Eboli (Sie verlässt ihn schnell, geht einigemal stillschweigend im Kabinett auf und nieder und scheint über etwas Wichtiges nachzudenken.)
- (Endlich nach einer großen Pause ernsthaft und feierlich)
- Endlich sei es denn –
- Ich muss einmal zu reden mich entschließen.
- Zu meinem Richter wähl ich Sie. Sie sind
- Ein edler Mensch – ein Mann, sind Fürst und Ritter.
- An Ihren Busen werf ich mich. Sie werden
- Mich retten, Prinz, und, wo ich ohne Rettung
- Verloren bin, teilnehmend um mich weinen.
- (Der Prinz rückt näher, mit erwartungsvollem, teilnehmendem Erstaunen)
- Ein frecher Günstling des Monarchen buhlt
- Um meine Hand – Ruy Gomez, Graf von Silva –
- Der König will, schon ist man handelseinig,
- Ich bin der Kreatur verkauft.
Stichwort: „… handelseinig, Ich bin der Kreatur verkauft.“
Carlos (Heftig ergriffen.)
- Verkauft?
- Und wiederum verkauft? und wiederum
- Von dem berühmten Handelsmann in Süden?
Stichwort: „… Von dem berühmten Handelsmann in Süden?“
Eboli
- Nein, hören Sie erst alles. Nicht genug,
- Dass man der Politik mich hingeopfert,
- Auch meiner Unschuld stellt man nach – Da, hier!
- Dies Blatt kann diesen Heiligen entlarven.
- (Carlos nimmt das Papier und hängt voll Ungeduld an ihrer Erzählung, ohne sich Zeit zu nehmen, es zu lesen)
- Wo soll ich Rettung finden, Prinz? Bis jetzt
- War es mein Stolz, der meine Tugend schützte;
- Doch endlich –
Stichwort: „… meine Tugend schützte; Doch endlich –“
Carlos
- Endlich fielen Sie? Sie fielen?
- Nein, nein! um Gottes willen, nein!
Stichwort: „… Nein, nein! um Gottes willen, nein!“
Eboli (Stolz und edel.)
- Durch wen?
- Armselige Vernünftelei! Wie schwach
- Von diesen starken Geistern! Weibergunst,
- Der Liebe Glück der Ware gleich zu achten,
- Worauf geboten werden kann! Sie ist
- Das einzige auf diesem Rund der Erde,
- Was keinen Käufer leidet als sich selbst.
- Die Liebe ist der Liebe Preis. Sie ist
- Der unschätzbare Diamant, den ich
- Verschenken oder, ewig ungenossen,
- Verscharren muss – dem großen Kaufmann gleich,
- Der, ungerührt von des Rialto Gold,
- Und Königen zum Schimpfe, seine Perle
- Dem reichen Meere wiedergab, zu stolz,
- Sie unter ihrem Werte loszuschlagen.
Stichwort: „… stolz, Sie unter ihrem Werte loszuschlagen.“
Carlos
- (Beim wunderbaren Gott! – Das Weib ist schön!)
Stichwort: „… Gott! – Das Weib ist schön!)“
Eboli
- Man nenn es Grille – Eitelkeit: gleichviel.
- Ich teile meine Freuden nicht. Dem Mann,
- Dem einzigen, den ich mir auserlesen,
- Geb ich für alles alles hin. Ich schenke
- Nur einmal, aber ewig. Einen nur
- Wird meine Liebe glücklich machen – einen –
- Doch diesen einzigen zum Gott. Der Seelen
- Entzückender Zusammenklang – ein Kuss –
- Der Schäferstunde schwelgerische Freuden –
- Der Schönheit hohe, himmlische Magie
- Sind eines Strahles schwesterliche Farben,
- Sind einer Blume Blätter nur. Ich sollte,
- Ich Rasende! ein abgerissnes Blatt
- Aus dieser Blume schönem Kelch verschenken?
- Ich selbst des Weibes hohe Majestät,
- Der Gottheit großes Meisterstück, verstümmeln,
- Den Abend eines Prassers zu versüßen?
Stichwort: „… Den Abend eines Prassers zu versüßen?“
Carlos
- (Unglaublich! Wie? ein solches Mädchen hatte
- Madrid, und ich – und ich erfahr es heute
- Zum erstenmal?)
Stichwort: „… ich erfahr es heute Zum erstenmal?)“
Eboli
- Längst hätt ich diesen Hof
- Verlassen, diese Welt verlassen, hätte
- In heilgen Mauern mich begraben; doch
- Ein einzig Band ist noch zurück, ein Band,
- Das mich an diese Welt allmächtig bindet.
- Ach, ein Phantom vielleicht! doch mir so wert!
- Ich liebe und bin – nicht geliebt.
Stichwort: „… liebe und bin – nicht geliebt.“
Carlos (Voll Feuer auf sie zugehend.)
- Sie sinds!
- So wahr ein Gott im Himmel wohnt. Ich schwör es.
- Sie sinds, und unaussprechlich.
Stichwort: „… schwör es. Sie sinds, und unaussprechlich.“
Eboli
- Sie? Sie schwörens?
- O, das war meines Engels Stimme! Ja,
- Wenn freilich Sie es schwören, Karl, dann glaub ichs,
- Dann bin ichs.
Stichwort: „… dann glaub ichs, Dann bin ichs.“
Carlos (Der sie voll Zärtlichkeit in die Arme schließt.)
- Süßes, seelenvolles Mädchen!
- Anbetungswürdiges Geschöpf! – Ich stehe
- Ganz Ohr – ganz Auge – ganz Entzücken – ganz
- Bewunderung. – Wer hätte dich gesehn,
- Wer unter diesem Himmel dich gesehn
- Und rühmte sich – er habe nie geliebt? –
- Doch hier an König Philipps Hof? Was hier?
- Was, schöner Engel, willst du hier? bei Pfaffen
- Und Pfaffenzucht? Das ist kein Himmelsstrich
- Für solche Blumen. – Möchten sie sie brechen?
- Sie möchten – o, ich glaub es gern. – Doch nein!
- So wahr ich Leben atme, nein! – Ich schlinge
- Den Arm um dich, auf meinen Armen trag ich
- Durch eine teufelvolle Hölle dich!
- Ja – lass mich deinen Engel sein. –
Stichwort: „… lass mich deinen Engel sein. –“
Eboli (Mit dem vollen Blicke der Liebe.)
- O Carlos!
- Wie wenig hab ich Sie gekannt! Wie reich
- Und grenzenlos belohnt Ihr schönes Herz
- Die schwere Müh, es zu begreifen!
Stichwort: „… Die schwere Müh, es zu begreifen!“
(Sie nimmt seine Hand und will sie küssen.)
Carlos (Der sie zurückzieht.)
- Fürstin,
- Wo sind Sie jetzt?
Stichwort: „Fürstin, Wo sind Sie jetzt?“
Eboli (Mit Feinheit und Grazie, indem sie starr in seine Hand sieht.)
- Wie schön ist diese Hand!
- Wie reich ist sie! – Prinz, diese Hand hat noch
- Zwei kostbare Geschenke zu vergeben –
- Ein Diadem und Carlos’ Herz – und beides
- Vielleicht an eine Sterbliche? – An eine?
- Ein großes, göttliches Geschenk! – Beinahe
- Für eine Sterbliche zu groß! – Wie, Prinz?
- Wenn Sie zu einer Teilung sich entschlössen?
- Die Königinnen lieben schlecht – ein Weib,
- Das lieben kann, versteht sich schlecht auf Kronen:
- Drum besser, Prinz, Sie teilen, und gleich jetzt,
- Gleich jetzt – Wie? Oder hätten Sie wohl schon?
- Sie hätten wirklich? O, dann um so besser!
- Und kenn ich diese Glückliche?
Stichwort: „… besser! Und kenn ich diese Glückliche?“
Carlos
- Du sollst.
- Dir, Mädchen, dir entdeck ich mich – der Unschuld,
- Der lautern, unentheiligten Natur
- Entdeck ich mich. An diesem Hof bist du
- Die Würdigste, die Einzige, die Erste,
- Die meine Seele ganz versteht. – Ja denn!
- Ich leugn es nicht – ich liebe!
Stichwort: „… leugn es nicht – ich liebe!“
Eboli
- Böser Mensch!
- So schwer ist das Geständnis dir geworden?
- Beweinenswürdig musst ich sein, wenn du
- Mich liebenswürdig finden solltest?
Stichwort: „… wenn du Mich liebenswürdig finden solltest?“
Carlos (Stutzt.)
- Was?
- Was ist das?
Stichwort: „Was? Was ist das?“
Eboli
- Solches Spiel mit mir zu treiben!
- O wahrlich, Prinz, es war nicht schön. Sogar
- Den Schlüssel zu verleugnen!
Stichwort: „… schön. Sogar Den Schlüssel zu verleugnen!“
Carlos
- Schlüssel! Schlüssel!
- (Nach einem dumpfen Besinnen)
- Ja so – so wars. – Nun merk ich – – O mein Gott!
Stichwort: „… ich – – O mein Gott!“
(Seine Knie wanken, er hält sich an einen Stuhl und verhüllt das Gesicht.)
Eboli (Eine lange Stille von beiden Seiten.)
- (Die Fürstin schreit laut und fällt)
- Abscheulich! Was hab ich getan?
Stichwort: „Abscheulich! Was hab ich getan?“
Carlos (Sich aufrichtend, im Ausbruch des heftigsten Schmerzes.)
- So tief
- Herabgestürzt von allen meinen Himmeln! –
- O das ist schrecklich!
Stichwort: „… Himmeln! – O das ist schrecklich!“
Eboli (Das Gesicht in das Kissen verbergend.)
- Was entdeck ich? Gott!
Stichwort: „Was entdeck ich? Gott!“
Carlos (Vor ihr niedergeworfen.)
- Ich bin nicht schuldig, Fürstin – Leidenschaft –
- Ein unglückselger Missverstand – Bei Gott!
- Ich bin nicht schuldig.
Stichwort: „… Bei Gott! Ich bin nicht schuldig.“
Eboli (Stößt ihn von sich.)
- Weg aus meinen Augen,
- Um Gottes willen –
Stichwort: „… meinen Augen, Um Gottes willen –“
Carlos
- Nimmermehr! In dieser
- Entsetzlichen Erschüttrung Sie verlassen?
Stichwort: „… In dieser Entsetzlichen Erschüttrung Sie verlassen?“
Eboli (Ihn mit Gewalt wegdrängend.)
- Aus Großmut, aus Barmherzigkeit, hinaus
- Von meinen Augen! – Wollen Sie mich morden?
- Ich hasse Ihren Anblick!
- (Carlos will gehen)
- Meinen Brief
- Und meinen Schlüssel geben Sie mir wieder.
- Wo haben Sie den andern Brief?
Stichwort: „… Wo haben Sie den andern Brief?“
Carlos
- Den andern?
- Was denn für einen andern?
Stichwort: „… andern? Was denn für einen andern?“
Eboli
- Den vom König.
Stichwort: „Den vom König.“
Carlos (Zusammenschreckend.)
- Von wem?
Stichwort: „Von wem?“
Eboli
- Den Sie vorhin von mir bekamen.
Stichwort: „Den Sie vorhin von mir bekamen.“
Carlos
- Vom König? und an wen? an Sie?
Stichwort: „… König? und an wen? an Sie?“
Eboli
- O Himmel!
- Wie schrecklich hab ich mich verstrickt! Den Brief!
- Heraus damit! ich muss ihn wiederhaben.
Stichwort: „… Heraus damit! ich muss ihn wiederhaben.“
Carlos
- Vom König Briefe, und an Sie?
Stichwort: „Vom König Briefe, und an Sie?“
Eboli
- Den Brief!
- Im Namen aller Heiligen!
Stichwort: „Den Brief! Im Namen aller Heiligen!“
Carlos
- Der einen
- Gewissen mir entlarven sollte – diesen?
Stichwort: „… Gewissen mir entlarven sollte – diesen?“
Eboli
- Ich bin des Todes! – Geben Sie!
Stichwort: „… bin des Todes! – Geben Sie!“
Carlos
- Der Brief –
Stichwort: „Der Brief –“
Eboli (In Verzweiflung die Hände ringend.)
- Was hab ich Unbesonnene gewagt?
Stichwort: „Was hab ich Unbesonnene gewagt?“
Carlos
- Der Brief – der kam vom König? – Ja, Prinzessin,
- Das ändert freilich alles schnell. – Das ist
- (Den Brief frohlockend emporhaltend)
- Ein unschätzbarer – schwerer – teurer Brief,
- Den alle Kronen Philipps einzulösen
- Zu leicht, zu nichtsbedeutend sind. – Den Brief
- Behalt ich.
Stichwort: „… sind. – Den Brief Behalt ich.“
(Er geht.)
Eboli (Wirft sich ihm in den Weg.)
- Großer Gott, ich bin verloren!
Stichwort: „Großer Gott, ich bin verloren!“
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
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