Detlef: Die Mieterversammlung

Monolog · Gegenwart · Berlinisch

Detlef: Ick bin hier nich der Dienstleister. Ick bin der Detlef.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 283 Wörter
Umfang
283 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 48–55redaktionelle Einschätzung
Tonlage
polterndkomisch
Sprache
Berlinisch

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Inhalt
Seite

(Ein Gemeinschaftsraum mit Neonlicht, Klappstühlen und einem Getränkeautomaten. Detlef, Anfang fünfzig, im blauen Arbeitskittel, steht mit einem Klemmbrett vorne.)

So. Ruhe bitte. Frau Krüger, ooch Sie. Danke. Mieterversammlung, Donnerstag, neunzehn Uhr. Tagesordnung hängt aus, drei Punkte, wer nich lesen will, kricht se jetzt vorjelesen.

Punkt eins: Mülltrennung. Ick hab diese Woche inne Biotonne jefunden: zwee Pizzakartons, ne Yogamatte und ’n Toaster. ’N Toaster! Wer von Ihnen glaubt, det n Toaster verrottet? (Pause.) Keener. Dacht ick ma. Gelb is Plastik, blau is Papier, braun is Essen. Toaster is Wertstoffhof. Jut.

Punkt zwee: der Kinderwagen im Erdgeschoss. Da gab’s Beschwerden. Der steht im Flur, sagt Herr Lehmann, und versperrt den Fluchtweg. (Er sieht hoch.) Herr Lehmann, der Wagen jehört Familie Nowak aus’m Vierten. Der Fahrstuhl is seit Juni kaputt, die Frau trägt jeden Tag Zwillinge vier Stockwerke hoch. Der Wagen bleibt stehen. Ick hab ’n Stück an die Wand gerückt. Fluchtweg is frei. Punkt erledigt.

Punkt drei. (Er blättert, liest dann schnell vor.) „Die Wohnungsgesellschaft teilt mit, dass ab dem ersten Januar die Hausmeistertätigkeiten im Rahmen einer Optimierung der Betriebskosten von einem externen Dienstleister übernommen werden. Ansprechpartner ist dann eine zentrale Servicenummer.“ (Er sieht auf.) Det war’s. Fragen?

(Stille. Dann sagt jemand etwas.)

Ja, Frau Krüger, det heißt, ick bin weg. Zweiundzwanzig Jahre. (Er zuckt mit den Schultern.) Is ’ne Servicenummer. Da rufen Se an, und denn kommt einer. Irgendwann. Der weeß nich, det bei Ihnen die Heizung klopft, wenn man se auf drei dreht, und det Sie dann gegen den Heizkörper treten müssen, links unten. Det muss der lernen. Oder Sie sagen’s ihm.

(Ein Klappstuhl kracht. Jemand steht auf. Dann noch jemand.)

Wat machen Se denn? Setzen Se sich wieder hin. Det is keene Abstimmung, det is ’ne Mitteilung. (Pause.) Herr Lehmann, Sie och? Sie ham sich doch eben noch beschwert.

(Er sieht in die Runde. Seine Stimme wird rau.) Unterschriftenliste. Ach so. Na jut. (Er reißt ein Blatt vom Klemmbrett.) Dann schreib ick oben drüber. (Er schreibt, laut.) „Ick bin hier nich der Dienstleister. Ick bin der Detlef.“ Und drunter unterschreiben Se. Leserlich. Und wer ’n Toaster inne Biotonne geschmissen hat, unterschreibt zweemal.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Der Text ist in Berlinisch geschrieben: „ick“, „det“, „wat“, „jut“. Sprich ihn locker, nicht übertrieben. Mehr zu Dialekten im Schauspiel.
  • Detlef ist ein Versammlungsleiter mit Klemmbrett und Pflichtgefühl. Die Komik entsteht aus dem Ernst, mit dem er Kleinigkeiten verhandelt.
  • Bei Punkt drei kippt das Tempo: Detlef liest die Mitteilung zu schnell vor, um es hinter sich zu haben.
  • Die Reaktion der Mieterschaft hörst nur du. Lass dir Zeit, sie zu sehen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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