(Eine leere Altbauwohnung. Josefine, einunddreißig, steht mit einem Schlüsselbund in der Hand neben dem Vermieter, der mit einer Taschenlampe die Wände absucht und ein Klemmbrett hält.)
- Herr Kranz, Sie leuchten in die Ecke,
- als ob dort was Verbotnes stecke.
- Das ist ein Dübel. Nur ein Dübel.
- Ich weiß, Sie nehmen Dübel übel.
- Dort hing fünf Jahre lang ein Bild,
- ein Boot, ein Leuchtturm, die See war wild,
- mein Opa hat es selbst gemalt.
- Das Loch ist klein. Das Bild war alt.
- Sie zählen weiter? Bitte sehr.
- Es sind dreizehn. Nicht eins mehr.
- Ich hab sie gestern selbst gezählt
- und mich mit Spachtelmasse gequält.
- Sie sehen’s nicht? Sie sehen’s doch.
- Sie finden jedes kleine Loch.
- Sie leuchten, schreiben, kreuzen an
- und fragen, ob man’s spachteln kann.
(Herr Kranz bleibt im Flur stehen und leuchtet auf einen dunklen Fleck an der Wand.)
- Der Fleck im Flur? Den kenn ich gut.
- Das war mein Rotwein. Und die Wut.
- Als Jonas ging, im dritten Jahr,
- flog hier ein Glas. Das ist wohl wahr.
- Er hat’s nicht mal gesehn, er war schon fort.
- Der Fleck blieb da. Ich auch. Am selben Ort.
- Sie schreiben „Wand: Gebrauchsspuren, mittel“.
- Herr Kranz, das ist ein ganzes Kapitel.
- Hier hab ich nachts am Fenster gesessen,
- hier hab ich Nudeln kalt gegessen,
- hier kam der Anruf, ich sei raus,
- hier fing ich an, von vorn, zu Haus.
- Hier lag ich krank, hier lag ich froh,
- hier lag ich einfach irgendwo.
- Achthundert Euro sind’s, Kaution.
- Sie wollen sie behalten. Ja, ich seh’s schon.
- Den Dübel streichen Sie, das Loch, den Rand,
- und für den Fleck die halbe Wand.
- Den Fleck, den lass ich Ihnen hier.
- Sie streichen drüber. Er bleibt mir.
- Und zieht die nächste Mieterin ein,
- dann wird hier wieder jemand sein.
(Sie gibt ihm die Schlüssel.)
- Die Schlüssel. Alle drei. Und der vom Keller.
- Und die Kaution, Herr Kranz: Bitte schneller.
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Ende des Textes

