Hekuba: „Unselige du, erhebe dein Haupt“

Monolog · Antike · freie Verse (Bearbeitung Franz Werfel)

Hekuba: Unselige du, erhebe dein Haupt, und richte dich auf, und wende dich um nach Troja!

aus Die Troerinnen von Euripides · Erster Auftritt (Klage der Hekuba)

Originaltext · Die Troerinnen, Euripidesungekürzt
Dauer
ca. 3,5 Mingeschätzt, 359 Wörter
Umfang
61 Verseungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 45–85redaktionelle Einschätzung
Tonlage
klagendernst & dramatisch
Sprache
freie Verse (Bearbeitung Franz Werfel)behutsam modernisiert
PDF-Optionen

(Vor den Zelten der kriegsgefangenen Troerinnen, in der Dämmerung. Troja ist gefallen. Hekuba hockt grau und allein vor dem Zelt.)

  1. Unselige du, erhebe dein Haupt,
  2. Und richte dich auf, und wende dich um
  3. Nach Troja! Wo ist’s, wo bist du dir selbst?
  4. Die Königin bist du von Troja nicht mehr,
  5. Doch wie sich’s auch wandelte, halte dein Herz,
  6. Nicht wirf in die Brandung des Schicksals den Kahn
  7. Deines Lebens, und fahr du stromabwärts!
  1. O weh, o weh, was bleibt mir denn noch?
  2. Das Reich und der Mann und die Kinder sind hin.
  3. O gewaltiger Hochmut, gepriesener Stolz
  4. Der Ahnen, hier liegst du am Boden.
  5. Mir ist nicht zum Schweigen, mir ist nicht zum Schrein,
  6. Mir ist nicht zum Weinen. Wie hart ist der Stein
  7. Meines Lagers. Wie schmerzt mich alles! Mein Kopf!
  8. Ach Gott, meine Schläfen! Wie spür ich mein Kreuz!
  9. O jetzt den Körper zu werfen im Takt
  10. Der Klage, zu neigen gleichmäßig den Leib,
  11. Nach links und nach rechts, und hinauf und hinab,
  12. Dass der Tränen erhabner Regen roll’,
  13. Unendlich begleitend den Klagegesang,
  14. Die süßeste Muse des Unglücks!!
  1. Ihr Griechenschiffe, wie so schnell
  2. Kamt ihr durchs Purpurmeer,
  3. Vorbei an eurer Häfen Schutz
  4. Vors heilige Ilion!
  1. Wie schrie die Pfeife schrecklich auf,
  2. Wie johlte da die Flöte mit,
  3. Als ausgeworfen euer Tau,
  4. Sich um die starken Pflöcke wand
  5. In Trojas liebem Hafen.
  1. Wen kamt ihr zu finden,
  2. Wen suchtet ihr auf?
  3. Die Hündin, das Schwein,
  4. Des Menelas Weib,
  5. Die Schande der Brüder,
  6. Die Schmach der Welt.
  7. Sie raffte mir hin,
  8. Und mordete mir
  9. Den Gatten, den alten,
  10. Den Priamus mir!
  11. Den Vater der Helden,
  12. Der fünfzig Söhne!
  13. Und warf mich selbst,
  14. Warf, Hekuba, mich
  15. Hinab in die Schluchten des Jammers!
  1. Hier vor des Agamemnon Zelt
  2. Hock ich in Jammer eingehüllt. —
  3. Wie bald führt man die Greisin fort
  4. Als Magd in eine fremde Stadt.
  5. Als Magd, wie schrecklich ist die Schur
  6. Auf meinem alten, mürben Haupt …
  7. Hört mich, ihr Troerinnen, kommt,
  8. Ihr Frauen kommt, ihr Mädchen kommt,
  9. Hört ihr, zu mir, heran an mich,
  10. Unendlich mit mir zu klagen!
  1. Wie die Mutter ängstlich umflattert die Brut,
  2. So sing ich auch heute ein mütterlich Lied,
  3. Doch anders als einst, als an Priamus’ Stab
  4. Ich herrlich gestützt erhub den Gesang
  5. Zum Himmel empor, als ich phrygisch im Tanz,
  6. Erhabenen Reigen voranschritt.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Hekuba beginnt am Boden. Der Monolog ist ein Weg vom Hocken zum Aufrichten; lass jeden Abschnitt einen Schritt dieses Weges sein.
  • „Die Hündin, das Schwein, des Menelas Weib“ meint Helena, deren Entführung den Krieg auslöste. Die kurzen Verse sind Hass in Stößen.
  • Werfel wechselt zwischen langen und kurzen Versen. Die kurzen Zeilen verlangen kurzen Atem, die langen einen ruhigen Bogen (vgl. Fallhöhe: von der Königin zur Magd).
  • Am Ende ruft sie die Frauen herbei. Für ein Vorsprechen reicht die Richtung des Blicks; der Chor muss nicht kommen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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