(Eine Küche. Ein Tisch mit zwei Kaffeetassen. Brigitte, dreiundsechzig, im Bademantel, nimmt ein laminiertes Blatt in die Hand, setzt die Lesebrille auf.)
Rolf. Was ist das? (Sie liest.) „Brigittes erster Tag. Version drei.“ Version drei? Es gab zwei Versionen vorher?
(Sie liest weiter.) „Sieben Uhr: gemeinsames Frühstück.“ Gut. Das machen wir ja gerade. „Sieben Uhr dreißig: gemeinsames Zeitunglesen.“ Rolf, du liest den Sportteil, ich les den Rest. Das ist nicht gemeinsam, das ist Arbeitsteilung.
„Acht Uhr: gemeinsames Nordic Walking, Runde um den Baggersee, sechs Kilometer.“ (Sie sieht ihn an.) Ich hab vierzig Jahre am Schreibtisch gesessen. Ich hab Knie wie ein Klappstuhl.
„Zehn Uhr: gemeinsamer Einkauf. Getrennte Listen.“ (Pause.) Getrennte Listen, aber gemeinsamer Einkauf. Das ist sehr durchdacht. „Elf Uhr dreißig: gemeinsames Kochen.“ „Dreizehn Uhr: Mittagsruhe, getrennt.“ Na, wenigstens das. „Vierzehn Uhr: gemeinsamer Baumarkt.“ (Sie lässt das Blatt sinken.) Was brauchen wir im Baumarkt?
(Sie hört zu.) Nichts. Man geht in den Baumarkt, um zu gucken. Seit zwei Jahren gehst du jeden Tag um zwei in den Baumarkt. Die kennen dich da. Die haben dir zu Weihnachten eine Karte geschrieben.
(Sie nimmt einen Kugelschreiber aus der Bademanteltasche.) Rolf. Schatz. Du hast dich auf mich gefreut. Das ist schön. Das ist wirklich schön. Aber ich hab mich vierzig Jahre lang auf diesen Tag gefreut, und in meinen Plänen kam eine Uhrzeit nie vor.
(Sie dreht das Blatt um und schreibt auf die Rückseite. Sie liest vor.)
„Brigittes erster Tag. Version vier.“ Sieben Uhr: Frühstück, zusammen. Meinetwegen. Neun bis siebzehn Uhr: Brigitte. (Pause.) Achtzehn Uhr: Abendessen, zusammen. Und wenn du willst, erzählst du mir, was es im Baumarkt Neues gibt.
(Sie legt das Blatt hin und trinkt einen Schluck Kaffee.) Und, Rolf. Laminieren lass ich das nicht.
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