(Zimmer der Kurfürstin. Der Prinz von Homburg tritt auf; die Prinzessin Natalie steht abseits.)
Prinz
- O meine Mutter!
Stichwort: „O meine Mutter!“
(Er lässt sich auf Knien vor ihr nieder.)
Kurfürstin
- Prinz! Was wollt Ihr hier?
Stichwort: „Prinz! Was wollt Ihr hier?“
Prinz
- O lass mich deine Knie umfassen, Mutter!
Stichwort: „… lass mich deine Knie umfassen, Mutter!“
Kurfürstin (Mit unterdrückter Rührung.)
- Gefangen seid Ihr, Prinz, und kommt hieher!
- Was häuft Ihr neue Schuld zu Euren alten?
Stichwort: „… Ihr neue Schuld zu Euren alten?“
Prinz (Dringend.)
- Weißt du, was mir geschehn?
Stichwort: „Weißt du, was mir geschehn?“
Kurfürstin
- Ich weiß um alles!
- Was aber kann ich, Ärmste, für Euch tun?
Stichwort: „… kann ich, Ärmste, für Euch tun?“
Prinz
- O meine Mutter, also sprächst du nicht,
- Wenn dich der Tod umschauerte, wie mich!
- Du scheinst mit Himmelskräften, rettenden,
- Du mir, das Fräulein, deine Fraun, begabt,
- Mir alles ringsumher, dem Trossknecht könnt ich,
- Dem schlechtesten, der deiner Pferde pflegt,
- Gehängt am Halse flehen: rette mich!
- Nur ich allein, auf Gottes weiter Erde,
- Bin hülflos, ein Verlassner, und kann nichts!
Stichwort: „… hülflos, ein Verlassner, und kann nichts!“
Kurfürstin
- Du bist ganz außer dir! Was ist geschehn?
Stichwort: „… ganz außer dir! Was ist geschehn?“
Prinz
- Ach! Auf dem Wege, der mich zu dir führte,
- Sah ich das Grab, beim Schein der Fackeln, öffnen,
- Das morgen mein Gebein empfangen soll.
- Sieh, diese Augen, Tante, die dich anschaun,
- Will man mit Nacht umschatten, diesen Busen
- Mit mörderischen Kugeln mir durchbohren.
- Bestellt sind auf dem Markte schon die Fenster,
- Die auf das öde Schauspiel niedergehn,
- Und der die Zukunft, auf des Lebens Gipfel,
- Heut, wie ein Feenreich, noch überschaut,
- Liegt in zwei engen Brettern duftend morgen,
- Und ein Gestein sagt dir von ihm: er war!
Stichwort: „… sagt dir von ihm: er war!“
Kurfürstin
- Mein Sohn! Wenn’s so des Himmels Wille ist,
- Wirst du mit Mut dich und mit Fassung rüsten!
Stichwort: „… Mut dich und mit Fassung rüsten!“
Prinz
- O Gottes Welt, o Mutter, ist so schön!
- Lass mich nicht, fleh ich, eh die Stunde schlägt,
- Zu jenen schwarzen Schatten niedersteigen!
- Mag er doch sonst, wenn ich gefehlt, mich strafen,
- Warum die Kugel eben muss es sein?
- Mag er mich meiner Ämter doch entsetzen,
- Mit Kassation, wenn’s das Gesetz so will,
- Mich aus dem Heer entfernen: Gott des Himmels!
- Seit ich mein Grab sah, will ich nichts, als leben,
- Und frage nichts mehr, ob es rühmlich sei!
Stichwort: „… nichts mehr, ob es rühmlich sei!“
Kurfürstin
- Steh auf, mein Sohn; steh auf! Was sprichst du da?
- Du bist zu sehr erschüttert. Fasse dich!
Stichwort: „… bist zu sehr erschüttert. Fasse dich!“
Prinz
- Nicht, Tante, eh’r als bis du mir gelobt,
- Mit einem Fußfall, der mein Dasein rette,
- Flehnd seinem höchsten Angesicht zu nahn!
- Dir übergab zu Homburg, als sie starb,
- Die Hedwig mich, und sprach, die Jugendfreundin:
- Sei ihm die Mutter, wenn ich nicht mehr bin.
- Du beugtest tief gerührt, am Bette kniend,
- Auf ihre Hand dich und erwidertest:
- Er soll mir sein, als hätt ich ihn erzeugt.
- Nun, jetzt erinnr ich dich an solch ein Wort!
- Geh hin, als hättst du mich erzeugt, und sprich:
- Um Gnade fleh ich, Gnade! Lass ihn frei!
- Ach, und komm mir zurück und sprich: du bist’s!
Stichwort: „… mir zurück und sprich: du bist’s!“
Kurfürstin (Weint.)
- Mein teurer Sohn! Es ist bereits geschehn!
- Doch alles, was ich flehte, war umsonst!
Stichwort: „… alles, was ich flehte, war umsonst!“
Prinz
- Ich gebe jeden Anspruch auf an Glück.
- Nataliens, das vergiss nicht, ihm zu melden,
- Begehr ich gar nicht mehr, in meinem Busen
- Ist alle Zärtlichkeit für sie verlöscht.
- Frei ist sie, wie das Reh auf Heiden, wieder;
- Mit Hand und Mund, als wär ich nie gewesen,
- Verschenken kann sie sich, und wenn’s Karl Gustav,
- Der Schweden König ist, so lob ich sie.
- Ich will auf meine Güter gehn am Rhein,
- Da will ich bauen, will ich niederreißen,
- Dass mir der Schweiß herabtrieft, säen, ernten,
- Als wär’s für Weib und Kind, allein genießen,
- Und, wenn ich erntete, von neuem säen,
- Und in den Kreis herum das Leben jagen,
- Bis es am Abend niedersinkt und stirbt.
Stichwort: „… es am Abend niedersinkt und stirbt.“
Kurfürstin
- Wohlan! Kehr jetzt nur heim in dein Gefängnis,
- Das ist die erste Fordrung meiner Gunst!
Stichwort: „… ist die erste Fordrung meiner Gunst!“
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