Paulina: Das Schaf

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Paulina: Ein Schaf hat auch Gefühle, Frau Brandt.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 266 Wörter
Umfang
266 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 9–12redaktionelle Einschätzung
Tonlage
empörtkomisch
Sprache
Alltagssprache

Drucken und PDF

Stell zusammen, was auf dem Blatt stehen soll. Die Auswahl gilt für den Druck und für das PDF.

Inhalt
Seite

(Eine Sakristei. Ein Tisch, ein Schrank mit Talaren, ein Stapel Liederbücher. Paulina, zehn, sitzt auf einem viel zu großen Stuhl, die Arme verschränkt, ein gefalteter Zettel in der Hand. Pfarrerin Brandt hängt gerade ihren Talar auf.)

Frau Brandt, ich muss mit Ihnen reden. Unter vier Augen. (Pause.) Ja, wir sind allein. Ich wollte es nur offiziell sagen.

Es geht um die Liste. (Sie zeigt zur Tür.) Da steht wieder „Schaf“. Paulina: Schaf. Das ist jetzt das dritte Jahr. Ich war mit acht ein Schaf, und letztes Jahr war ich ein Schaf mit Husten, weil ich krank war. Das zählt trotzdem.

(Sie faltet den Zettel auf und liest vor.) Punkt eins: Ich kann den ganzen Text auswendig. Von allen. Auch von Maria. Punkt zwei: Ich stehe nie im Weg. Punkt drei: Ich habe zwei Jahre lang „Mäh“ gesagt, und zwar sehr gut. Herr Nolte hat gesagt, mein Mäh ist das beste Mäh, das er je gehört hat.

(Pause. Sie hört zu.) Ja, ich weiß, dass Schafe wichtig sind. Das sagen Sie jedes Jahr. Die Schafe waren zuerst da und so. (Leiser.) Aber die Engel dürfen singen. Und sie haben Flügel aus Pappe mit Glitzer. Und sie dürfen auf der Kanzel stehen. Ich stehe immer hinten bei der Krippe und rieche nach dem Kostüm von Lukas, das hatte er vor mir.

(Sie liest weiter.) Punkt vier: Ich habe einen Vorschlag. Ich könnte ein Engel sein, der früher ein Schaf war. Das wäre eine Entwicklung. Wie in einem richtigen Film.

(Pause.) Nein? (Sie seufzt.) Okay. Punkt fünf. Den wollte ich eigentlich nicht nehmen. Darf das Schaf dieses Jahr wenigstens einen Satz sagen? Nur einen. Ich hab ihn schon ausgesucht.

(Paulina steht auf, stellt sich auf den Stuhl und breitet die Arme aus wie Flügel.)

„Fürchtet euch nicht.“ (Pause. Sie klettert wieder herunter.) Ich weiß, das sagt eigentlich der Engel. Aber wenn das Schaf das sagt, haben die Leute noch weniger Angst. Weil ein Schaf ja nichts tut.

(Sie hört zu und strahlt.) Echt? Dann bleib ich Schaf. Aber mit Satz. Ein Schaf hat auch Gefühle, Frau Brandt. (An der Tür, über die Schulter.) Und ich will das Kostüm waschen lassen.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Paulina verhandelt wie eine Erwachsene. Spiele den Status einer Person, die im Recht ist, und lass ihn nur kurz einbrechen, wenn sie merkt, dass sie eigentlich traurig ist.
  • Der Zettel mit den Argumenten ist eine kleine Requisite. Paulina liest davon ab, verliert den Faden und spricht dann frei weiter.
  • Die Pfarrerin antwortet nur in den Pausen. Lass ihr Zeit, damit ihre unsichtbaren Antworten wirken.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

Go to Top