Jamal und Frau Pohl: Die Bestellung

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Jamal und Frau Pohl: Dann bestell ich nichts.

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Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 291 Wörter
Umfang
291 WörterJamal · Frau Pohl
Figuren
männlich + weiblich
Spielalter
ca. 19–80redaktionelle Einschätzung
Tonlage
gehetzttragikomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
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(Ein Wohnungsflur im Altbau. Eine nackte Glühbirne an der Decke flackert. Jamal, neunzehn, steht mit Fahrradhelm und Thermorucksack in der Tür, eine Papiertüte in der Hand. Frau Pohl, einundachtzig, Strickjacke, Lesebrille an einer Kette, öffnet.)

Jamal

Einmal Kürbissuppe, einmal Brot, keine Löffel.

Stichwort: „Einmal Kürbissuppe, einmal Brot, keine Löffel.“

Frau Pohl

Ich habe Löffel. Ich habe sechsunddreißig Löffel. Mein Mann hat bei jedem Umzug Löffel gekauft, als hätten wir sie verloren.

Stichwort: „… gekauft, als hätten wir sie verloren.“

Jamal

Steht so in der Bestellung. Keine Löffel. (Er hält ihr die Tüte hin.) Schönen Abend, Frau Pohl.

Stichwort: „… Keine Löffel. Schönen Abend, Frau Pohl.“

Frau Pohl

Junger Mann. Die Birne.

Stichwort: „Junger Mann. Die Birne.“

Jamal seufzt

Die flackert seit drei Wochen.

Stichwort: „Die flackert seit drei Wochen.“

Frau Pohl

Eben. Seit drei Wochen sehen Sie sie sich an, und sie flackert immer noch. Ich frage mich, was man Ihnen beigebracht hat.

Stichwort: „… mich, was man Ihnen beigebracht hat.“

Jamal

Fahrrad fahren. (Er sieht aufs Handy.) Ich hab noch zwei Minuten.

Stichwort: „… fahren. Ich hab noch zwei Minuten.“

Frau Pohl

Dann reichen zwei Minuten. Kommen Sie, ich halte die Leiter.

Stichwort: „… Kommen Sie, ich halte die Leiter.“

(Jamal tritt seufzend ein. Er stellt die Tüte auf die Kommode und steigt auf eine kleine Trittleiter. Frau Pohl hält sie mit beiden Händen. Er dreht an der Birne.)

Jamal

Die ist nicht kaputt. Die ist nur locker.

Stichwort: „… nicht kaputt. Die ist nur locker.“

Frau Pohl

Ach.

Stichwort: „Ach.“

Jamal

Ach? Sie haben die doch locker gedreht.

Stichwort: „… Sie haben die doch locker gedreht.“

Frau Pohl

Ich bin einundachtzig. Ich komme da nicht hoch.

Stichwort: „… einundachtzig. Ich komme da nicht hoch.“

Jamal

Sie haben gestern auf dieser Leiter gestanden, als ich geklingelt hab. Ich hab Sie durchs Fenster gesehen.

Stichwort: „… Ich hab Sie durchs Fenster gesehen.“

(Pause. Frau Pohl lässt die Leiter los. Jamal steigt herunter. Durch die offene Küchentür sieht er den Kühlschrank, dessen Tür nicht richtig schließt. Er geht hin, um sie zuzudrücken, und hält inne.)

Jamal

Frau Pohl. Da stehen … (Er zählt.) … sechzehn Suppen.

Stichwort: „… Da stehen … … sechzehn Suppen.“

Frau Pohl

Siebzehn. Eine steht im Gefrierfach.

Stichwort: „Siebzehn. Eine steht im Gefrierfach.“

Jamal

Die sind alle zu.

Stichwort: „Die sind alle zu.“

Frau Pohl

Ich mag keine Kürbissuppe. Ich hab nie Kürbissuppe gemocht. Das ist nur das Erste auf der Liste, und ich finde mich auf diesem Telefon nicht zurecht.

Stichwort: „… mich auf diesem Telefon nicht zurecht.“

Jamal

Sie bestellen jeden Abend für neun Euro achtzig eine Suppe, die Sie nicht essen.

Stichwort: „… eine Suppe, die Sie nicht essen.“

Frau Pohl

Ein Taxi kostet mehr. Und ein Taxifahrer kommt nicht in den dritten Stock.

Stichwort: „… kommt nicht in den dritten Stock.“

(Jamals Handy summt. Er sieht darauf. Es summt noch einmal. Er dreht es um und legt es auf die Kommode.)

Jamal

Jetzt bin ich zu spät. Jetzt krieg ich einen roten Punkt.

Stichwort: „… Jetzt krieg ich einen roten Punkt.“

Frau Pohl

Ist das schlimm?

Stichwort: „Ist das schlimm?“

Jamal

Bei drei roten Punkten reden die mit dir. Bei fünf nicht mehr. (Pause.) Ich hab zwei.

Stichwort: „… fünf nicht mehr. Ich hab zwei.“

Frau Pohl

Dann gehen Sie. Ich wollte Ihnen keine Punkte machen.

Stichwort: „… Ich wollte Ihnen keine Punkte machen.“

Jamal nimmt das Handy, zögert

Sonntags hab ich frei.

Stichwort: „Sonntags hab ich frei.“

Frau Pohl

Ich weiß. Sonntags kommt ein Mädchen mit Locken. Die sagt nicht einmal Guten Abend.

Stichwort: „… Die sagt nicht einmal Guten Abend.“

Jamal

Ich mein: Sonntags könnte ich kommen. Ohne Bestellung. Dann müssten Sie nicht neun Euro achtzig zahlen, und ich müsste nicht auf die Uhr gucken.

Stichwort: „… müsste nicht auf die Uhr gucken.“

Frau Pohl nach einer Pause

Dann bestell ich nichts.

Stichwort: „Dann bestell ich nichts.“

Jamal

Genau.

Stichwort: „Genau.“

Frau Pohl

Und was essen wir dann?

Stichwort: „Und was essen wir dann?“

Jamal

Sie haben siebzehn Suppen. (Er setzt den Helm auf.) Und sechsunddreißig Löffel.

Stichwort: „… haben siebzehn Suppen. Und sechsunddreißig Löffel.“

(Er geht. Frau Pohl sieht ihm nach, dann zur Glühbirne, die ruhig leuchtet. Sie stellt die neue Suppe zu den anderen.)

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Die App ist die dritte Figur. Jamals Blick aufs Handy setzt den Takt, bis er ihn bewusst ignoriert.
  • Frau Pohl ist keine traurige Alte. Sie ist witzig, eigensinnig und stolz. Ihre Einsamkeit zeigt sich nur in dem, was sie nicht sagt; das ist ihr Subtext.
  • Die Glühbirne ist ein Vorwand, und beide wissen es. Spielt, wie lange es dauert, bis einer es ausspricht.
  • Das Ende ist leicht. Kein großes Gefühl, nur eine Verabredung, die keiner so nennt.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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