Inge und Gerhard: Die zweite Hochzeit

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Inge und Gerhard: Wir heiraten, und ihr dürft kommen.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 334 Wörter
Umfang
334 WörterGerhard · Inge
Figuren
weiblich + männlich
Spielalter
ca. 75–85redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verschmitztkomisch
Sprache
Alltagssprache

Drucken und PDF

Stell zusammen, was auf dem Blatt stehen soll. Die Auswahl gilt für den Druck und für das PDF.

Inhalt
Seite
Eigene Rolle markieren

Deine Rolle bekommt einen farbigen Strich am Rand, die anderen Rollen erscheinen grau.

(Ein Gemeinschaftsraum mit Resopaltischen und einem Gummibaum. Inge, einundachtzig, sitzt mit übergeschlagenen Beinen. Gerhard, neunundsiebzig, steht vor ihr mit einem Stapel Karteikarten.)

Gerhard

Also. Karte eins. „Liebe Familien. Wir haben euch heute eingeladen, weil wir euch etwas mitteilen möchten.“

Stichwort: „… weil wir euch etwas mitteilen möchten.““

Inge

Gerhard. Das ist der Kaffee meiner Kinder, nicht die Bundespressekonferenz.

Stichwort: „… Kaffee meiner Kinder, nicht die Bundespressekonferenz.“

Gerhard

Ich will, dass es würdig ist.

Stichwort: „Ich will, dass es würdig ist.“

Inge

Es ist würdig. Ich hab einen Käsekuchen gebacken.

Stichwort: „… würdig. Ich hab einen Käsekuchen gebacken.“

Gerhard

Karte zwei. „Wir kennen uns seit zwei Jahren und vier Monaten.“

Stichwort: „… seit zwei Jahren und vier Monaten.““

Inge

Seit zwei Jahren und fünf Monaten. Du hast den Tanzabend nicht mitgezählt, an dem du mir auf den Fuß getreten bist.

Stichwort: „… mir auf den Fuß getreten bist.“

Gerhard

Das war kein Kennenlernen. Das war ein Unfall.

Stichwort: „… kein Kennenlernen. Das war ein Unfall.“

Inge

Bei mir zählt der Unfall.

Stichwort: „Bei mir zählt der Unfall.“

(Gerhard streicht etwas auf der Karte durch und schreibt etwas Neues.)

Gerhard

Karte drei. Die Finanzen.

Stichwort: „Karte drei. Die Finanzen.“

Inge

Nein.

Stichwort: „Nein.“

Gerhard

Inge, dein Michael fragt sofort nach dem Erbe. Ich hab das ausgerechnet. Ich hab einen Notartermin gemacht. Ehevertrag, Gütertrennung, Erbverzicht. Alles bleibt bei deinen Kindern. Ich will nichts. Ich hab eine Briefmarkensammlung und einen Wohnwagen.

Stichwort: „… hab eine Briefmarkensammlung und einen Wohnwagen.“

Inge

Du hast einen Notartermin gemacht?

Stichwort: „Du hast einen Notartermin gemacht?“

Gerhard

Für Dienstag. Ich wollte, dass er keine Argumente hat.

Stichwort: „… wollte, dass er keine Argumente hat.“

(Inge steht auf und stellt sich vor Gerhard. Sie macht eine tiefe Stimme.)

Inge

„Mama, in deinem Alter, ist das nicht ein bisschen …“

Stichwort: „… ist das nicht ein bisschen …““

Gerhard

Was?

Stichwort: „Was?“

Inge

„… unvernünftig?“ (Normale Stimme.) Das sagt er. Das hat er schon am Telefon gesagt. Unvernünftig. Mein Sohn, der mit fünfundvierzig einen Porsche gekauft hat, den er nicht fahren kann, weil er Rücken hat.

Stichwort: „… fahren kann, weil er Rücken hat.“

Gerhard

Und was sagst du dann?

Stichwort: „Und was sagst du dann?“

Inge

Ich sag: Michael, ich war fünfzig Jahre vernünftig. Ich hab mit deinem Vater ein Haus abbezahlt, drei Kinder großgezogen und ihn zwei Jahre gepflegt. Jetzt bin ich dran mit unvernünftig.

Stichwort: „… Jetzt bin ich dran mit unvernünftig.“

(Gerhard legt die Karten auf den Tisch.)

Gerhard

Inge.

Stichwort: „Inge.“

Inge

Was?

Stichwort: „Was?“

Gerhard leise

Ich hab Angst, dass er dich überzeugt.

Stichwort: „… hab Angst, dass er dich überzeugt.“

Inge

Mich überzeugt?

Stichwort: „Mich überzeugt?“

Gerhard

Ich war nie verheiratet. Ich war mit fünfundzwanzig verlobt, und dann hat ihr Vater gesagt, ein Schlosser ist nichts für seine Tochter. Und sie hat auf ihren Vater gehört. Ich hab vierundfünfzig Jahre gedacht, das ist eben so. Familie redet, und dann ist es vorbei.

Stichwort: „… redet, und dann ist es vorbei.“

(Stille. Inge nimmt seine Hand.)

Inge

Gerhard. Wir sagen das morgen nicht als Frage.

Stichwort: „… sagen das morgen nicht als Frage.“

Gerhard

Wie dann?

Stichwort: „Wie dann?“

Inge

Wir sagen: Wir heiraten, und ihr dürft kommen. Mehr nicht. Dann gibt es Käsekuchen.

Stichwort: „… Mehr nicht. Dann gibt es Käsekuchen.“

Gerhard

Und meine Karten?

Stichwort: „Und meine Karten?“

Inge

Die lies mir vor. Heute Abend. Alle. Auch die mit den Finanzen.

Stichwort: „… Alle. Auch die mit den Finanzen.“

Gerhard lächelt zum ersten Mal

Da ist auch ein Gedicht dabei.

Stichwort: „Da ist auch ein Gedicht dabei.“

Inge

Ich weiß. Ich hab es gesehen. Es reimt sich nicht.

Stichwort: „… es gesehen. Es reimt sich nicht.“

Gerhard

Es soll sich auch nicht reimen. Es ist ehrlich.

Stichwort: „… auch nicht reimen. Es ist ehrlich.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Spielt keine niedlichen Alten. Inge und Gerhard sind zwei Erwachsene mit eigenem Willen und eigenem Humor.
  • Gerhards Zettel sind eine dankbare Requisite: Er sortiert sie, verliert sie, liest vom falschen ab.
  • Inges Proben der Kinder-Reaktionen sind komisch. Sie spielt ihren Sohn mit tiefer Stimme.
  • Nach Gerhards Geständnis wird es kurz still und zärtlich. Dann kommt Inges Satz und mit ihm die Entscheidung.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

Go to Top