Juri und Fynn: Weitergeleitet

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Juri und Fynn: Dann stehst du mal auf der falschen Seite.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 426 Wörter
Umfang
426 WörterFynn · Juri
Figuren
männlich + männlich
Spielalter
ca. 14–16redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verletzternst & dramatisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
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(Eine Umkleide in einer Sporthalle nach dem Unterricht. Bänke, Haken, eine vergessene Trinkflasche. Fynn, fünfzehn, packt hastig seine Tasche. Juri, fünfzehn, steht in der Tür und lässt ihn nicht vorbei.)

Fynn

Ey. Lass mich durch. Der Bus fährt gleich.

Stichwort: „… mich durch. Der Bus fährt gleich.“

Juri

Der fährt alle zehn Minuten.

Stichwort: „Der fährt alle zehn Minuten.“

Fynn

Juri. Komm schon.

Stichwort: „Juri. Komm schon.“

Juri

Wem hast du das geschickt?

Stichwort: „Wem hast du das geschickt?“

Fynn

Was?

Stichwort: „Was?“

Juri

Tu nicht so. Das Video. Das ich dir geschickt hab. Nur dir.

Stichwort: „… ich dir geschickt hab. Nur dir.“

Fynn

(Er setzt sich auf die Bank.) Das war doch nur in der Gruppe.

Stichwort: „… war doch nur in der Gruppe.“

Juri

In welcher Gruppe?

Stichwort: „In welcher Gruppe?“

Fynn

Die von der Neunten. Da sind nur so zwanzig Leute drin.

Stichwort: „… sind nur so zwanzig Leute drin.“

Juri

Zweiundvierzig. Ich hab nachgezählt. Und dann hat es irgendwer in die Stufengruppe gestellt, und heute in der Pause hat mir ein Fünftklässler hinterhergesungen. Ein Fünftklässler, Fynn. Der war so groß.

Stichwort: „… Fünftklässler, Fynn. Der war so groß.“

Fynn

Das ist doch lustig. Alle fanden das lustig. Du singst da halt so … du hast einfach voll reingehauen.

Stichwort: „… … du hast einfach voll reingehauen.“

Juri

Das war für meine Oma. Zum Achtzigsten. Ich hab das Lied geübt, weil sie es immer im Auto gehört hat. Ich hab dir das geschickt, weil ich wissen wollte, ob es peinlich klingt. Du hast geschrieben: Nee, voll schön. Mit drei Herzen.

Stichwort: „… Nee, voll schön. Mit drei Herzen.“

Fynn

Es war ja auch schön.

Stichwort: „Es war ja auch schön.“

Juri

Und warum hast du es dann weitergeschickt?

Stichwort: „… warum hast du es dann weitergeschickt?“

(Fynn antwortet nicht. Er zieht den Reißverschluss der Tasche auf und wieder zu.)

Juri

Weißt du, was Mats drunter geschrieben hat? Ich sag es dir nicht. Du hast es gelesen. Du hast einen Daumen draufgemacht.

Stichwort: „… gelesen. Du hast einen Daumen draufgemacht.“

Fynn

Alle haben einen Daumen draufgemacht.

Stichwort: „Alle haben einen Daumen draufgemacht.“

Juri

Du bist nicht alle. Du bist seit der zweiten Klasse mein bester Freund. Du hast bei uns übernachtet, als dein Vater ausgezogen ist. Meine Oma hat dir Pfannkuchen gemacht. Mit Apfel. Die Oma, für die das Lied war.

Stichwort: „… Oma, für die das Lied war.“

Fynn

(Leise.) Ich weiß.

Stichwort: „Ich weiß.“

Juri

Also warum?

Stichwort: „Also warum?“

Fynn

(Nach einer langen Pause.) Weil sie letzte Woche über mich geredet haben. Mats und die anderen. Über meine Schuhe. Dass die vom Discounter sind. Und dann hab ich gedacht, wenn ich was Lustiges schicke, dann lachen sie über was anderes. Und ich bin dabei. Auf der richtigen Seite.

Stichwort: „… bin dabei. Auf der richtigen Seite.“

Juri

Auf der richtigen Seite.

Stichwort: „Auf der richtigen Seite.“

Fynn

Ich hab nicht nachgedacht. Ich hab auf Weiterleiten gedrückt, und dann war es weg. Man kann das nicht zurückholen. Ich hab es versucht. Ich hab es bei mir gelöscht, aber das bringt ja nichts.

Stichwort: „… gelöscht, aber das bringt ja nichts.“

Juri

Nein. Das bringt nichts.

Stichwort: „Nein. Das bringt nichts.“

(Stille. Draußen fährt ein Bus ab.)

Fynn

Da fährt er.

Stichwort: „Da fährt er.“

Juri

Der nächste kommt in zehn Minuten.

Stichwort: „Der nächste kommt in zehn Minuten.“

Fynn

Was soll ich jetzt machen? Sag es mir. Ich mach es.

Stichwort: „… Sag es mir. Ich mach es.“

Juri

Du schreibst in die Gruppe. Dass du das ohne zu fragen geschickt hast. Dass es für meine Oma war. Und dass jeder, der es weiterschickt, ein Idiot ist. Mit deinem Namen drunter.

Stichwort: „… Idiot ist. Mit deinem Namen drunter.“

Fynn

Dann lachen sie über mich.

Stichwort: „Dann lachen sie über mich.“

Juri

Ja. Vielleicht. (Pause.) Dann stehst du mal auf der falschen Seite. Ich steh da schon seit gestern. Ist gar nicht so voll da.

Stichwort: „… Ist gar nicht so voll da.“

Fynn

(Er holt das Handy heraus und tippt. Er hört auf.) Und morgen gehen wir zu Frau Sander. Zusammen. Die von der Vertrauenssprechstunde. Die weiß, wie man so was löschen lässt.

Stichwort: „… wie man so was löschen lässt.“

Juri

Du gehst mit?

Stichwort: „Du gehst mit?“

Fynn

Ich hab es ja auch verschickt.

Stichwort: „Ich hab es ja auch verschickt.“

(Fynn tippt weiter. Juri setzt sich neben ihn auf die Bank und liest mit.)

Juri

Schreib „Idiot“ mit großem I.

Stichwort: „Schreib „Idiot“ mit großem I.“

Fynn

Mach ich.

Stichwort: „Mach ich.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Juri hat sich vorgenommen, ruhig zu bleiben. Die Wut zeigt sich in der Genauigkeit: Juri hat nachgezählt und weiß, wer was geschrieben hat. Spielt den Konflikt leise, nicht laut.
  • Fynns Geständnis ist der Wendepunkt. Danach verschiebt sich der Status: Fynn wird kleiner, Juri großzügiger.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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