Konstantin: Nachtzug

Monolog · Gegenwart · Prosa

Konstantin: Sie heißt Ida.

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Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 336 Wörter
Umfang
336 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 28–45redaktionelle Einschätzung
Tonlage
nachdenklichleise & nachdenklich
Sprache
Prosa
PDF-Optionen

(Ein Schlafwagenabteil im Nachtzug nach Hamburg, gegen zwei Uhr. Das obere Bett ist leer. Konstantin, Mitte dreißig, sitzt angezogen auf dem unteren, ein Telefon in der Hand. Draußen ziehen manchmal Lichter vorbei. Er spricht leise, als könnte er jemanden wecken.)

Vera. Ich schreibe dir das nicht, ich sage es nur, hier, in einem Abteil, das so schmal ist, dass man die Arme nicht ausbreiten kann, ohne an beide Wände zu stoßen. Man hat mir eine Flasche Wasser hingestellt und ein Stück Schokolade, als wäre ich ein Kind, das man über Nacht verschickt.

Sechs Jahre hast du mir nicht geschrieben, und ich dir nicht, und wir waren beide sehr gründlich darin. Ich glaube, wir hielten unser Schweigen für eine Haltung, du deines für Stolz und ich meines für Würde, und am Ende war es bei beiden nur die Angst, als Erster nachzugeben. Gestern Abend hast du mir drei Worte geschickt. „Sie heißt Ida.“ Kein Gruß, kein Foto, kein Ort. Nur das. Ich habe es elfmal gelesen, an der Bushaltestelle, und dann bin ich nicht in den Bus gestiegen, sondern zum Bahnhof gefahren.

Ida. So hieß Großmutter, die uns im Sommer mit dem Gartenschlauch gejagt hat, bis wir vor Lachen keine Luft mehr bekamen. Du warst sieben, ich zehn. Du bist immer in die Johannisbeersträucher gerannt, weil du glaubtest, dort finde dich niemand, und ich habe so getan, als fände ich dich wirklich nicht, jedes Mal, bis du von selbst herauskamst, zerkratzt und triumphierend. Ich habe nie gewusst, ob du es gemerkt hast.

Was damals an Vaters Bett zwischen uns zerbrochen ist, weiß ich noch genau, jedes Wort. Du hast gesagt, ich sei nie da gewesen. Ich habe gesagt, du seist immer nur da gewesen, um es mir vorzuhalten. Beides war wahr, und beides war unverzeihlich, und wir haben es dann auch nicht verziehen. Vater ist gestorben, während wir in verschiedenen Städten recht hatten.

(Der Zug fährt über eine Weiche. Das Abteil schwankt. Er hält sich am Rand des Bettes fest.)

Ich weiß nicht, ob ich klingeln werde. Vielleicht stehe ich um acht vor deinem Haus, mit einer Tüte vom Bahnhofsbäcker, und gehe wieder. Vielleicht siehst du mich vom Fenster aus, so wie ich dich damals in den Sträuchern gesehen habe, und tust, als sähest du mich nicht, und wartest, bis ich von selbst komme.

(Er legt das Telefon weg und sieht zum Fenster.) Ich komme von selbst, Vera. Zerkratzt. Und nicht besonders triumphierend.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Die Sprache ist gehobene Prosa mit langen Sätzen. Halte die Bögen, aber sprich leise: In den Nachbarabteilen schlafen andere.
  • Die Erinnerung an das Versteckspiel ist das Herz des Textes. Sie kehrt am Ende als Bild zurück.
  • Der Satz über den Vater („während wir in verschiedenen Städten recht hatten“) ist Bilanz und Selbstanklage zugleich. Nicht ausstellen.
  • Für die Kamera gut geeignet: wenig Bewegung, viel Subtext.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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