(Eine Küche, nachts. Jona, siebzehn, sitzt am Tisch vor einem geöffneten Brief der Krankenkasse. Daneben liegen ein Kugelschreiber und ein Organspendeausweis im Scheckkartenformat, noch nicht ausgefüllt.)
Fünf Kästchen. Fünf. Man denkt, das ist eine Ja-oder-Nein-Frage, und dann sind da fünf Kästchen. (Jona liest.) „Ja, ich gestatte.“ „Ja, mit Ausnahme von.“ „Ja, nur für.“ „Nein, ich widerspreche.“ Und das fünfte: Eine andere Person soll entscheiden. Das ist das Kästchen für Leute wie mich. Da trägt man seine Mutter ein und geht schlafen.
Ich bin siebzehn. In dem Brief steht, dass man ab sechzehn Ja sagen darf. Wählen darf ich noch nicht überall, Alkohol nur Bier und Wein, Auto nur mit Papa daneben. Aber ob mein Herz nach meinem Tod in einem anderen Menschen weiterschlägt, das darf ich allein entscheiden. Mit einem Kugelschreiber vom Zahnarzt.
Oma sagt, ich soll das lassen. Sie sagt, wenn die wissen, dass du einen Ausweis hast, geben sie sich weniger Mühe. Ich habe das nachgelesen. Es stimmt nicht. Zwei Ärzte müssen unabhängig voneinander feststellen, dass das ganze Gehirn für immer ausgefallen ist, und die dürfen mit der Transplantation nichts zu tun haben. Das habe ich Oma vorgelesen. Sie hat gesagt: „Papier ist geduldig.“
(Jona dreht den Ausweis um.) Papier ist geduldig. Ich nicht. Ich habe mir heute in Bio vorgestellt, wie das wäre. Nicht das Sterben. Das danach. Dass irgendwo ein Mädchen in meinem Alter auf dem Sofa liegt, ein Gerät neben sich, und seit zwei Jahren darauf wartet, dass das Telefon klingelt. Und es klingelt, weil ich mit dem Fahrrad zu schnell um die Ecke war.
Das ist ein komischer Gedanke. Dass man genau dann am nützlichsten ist, wenn man nicht mehr da ist.
(Jona nimmt den Kugelschreiber.) Ich will nicht, dass Mama das an einem Krankenhausbett entscheiden muss. Mit dem Gesicht, das sie macht, wenn sie nicht weiß, was richtig ist, und es trotzdem richtig machen will. Dieses Gesicht soll sie meinetwegen nie machen müssen.
(Jona kreuzt an, schreibt etwas dazu und unterschreibt. Dann bleibt der Stift über der Karte stehen.)
Unterschrift. (Pause.) Meine Unterschrift sieht aus wie mit zwölf. Die habe ich nie geübt. (Jona betrachtet den Ausweis und schiebt ihn ins Portemonnaie, hinter den Schülerausweis.) Morgen sage ich es Mama. Beim Frühstück. Bevor sie Kaffee hatte. Da diskutiert sie nicht.
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