Lady Milford: „Wie war das? Wie geschah mir?“

Monolog · Sturm und Drang · Prosa

Lady Milford: Beschämen lässt sich Emilie Milford — doch beschimpfen nie!

aus Kabale und Liebe (1784) von Friedrich Schiller · IV. Akt, 8. Szene

Originaltext · Kabale und Liebe, Friedrich Schiller (1784)ungekürzt
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 279 Wörter
Umfang
279 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 24–45redaktionelle Einschätzung
Tonlage
erschüttertleidenschaftlich
Sprache
Prosabehutsam modernisiert
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(Lady Milford allein. Steht erschüttert und außer sich, den starren Blick nach der Türe gerichtet, durch welche die Millerin weggeeilt, endlich erwacht sie aus ihrer Betäubung.)

Wie war das? Wie geschah mir? Was sprach die Unglückliche? — Noch o Himmel! noch zerreißen sie mein Ohr die fürchterlichen mich verdammenden Worte: Nehmen Sie ihn hin! — Wen Unglückselige? Das Geschenk deines Sterberöchelns — das schauervolle Vermächtnis deiner Verzweiflung! Gott! Gott! Bin ich so tief gesunken — so plötzlich von allen Thronen meines Stolzes herabgestürzt, dass ich heißhungrig erwarte, was einer Bettlerin Großmut aus ihrem letzten Todeskampfe mir zuwerfen wird? — Nehmen Sie ihn hin, und das spricht sie mit einem Tone, begleitet sie mit einem Blicke — — Ha! Emilie! Bist du darum über die Grenzen deines Geschlechts weggeschritten? Musstest du darum um den prächtigen Namen des großen britischen Weibes buhlen, dass das prahlende Gebäude deiner Ehre neben der höheren Tugend einer verwahrlosten Bürgerdirne versinken soll? — Nein stolze Unglückliche! Nein! — Beschämen lässt sich Emilie Milford — doch beschimpfen nie! Auch ich habe Kraft, zu entsagen.

(Mit majestätischen Schritten auf und nieder.)

Verkrieche dich jetzt weiches leidendes Weib — Fahret hin süße goldene Bilder der Liebe — Großmut allein sei jetzt meine Führerin! — — Dieses liebende Paar ist verloren, oder Milford muss ihren Anspruch vertilgen, und im Herzen des Fürsten erlöschen! (nach einer Pause, lebhaft) Es ist geschehen! — Gehoben das furchtbare Hindernis — Zerbrochen alle Bande zwischen mir und dem Herzog, gerissen aus meinem Busen diese wütende Liebe! — — In deine Arme werf ich mich, Tugend! — Nimm sie auf, deine reuige Tochter Emilie! — Ha! wie mir so wohl ist! Wie ich auf einmal so leicht! so gehoben mich fühle! — Groß, wie eine fallende Sonne, will ich heut vom Gipfel meiner Hoheit heruntersinken, meine Herrlichkeit sterbe mit meiner Liebe, und nichts als mein Herz begleiten mich in diese stolze Verweisung (entschlossen zum Schreibpult gehend) Jetzt gleich muss es geschehen — jetzt auf der Stelle, ehe die Reize des lieben Jünglings den blutigen Kampf meines Herzens erneuern.

(Sie setzt sich nieder und fängt an zu schreiben.)

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Spielhinweise

  • Der Status kippt: Die Lady, sonst überlegen, wurde von einer „Bürgerdirne“ beschämt. Der Monolog ist ihr Weg zurück nach oben.
  • Schillers Prosa ist rhetorisch und atemlos. Die vielen Gedankenstriche verlangen gute Atemstütze und klare Zäsuren.
  • Die Regieanweisungen („mit majestätischen Schritten“, „lebhaft“) zeigen die Kurve: von der Erstarrung zur fast euphorischen Entschlossenheit.
  • Das Hochgefühl am Ende ist nicht ganz frei: Sie muss schnell schreiben, bevor die Liebe zurückkommt.

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Vorsprech-Set

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