(Weihnachtsabend, sechs Uhr. Leichter Schneefall. In den Straßen Wiens. Anatol trägt Gabrieles Päckchen.)
Gabriele
Also … erzählen Sie mir endlich von dem … süßen Mädl!
Stichwort: „… endlich von dem … süßen Mädl!“
Anatol
Sie ist nicht faszinierend schön — sie ist nicht besonders elegant — und sie ist durchaus nicht geistreich …
Stichwort: „… sie ist durchaus nicht geistreich …“
Gabriele
Ich will ja nicht wissen, was sie nicht ist —
Stichwort: „… wissen, was sie nicht ist —“
Anatol
Aber sie hat die weiche Anmut eines Frühlingsabends … und die Grazie einer verzauberten Prinzessin … und den Geist eines Mädchens, das zu lieben weiß!
Stichwort: „… eines Mädchens, das zu lieben weiß!“
Gabriele
Diese Art von Geist soll ja so sehr verbreitet sein … in Ihrer kleinen Welt! …
Stichwort: „… … in Ihrer kleinen Welt! …“
Anatol
Sie können sich da nicht hinein denken! … Man hat Ihnen zu viel verschwiegen, als Sie junges Mädchen waren — und hat Ihnen zu viel gesagt, seit Sie junge Frau sind! … darunter leidet die Naivität Ihrer Betrachtungen —
Stichwort: „… leidet die Naivität Ihrer Betrachtungen —“
Gabriele
Aber Sie hören doch — ich will mich belehren lassen … Ich glaube Ihnen ja auch schon die „verzauberte Prinzessin“! — Erzählen Sie mir nur, wie der Zaubergarten ausschaut, in dem sie ruht —
Stichwort: „… ausschaut, in dem sie ruht —“
Anatol
Da dürfen Sie sich freilich nicht einen glänzenden Salon vorstellen, wo die schweren Portièren niederfallen — mit Makartbouquets in den Ecken, Bibelots, Leuchttürmen, mattem Samt … und dem affektierten Halbdunkel eines sterbenden Nachmittags …
Stichwort: „… affektierten Halbdunkel eines sterbenden Nachmittags …“
Gabriele
Ich will ja nicht wissen, was ich mir nicht vorstellen soll …
Stichwort: „… ich mir nicht vorstellen soll …“
Anatol
Also — denken Sie sich — ein kleines, dämmeriges Zimmer — so klein — mit gemalten Wänden — und noch dazu etwas zu licht — ein paar alte, schlechte Kupferstiche mit verblassten Aufschriften hängen da und dort. — Eine Hängelampe mit einem Schirm. — Vom Fenster aus, wenn es Abend wird, die Aussicht auf die im Dunkel versinkenden Dächer und Rauchfänge! … Und — wenn der Frühling kommt, da wird der Garten gegenüber blüh’n und duften …
Stichwort: „… Garten gegenüber blüh’n und duften …“
Gabriele
Wie glücklich müssen Sie sein, dass Sie schon zu Weihnachten an den Mai denken!
Stichwort: „… zu Weihnachten an den Mai denken!“
Anatol
Ja — dort bin ich auch zuweilen glücklich! …
Stichwort: „… bin ich auch zuweilen glücklich! …“
Gabriele
Genug, genug! — Es wird spät … wir wollten ihr was kaufen! … Vielleicht etwas für das Zimmer mit den gemalten Wänden …
Stichwort: „… Zimmer mit den gemalten Wänden …“
Anatol
Es fehlt nichts darin!
Stichwort: „Es fehlt nichts darin!“
Gabriele
Ja … ihr! — das glaub’ ich wohl! — Aber ich möchte Ihnen — ja Ihnen! das Zimmer so recht nach Ihrer Weise schmücken!
Stichwort: „… so recht nach Ihrer Weise schmücken!“
Anatol
Mir? —
Stichwort: „Mir? —“
Gabriele
Mit persischen Teppichen …
Stichwort: „Mit persischen Teppichen …“
Anatol
Aber ich bitte Sie — da hinaus!
Stichwort: „… ich bitte Sie — da hinaus!“
Gabriele
Mit einer Ampel von gebrochenem, rotgrünem Glas …?
Stichwort: „… Ampel von gebrochenem, rotgrünem Glas …?“
Anatol
Hm!
Stichwort: „Hm!“
Gabriele
Ein paar Vasen mit frischen Blumen? —
Stichwort: „… paar Vasen mit frischen Blumen? —“
Anatol
Ja … aber ich will ja ihr was bringen —
Stichwort: „… will ja ihr was bringen —“
Gabriele
Ach ja … es ist wahr — wir müssen uns entscheiden — sie wartet wohl schon auf Sie?
Stichwort: „… sie wartet wohl schon auf Sie?“
Anatol
Gewiss!
Stichwort: „Gewiss!“
Gabriele
Sie wartet?! — Sagen Sie … wie empfängt sie Sie denn? —
Stichwort: „… wie empfängt sie Sie denn? —“
Anatol
Ach — wie man eben empfängt. —
Stichwort: „… — wie man eben empfängt. —“
Gabriele
Sie hört Ihre Schritte schon auf der Treppe … nicht wahr?
Stichwort: „… auf der Treppe … nicht wahr?“
Anatol
Ja … zuweilen …
Stichwort: „Ja … zuweilen …“
Gabriele
Und steht bei der Türe? …
Stichwort: „Und steht bei der Türe? …“
Anatol
Ja!
Stichwort: „Ja!“
Gabriele
Und fällt Ihnen um den Hals — und küsst Sie — und sagt … Was sagt sie denn …?
Stichwort: „… … Was sagt sie denn …?“
Anatol
Was man eben in solchen Fällen sagt …
Stichwort: „… eben in solchen Fällen sagt …“
Gabriele
Nun … zum Beispiel!
Stichwort: „Nun … zum Beispiel!“
Anatol
Ich weiß kein Beispiel!
Stichwort: „Ich weiß kein Beispiel!“
Gabriele
Was sagte sie gestern?
Stichwort: „Was sagte sie gestern?“
Anatol
Ach — nichts Besonderes … das klingt so einfältig, wenn man nicht den Ton der Stimme dazu hört …!
Stichwort: „… Ton der Stimme dazu hört …!“
Gabriele
Ich will mir ihn schon dazu denken: Nun — was sagte sie?
Stichwort: „… denken: Nun — was sagte sie?“
Anatol
… „Ich bin so froh, dass ich Dich wieder hab’!“
Stichwort: „… froh, dass ich Dich wieder hab’!““
Gabriele
„Ich bin so froh“ — wie?! —
Stichwort: „… bin so froh“ — wie?! —“
Anatol
— „dass ich Dich wieder hab’“! …
Stichwort: „… „dass ich Dich wieder hab’“! …“
Gabriele
… das ist eigentlich hübsch — sehr hübsch! —
Stichwort: „… eigentlich hübsch — sehr hübsch! —“
Anatol
Ja … es ist herzlich und wahr!
Stichwort: „… … es ist herzlich und wahr!“
Gabriele
Und sie ist … immer allein? — Ihr könnt Euch so ungestört sehen!? —
Stichwort: „… könnt Euch so ungestört sehen!? —“
Anatol
Nun ja — sie lebt so für sich — sie steht ganz allein — keinen Vater, keine Mutter … nicht einmal eine Tante!
Stichwort: „… Mutter … nicht einmal eine Tante!“
Gabriele
Und Sie … sind ihr Alles …?
Stichwort: „… Sie … sind ihr Alles …?“
Anatol
… Möglich! … Heute …
Stichwort: „… Möglich! … Heute …“
(Schweigen.)
Gabriele
… Es wird so spät — sehen Sie, wie leer es schon in den Straßen ist …
Stichwort: „… schon in den Straßen ist …“
Anatol
Oh — ich hielt Sie auf! — Sie müssen ja nach Hause. —
Stichwort: „… Sie müssen ja nach Hause. —“
Gabriele
Freilich — freilich! Man wird mich schon erwarten! — Wie machen wir das nur mit dem Geschenk …?
Stichwort: „… das nur mit dem Geschenk …?“
Anatol
Oh — ich finde schon noch irgend eine Kleinigkeit …!
Stichwort: „… schon noch irgend eine Kleinigkeit …!“
Gabriele
Wer weiß, wer weiß! — Und ich habe mir schon einmal in den Kopf gesetzt, dass ich Ihrer … dass ich dem … Mädel — was aussuchen will …!
Stichwort: „… Mädel — was aussuchen will …!“
Anatol
Aber, ich bitte Sie, gnädige Frau!
Stichwort: „Aber, ich bitte Sie, gnädige Frau!“
Gabriele
. . Ich möchte am Liebsten dabei sein, wenn Sie ihr das Weihnachtsgeschenk bringen! … Ich habe eine solche Lust bekommen, das kleine Zimmer und das süße Mädl zu sehen! — Die weiß ja gar nicht, wie gut sie’s hat!
Stichwort: „… gar nicht, wie gut sie’s hat!“
Anatol
…!
Stichwort: „…!“
Gabriele
Nun aber, geben Sie mir die Päckchen! — Es wird so spät …
Stichwort: „… — Es wird so spät …“
Anatol
Ja, ja! Hier sind sie — aber …
Stichwort: „… Hier sind sie — aber …“
Gabriele
Bitte — winken Sie dem Wagen dort, der uns entgegen kommt …
Stichwort: „… dort, der uns entgegen kommt …“
Anatol
Diese Eile mit einem Mal?!
Stichwort: „Diese Eile mit einem Mal?!“
Gabriele
Bitte, bitte!
Stichwort: „Bitte, bitte!“
(Er winkt.)
Gabriele
Ich danke Ihnen …! Aber was machen wir nun mit dem Geschenk …?
Stichwort: „… wir nun mit dem Geschenk …?“
(Der Wagen hat gehalten; er und sie sind stehen geblieben, er will die Wagentüre öffnen ….)
Gabriele
Warten Sie! — … Ich möchte ihr selbst was schicken!
Stichwort: „… Ich möchte ihr selbst was schicken!“
Anatol
Sie …?! Gnädige Frau, Sie selbst …
Stichwort: „… …?! Gnädige Frau, Sie selbst …“
Gabriele
Was nur?! — Hier … nehmen Sie … diese Blumen … ganz einfach, diese Blumen …! Es soll nichts Anderes sein, als ein Gruß, gar nichts weiter … Aber … Sie müssen ihr was dazu ausrichten. —
Stichwort: „… müssen ihr was dazu ausrichten. —“
Anatol
Gnädige Frau — Sie sind so lieb —
Stichwort: „… — Sie sind so lieb —“
Gabriele
Versprechen Sie mir, ihr’s zu bestellen … und mit den Worten, die ich Ihnen mitgeben will —
Stichwort: „… die ich Ihnen mitgeben will —“
Anatol
Gewiss!
Stichwort: „Gewiss!“
Gabriele
Versprechen Sie’s mir? —
Stichwort: „Versprechen Sie’s mir? —“
Anatol
Ja … mit Vergnügen! — Warum denn nicht!
Stichwort: „… mit Vergnügen! — Warum denn nicht!“
Gabriele (Hat die Wagentüre geöffnet.)
So sagen Sie ihr …
Stichwort: „So sagen Sie ihr …“
Anatol
Nun …?
Stichwort: „Nun …?“
Gabriele
Sagen Sie ihr: „Diese Blumen, mein … süßes Mädl, schickt Dir eine Frau, die vielleicht ebenso lieben kann wie Du und die den Mut dazu nicht hatte …“
Stichwort: „… den Mut dazu nicht hatte …““
Anatol
Gnädige … Frau!? — —
Stichwort: „Gnädige … Frau!? — —“
(Sie ist in den Wagen gestiegen — — — Der Wagen rollt fort, die Straßen sind fast menschenleer geworden.)
(Er schaut dem Wagen lange nach, bis er um eine Ecke gebogen ist … Er bleibt noch eine Weile stehn: dann sieht er auf die Uhr und eilt rasch fort.)
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