Noah: Herr Krümel

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Noah: Er war nicht krank. Nur fertig.

Freier Text von SceneTalent

© SceneTalent. Nutzung nur mit Verweis und Link auf scenetalent.com.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 335 Wörter
Umfang
335 Wörterungekürzt
Figur
offen besetzbar
Spielalter
ca. 8–11redaktionelle Einschätzung
Tonlage
ernsthafttragikomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein Klassenzimmer einer Grundschule, erster Schultag nach den Herbstferien. Morgenkreis. Noah, neun, steht in der Mitte und hält einen leeren Hamsterkäfig mit beiden Armen fest. Die Klasse sitzt im Kreis.)

Ich soll erzählen, was ich in den Ferien gemacht habe. (Noah stellt den Käfig auf den Boden.) Ich hatte Herrn Krümel. Alle wissen das, weil ich bei der Verlosung gewonnen habe, und Emil hat geweint, weil er ihn auch wollte.

Also. Am ersten Tag habe ich ihm ein Labyrinth aus Klopapierrollen gebaut. Er ist nicht reingegangen. Er hat eine aufgefressen. Am zweiten Tag hat er bei mir im Zimmer geschlafen, weil Mama gesagt hat, Hamster sind nachtaktiv, und ich wollte sehen, was er nachts macht. Er macht Lärm. Er rennt im Rad, bis drei Uhr, dann trinkt er, und dann rennt er wieder. Ich habe nicht geschlafen. Herr Krümel ist sehr sportlich.

(Noah schaut zur Lehrerin.) Das andere soll ich auch erzählen, oder? Frau Özdemir hat gesagt, ich darf.

(Pause. Noah nickt, als hätte ihm jemand Mut gemacht.)

Am Donnerstag lag er morgens in seinem Häuschen und hat sich nicht bewegt. Ich habe ihn mit einer Erdnuss gerufen. Das klappt sonst immer. Dann hat Papa gesagt, dass er tot ist. Papa sagt, er war schon drei, und drei ist für einen Hamster so alt wie bei Menschen ganz alt. Er war nicht krank. Nur fertig.

Ich habe erst gedacht, ich bin schuld, wegen dem Klopapier. Aber die Tierärztin hat gesagt, Klopapier ist nicht schlimm. Ich habe extra gefragt. Wir sind nur deswegen hingefahren.

Wir haben ihn im Garten unter dem Apfelbaum begraben. In der Schachtel von Mamas Stiefeln. Ich habe eine Rede gehalten. Die war kurz, weil ich angefangen habe zu weinen, und dann hat meine Schwester weitergeredet, und die kannte ihn gar nicht richtig. Sie hat gesagt, er war ein guter Hamster. Das stimmt aber.

(Noah sieht zu einem Kind im Kreis.) Emil. Du kannst jetzt sauer sein. Wenn du ihn gehabt hättest, wäre er vielleicht bei dir gestorben, und dann wärst du traurig und nicht ich. (Noah überlegt.) Das ist irgendwie auch nicht besser.

Ich habe was mitgebracht. (Noah holt ein Foto aus dem Käfig.) Das ist er im Rad. Man sieht nur einen Streifen, weil er so schnell war. Das hängen wir an die Pinnwand. Und wenn wir einen neuen kriegen, darf Emil ihn zuerst mitnehmen. (Pause.) Aber ich darf ihm zeigen, wie man ihn mit der Erdnuss ruft.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Kinder erzählen sachlich, auch traurige Dinge. Spiele nicht die Trauer, sondern das genaue Berichten.
  • Der Käfig ist eine wichtige Requisite: Noah hält ihn fest, solange er sich festhalten muss.
  • Die Komik entsteht aus der Logik des Kindes („Wir sind nur deswegen hingefahren“). Nicht auf Lacher spielen.
  • Für junge Spielende ab acht Jahren; auch als Übung für erwachsene Spielende, die Kinderrollen sprechen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

Go to Top