Ralf: Hagel

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Ralf: Ich hab Angst, dass ich aufhöre, mit euch zu reden.

Freier Text von SceneTalent

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Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 270 Wörter
Umfang
270 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 40–46redaktionelle Einschätzung
Tonlage
erschüttertleise & nachdenklich
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
Seite

(Ein Weinberg nach einem Unwetter. Zerfetzte Blätter am Boden, aufgeplatzte Trauben im Gras. Ralf, vierundvierzig, in Gummistiefeln, geht langsam durch eine Rebzeile. Er bleibt bei einem alten, knorrigen Rebstock stehen.)

Na, du. (Er legt die Hand auf den Stamm.) Hat dich ganz schön erwischt, hm?

Zwölf Minuten. So lange hat es gedauert. Ich hab im Hof gestanden und zugehört, wie es auf das Blechdach knallt, und ich wusste genau, was hier oben passiert. Zwölf Minuten. Und ein ganzes Jahr ist weg.

Du bist der Älteste hier. Mein Opa hat dich gepflanzt, neunzehnhundertvierundsechzig. Du hast schon zwei Hagel gesehen, einen Spätfrost und meinen Vater, wie er hier nach dem Weinfest in der Zeile eingeschlafen ist. (Er lacht kurz.) Und jetzt mich.

Ich hab mit jedem von euch geredet. Jedes Jahr. Beim Rebschnitt im Februar, wenn die Finger kalt sind, bei der Laubarbeit im Juni, bei der Lese. Meine Frau sagt, das ist komisch. Ich sag, ihr hört besser zu als die Leute im Gemeinderat.

(Er hebt eine aufgeplatzte Traube auf.) Die wären in zwei Wochen dran gewesen. Riesling. Achtundachtzig Grad Oechsle hab ich am Freitag gemessen. Das wär ein Jahrgang geworden. Einer, von dem man noch redet.

Die Versicherung zahlt was. Nicht alles. Und ich weiß jetzt schon, was die Bank sagt. Und was mein Nachbar sagt, der hat letztes Jahr verkauft. An einen aus Frankfurt, der jetzt Ferienwohnungen draus macht. Er sagt: Ralf, gib auf, solange du noch was kriegst.

(Er setzt sich zwischen die Reben auf die Erde.) Weißt du, was komisch ist? Ich hab keine Angst ums Geld. Ich hab Angst, dass ich aufhöre, mit euch zu reden. Dass ich hier durchgeh und nur noch Schaden seh. Einen Posten auf einer Liste.

(Pause. Er betrachtet den alten Stock.) Du hast ja noch Knospen fürs nächste Jahr. Die sind schon angelegt, das weiß ich. Die sitzen tief im Holz und warten.

Gut. Dann warten wir. (Er steht auf und klopft sich die Erde von der Hose.) Ich schneid dich im Februar. Wie immer. Und du erzählst mir, was du davon hältst.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Ralf spricht mit Pflanzen, und zwar ganz selbstverständlich. Spiel das nicht als Marotte, sondern als echtes Gespräch. Der Rebstock ist dein Gegenüber im Partnerspiel.
  • Die äußeren Umstände sind wichtig: der steile Hang, der nasse Boden, die kaputten Trauben. Lass sie in deinen Gang und in deine Hände.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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