragen, ob man’s spachteln kann.

(Herr Kranz bleibt im Flur stehen und leuchtet auf einen dunklen Fleck an der Wand.)

  1. Der Fleck im Flur? Den kenn ich gut.
  2. Das war mein Rotwein. Und die Wut.
  3. Als Jonas ging, im dritten Jahr,
  4. flog hier ein Glas. Das ist wohl wahr.
  5. Er hat’s nicht mal gesehn, er war schon fort.
  6. Der Fleck blieb da. Ich auch. Am selben Ort.
  1. Sie schreiben „Wand: Gebrauchsspuren, mittel“.
  2. Herr Kranz, das ist ein ganzes Kapitel.
  3. Hier hab ich nachts am Fenster gesessen,
  4. hier hab ich Nudeln kalt gegessen,
  5. hier kam der Anruf, ich sei raus,
  6. hier fing ich an, von vorn, zu Haus.
  7. Hier lag ich krank, hier lag ich froh,
  8. hier lag ich einfach irgendwo.
  1. Achthundert Euro sind’s, Kaution.
  2. Sie wollen sie behalten. Ja, ich seh’s schon.
  3. Den Dübel streichen Sie, das Loch, den Rand,
  4. und für den Fleck die halbe Wand.
  5. Den Fleck, den lass ich Ihnen hier.
  6. Sie streichen drüber. Er bleibt mir.
  7. Und zieht die nächste Mieterin ein,
  8. dann wird hier wieder jemand sein.

(Sie gibt ihm die Schlüssel.)

  1. Die Schlüssel. Alle drei. Und der vom Keller.
  2. Und die Kaution, Herr Kranz: Bitte schneller.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Der Monolog ist in Paarreimen geschrieben, mit vier Hebungen und freiem Metrum. Lass die Reime hörbar werden, aber spiel nicht auf sie hin. Josefine reimt, weil sie wütend ist, und die Reime geben ihr Halt.
  • Herr Kranz sagt nichts, aber er leuchtet, schreibt und zählt. Reagiere auf jede seiner Bewegungen. Das ist Partnerspiel mit einem schweigenden Gegenüber.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

Go to Top