(Ein Schlafzimmer, nachts. Eine Nachttischlampe. Joscha, zwanzig, sitzt im Schlafanzug auf einem Stuhl neben dem Bett seiner Großmutter. Sie ist gerade aufgewacht und hält seine Hand.)
Ich bin hier. Ganz ruhig. (Er hört zu.) Ja. Ja, ich bin’s. Hans.
(Pause.) Nein, ich war nicht in der Kneipe. Ich war nur in der Küche. Ich hab dir Tee gemacht. Fenchel, mit einem Löffel Honig. So wie du ihn magst. (Er reicht ihr die Tasse.) Vorsicht, heiß.
Wie spät? Kurz nach drei. Nein, du musst nicht aufstehen. Die Kühe sind versorgt. (Kurzes Zögern.) Hab ich gemacht. Alle zwölf.
(Er lächelt.) Doch, ich hab mir die Hände gewaschen. Riech mal. Kernseife.
(Sie sagt etwas. Er hört lange zu.)
Ob ich noch weiß, wie wir uns kennengelernt haben? (Er überlegt kurz.) Auf dem Schützenfest. Neunzehnhundertvierundsechzig. Du hattest ein gelbes Kleid an und bist mir auf den Fuß getreten. Mit Absicht. (Pause.) Siehst du, ich weiß es noch. Du hast es mir so oft erzählt.
(Erschrocken, dann ruhig.) Nein, ich mein … du erzählst es immer so schön. Ich hör es gern noch mal.
(Er zieht die Decke über ihre Schultern.) Weißt du, was Joscha heute gemacht hat? Unser Enkel? (Kurze Pause.) Der hat bei der Uni angerufen und gesagt, er kommt dieses Semester nicht. Er bleibt noch ein bisschen hier. Bei dir. (Pause.) Ja. Find ich auch, dass er ein guter Junge ist. Ein bisschen blöd manchmal. Aber gut.
(Ihre Augen fallen zu. Er bleibt sitzen.) Schlaf. Ich pass auf. Ich geh nicht weg.
(Er wartet, bis ihr Atem ruhig wird. Dann, sehr leise:)
Gute Nacht, Oma.
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Ende des Textes

