(Herberge im Wald. Götz vor der Tür unter der Linde. Bruder Martin kommt.)
Götz
Ehrwürdiger Vater, guten Abend! woher so spät? Mann der heiligen Ruhe, ihr beschämt viel Ritter.
Stichwort: „… heiligen Ruhe, ihr beschämt viel Ritter.“
Martin
Dank euch edler Herr! Und bin vor der Hand nur demütiger Bruder, wenns ja Titul sein soll. Augustin mit meinem Klosternamen, doch hör ich am liebsten Martin meinen Taufnamen.
Stichwort: „… ich am liebsten Martin meinen Taufnamen.“
Götz
Ihr seid müd Bruder Martin, und ohne Zweifel durstig!
Stichwort: „… Bruder Martin, und ohne Zweifel durstig!“
(Der Bub kommt.)
Götz
Da kommt der Wein eben recht.
Stichwort: „Da kommt der Wein eben recht.“
Martin
Für mich einen Trunk Wasser. Ich darf keinen Wein trinken.
Stichwort: „… Wasser. Ich darf keinen Wein trinken.“
Götz
Ist das euer Gelübde?
Stichwort: „Ist das euer Gelübde?“
Martin
Nein gnädiger Herr, es ist nicht wider mein Gelübde Wein zu trinken; weil aber der Wein wider mein Gelübde ist; so trinke ich keinen Wein.
Stichwort: „… ist; so trinke ich keinen Wein.“
Götz
Wie versteht ihr das?
Stichwort: „Wie versteht ihr das?“
Martin
Wohl euch, dass ihr’s nicht versteht. Essen und trinken mein ich, ist des Menschen Leben.
Stichwort: „… mein ich, ist des Menschen Leben.“
Götz
Wohl!
Stichwort: „Wohl!“
Martin
Wenn ihr gessen und trunken habt, seid ihr wie neu geboren. Seid stärker, mutiger, geschickter zu eurem Geschäft. Der Wein erfreut des Menschen Herz, und die Freudigkeit ist die Mutter aller Tugenden. Wenn ihr Wein getrunken habt, seid ihr alles doppelt, was ihr sein sollt, noch einmal so leicht denkend, noch einmal so unternehmend, noch einmal so schnell ausführend.
Stichwort: „… unternehmend, noch einmal so schnell ausführend.“
Götz
Wie ich ihn trinke, ist es wahr.
Stichwort: „… ich ihn trinke, ist es wahr.“
Martin
Davon red ich auch. Aber wir —
Stichwort: „… red ich auch. Aber wir —“
[…]
Martin
Aber wir, wenn gessen und trunken haben, sind wir grad das Gegenteil von dem, was wir sein sollen. Unsere schläfrige Verdauung stimmt den Kopf nach dem Magen, und in der Schwäche einer überfüllten Ruhe erzeugen sich Begierden, die ihrer Mutter leicht über den Kopf wachsen.
Stichwort: „… Mutter leicht über den Kopf wachsen.“
Götz
Ein Glas, Bruder Martin, wird euch nicht im Schlaf stören. Ihr seid heute viel gegangen. (Bringts ihm) Alle Streiter!
Stichwort: „… seid heute viel gegangen. Alle Streiter!“
Martin
In Gottes Namen, (Sie stoßen an) ich kann die müßige Leut nicht ausstehen, und doch kann ich nicht sagen, dass alle Mönche müßig sind, sie tun was sie können. Da komm ich von St. Veit, wo ich die letzte Nacht schlief. Der Prior führte mich in Garten, das ist nun ihr Bienenkorb. Fürtrefflicher Salat! Kohl nach Herzens Lust! Und besonders Blumenkohl und Artischocken, wie keine in Europa!
Stichwort: „… und Artischocken, wie keine in Europa!“
Götz
Das ist also eure Sache nicht.
Stichwort: „Das ist also eure Sache nicht.“
(Er steht auf sieht nach dem Jungen und kommt wieder.)
Martin
Wollte, Gott hätte mich zum Gärtner oder Laboranten gemacht, ich könnte glücklich sein. Mein Abt liebt mich, mein Kloster ist Erfurt in Sachsen, er weiß ich kann nicht ruhn, da schickt er mich herum, wo was zu betreiben ist. Ich geh zum Bischof von Konstanz.
Stichwort: „… Ich geh zum Bischof von Konstanz.“
Götz
Noch eins! Gute Verrichtung!
Stichwort: „Noch eins! Gute Verrichtung!“
Martin
Gleichfalls!
Stichwort: „Gleichfalls!“
Götz
Was seht ihr mich so an, Bruder?
Stichwort: „… seht ihr mich so an, Bruder?“
Martin
Dass ich in euren Harnisch verliebt bin.
Stichwort: „… ich in euren Harnisch verliebt bin.“
Götz
Hättet ihr Lust zu einem? Es ist schwer und beschwerlich ihn zu tragen.
Stichwort: „… schwer und beschwerlich ihn zu tragen.“
Martin
Was ist nicht beschwerlich auf dieser Welt, und mir kommt nichts beschwerlicher vor, als nicht Mensch sein dürfen. Armut, Keuschheit und Gehorsam. Drei Gelübde, deren jedes, einzeln betrachtet, der Natur das unausstehlichste scheint, so unerträglich sind sie alle. Und sein ganzes Leben unter dieser Last, oder der weit drückendern Bürde des Gewissens mutlos zu keichen! O Herr! was sind die Mühseligkeiten eures Lebens, gegen die Jämmerlichkeiten eines Stands, der die besten Triebe, durch die wir werden, wachsen und gedeihen, aus missverstandner Begierde Gott näher zu rücken, verdammt.
Stichwort: „… Begierde Gott näher zu rücken, verdammt.“
Götz
Wäre euer Gelübde nicht so heilig, ich wollte euch bereden einen Harnisch anzulegen, wollt euch ein Pferd geben, und wir zögen mit einander.
Stichwort: „… geben, und wir zögen mit einander.“
Martin
Wollte Gott, meine Schultern fühlten sich Kraft, den Harnisch zu ertragen, und mein Arm die Stärke, einen Feind vom Pferd zu stechen! — Arme schwache Hand, von je her gewöhnt Kreuze und Friedensfahnen zu führen, und Rauchfässer zu schwingen, wie wolltest du Lanze und Schwert regieren? Meine Stimme, nur zu Ave und Halleluja gestimmt, würde dem Feind ein Herold meiner Schwäche sein, wenn ihn die eurige überwältigte. Kein Gelübde sollte mich abhalten, wieder in den Orden zu treten, den mein Schöpfer selbst gestiftet hat.
Stichwort: „… den mein Schöpfer selbst gestiftet hat.“
Götz
Glückliche Retour!
Stichwort: „Glückliche Retour!“
Martin
Das trinke ich nur für euch. Wiederkehr in meinen Käfig, ist allemal unglücklich. Wenn ihr wiederkehrt Herr, in eure Mauren, mit dem Bewusstsein eurer Tapferkeit und Stärke, der keine Müdigkeit etwas anhaben kann, euch zum ersten Mal nach langer Zeit, sicher für feindlichem Überfall, entwaffnet auf euer Bette streckt, und euch nach dem Schlaf dehnt, der euch besser schmeckt, als mir der Trunk, nach langem Durst; da könnt ihr von Glück sagen!
Stichwort: „… da könnt ihr von Glück sagen!“
Götz
Davor kommts auch selten.
Stichwort: „Davor kommts auch selten.“
Martin (Feuriger.)
Und ist wenns kommt, ein Vorschmack des Himmels. — Wenn ihr zurück kehrt mit der Beute eurer Feinde beladen, und euch erinnert: den stach ich vom Pferd, eh er schießen konnte, und den rannt ich samt dem Pferd nieder, und dann reitet ihr zu eurem Schloss hinauf, und —
Stichwort: „… zu eurem Schloss hinauf, und —“
Götz
Was meinet ihr?
Stichwort: „Was meinet ihr?“
Martin
Und eure Weiber! (Er schenkt ein) Auf Gesundheit eurer Frau! (Er wischt sich die Augen) Ihr habt doch eine?
Stichwort: „… eurer Frau! Ihr habt doch eine?“
Götz
Ein edles fürtreffliches Weib!
Stichwort: „Ein edles fürtreffliches Weib!“
Martin
Wohl dem, der ein tugendsam Weib hat! des lebet er noch eins so lang. Ich kenne keine Weiber, und doch war die Frau die Krone der Schöpfung.
Stichwort: „… die Frau die Krone der Schöpfung.“
Götz (Vor sich.)
Er dauert mich! Das Gefühl seines Standes frisst ihm das Herz.
Stichwort: „… seines Standes frisst ihm das Herz.“
[…]
Götz
Lebt wohl teurer Bruder, Gott geleit euch. Seid mutig und geduldig. Gott wird euch Raum geben.
Stichwort: „… geduldig. Gott wird euch Raum geben.“
Martin
Ich bitt um euren Namen.
Stichwort: „Ich bitt um euren Namen.“
Götz
Verzeiht mir. Lebt wohl.
Stichwort: „Verzeiht mir. Lebt wohl.“
(Er reicht ihm die linke Hand.)
Martin
Warum reicht ihr mir die Linke? Bin ich die ritterliche Rechte nicht wert.
Stichwort: „… ich die ritterliche Rechte nicht wert.“
Götz
Und wenn ihr der Kaiser wärt, ihr müsstet mit dieser vorlieb nehmen. Meine Rechte, obgleich im Kriege nicht unbrauchbar, ist gegen den Druck der Liebe unempfindlich. Sie ist eins mit ihrem Handschuh, ihr seht, er ist Eisen.
Stichwort: „… Handschuh, ihr seht, er ist Eisen.“
Martin
So seid ihr Götz von Berlichingen! Ich danke dir Gott, dass du mich ihn hast sehen lassen, diesen Mann den die Fürsten hassen, und zu dem die Bedrängten sich wenden. (Er nimmt ihm die rechte Hand) Lasst mir diese Hand, lasst mich sie küssen.
Stichwort: „… diese Hand, lasst mich sie küssen.“
Götz
Ihr sollt nicht.
Stichwort: „Ihr sollt nicht.“
Martin
Lasst mich. Du mehr wert als Reliquienhand, durch die das heiligste Blut geflossen ist, totes Werkzeug, belebt durch des edelsten Geistes Vertrauen auf Gott!
Stichwort: „… des edelsten Geistes Vertrauen auf Gott!“
(Götz setzt den Helm auf und nimmt die Lanze.)
Martin
Es war ein Mönch bei uns vor Jahr und Tag, der euch besuchte, wie sie euch abgeschossen ward vor Landshut, wie er uns erzählte, was ihr littet, und wie sehr es euch schmerzte, zu eurem Beruf verstümmelt zu sein, und wie euch einfiel, von einem gehört zu haben, der auch nur eine Hand hatte, und als tapferer Reutersmann doch noch lange diente. Ich werde das nie vergessen.
Stichwort: „… diente. Ich werde das nie vergessen.“
(Die zwei Knechte kommen.)
[…]
Martin (Fährt inzwischen fort.)
Ich werde das nie vergessen, wie er im edelsten einfältigsten Vertrauen auf Gott sprach: und wenn ich zwölf Händ hätte, und deine Gnad wollt mir nicht, was würden sie mir fruchten, so kann ich mit Einer —
Stichwort: „… so kann ich mit Einer —“
[…]
Götz
Lebt wohl werter Bruder Martin.
Stichwort: „Lebt wohl werter Bruder Martin.“
(Er küsst ihn.)
Martin
Vergesst mein nicht, wie ich eurer nicht vergesse.
Stichwort: „… nicht, wie ich eurer nicht vergesse.“
(Götz ab.)
Martin
Wie mir’s so eng ums Herz ward, da ich ihn sah. Er redete nichts, und mein Geist konnte doch Seinigen unterscheiden. Es ist eine Wollust, einen großen Mann zu sehn.
Stichwort: „… Wollust, einen großen Mann zu sehn.“
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
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