(Ein Wartezimmer. Stuhlreihen, ein Stapel zerlesener Zeitschriften, ein Gummibaum. Egon, Mitte siebzig, Hut auf dem Knie, sitzt in der Ecke. In der Tür steht die Assistentin.)
Ja, ich hab’s g’hört, Fräulein. Swoboda, bitte. Ich bin net taub. Ich bin nur alt. Des is a Unterschied, den die Medizin bis heut net verstanden hat.
Eineinhalb Stund sitz ich da. Eineinhalb Stund. In der Zeit bin ich früher mit dem Sechsundvierziger zweimal von Ottakring zum Ring und zurück g’fahren. Und hab dabei noch an Rollstuhl einsteigen lassen und an Herrn, der sein Gebiss im Wagen verloren hat. Des war a Dienst.
Und die Zeitschriften! (Er hebt eine hoch.) „Frühlingsmode 2019“. Da is die Hälfte von die Models scho in Pension. Und die da, „Zehn Tipps gegen Stress“. Tipp eins: Gehen S’ net zum Arzt. (Zu einer Frau neben ihm.) Gnä’ Frau, Sie haben des auch g’lesen, gell? Sie haben g’lacht. I hab’s g’sehn.
(Die Assistentin sagt noch einmal: Herr Swoboda.)
Ja, gleich. (Er bleibt sitzen.) Wissen S’, Fräulein, ich bin noch nicht fertig mit dem Warten. Der Herr da mit dem Gips hat mir grad erzählt, wie er von der Leiter g’fallen is. Er is erst beim Fallen. Ich möcht wissen, wie’s ausgeht.
(Leiser.) Und dahoam wart eh keiner. Seit die Hilde nimmer is, red ich mit dem Radio. Des Radio is höflich, aber es fragt nix. Da herinnen fragt wenigstens wer, wie’s einem geht. Sogar wenn’s nur der Doktor is.
(Wieder laut. Er steht auf, setzt den Hut auf.) Also guat. Ich geh eini. Aber der Herr mit dem Gips wartet auf mich, bis ich wieder rauskomm, sonst erzählt er’s am End dem Gummibaum. Und Sie, gnä’ Frau, heben ma den Stuhl auf. Des is mei Stuhl. Seit vierzig Jahr.
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