(Im Haus Walther Fürsts in Uri. Arnold vom Melchthal hält sich hier versteckt, seit er einen Knecht des Landvogts geschlagen hat. Eben erzählt ein Besucher, was der Vogt dafür seinem Vater angetan hat.)
- Niemals! Niemals wieder!
(Er drückt die Hand vor die Augen, und schweigt einige Momente, dann wendet er sich von dem einen zu dem andern, und spricht mit sanfter, von Tränen erstickter Stimme.)
- O eine edle Himmelsgabe ist
- Das Licht des Auges — Alle Wesen leben
- Vom Lichte, jedes glückliche Geschöpf —
- Die Pflanze selbst kehrt freudig sich zum Lichte.
- Und er muss sitzen, fühlend, in der Nacht,
- Im ewig finstern — ihn erquickt nicht mehr
- Der Matten warmes Grün, der Blumen Schmelz,
- Die roten Firnen kann er nicht mehr schauen —
- Sterben ist nichts — doch leben und nicht sehen,
- Das ist ein Unglück — Warum seht ihr mich
- So jammernd an? Ich hab’ zwei frische Augen,
- Und kann dem blinden Vater keines geben,
- Nicht einen Schimmer von dem Meer des Lichts,
- Das glanzvoll, blendend, mir ins Auge dringt.
[…]
- Nichts als den Stab dem augenlosen Greis!
- Alles geraubt, und auch das Licht der Sonne,
- Des Ärmsten allgemeines Gut — Jetzt rede
- Mir keiner mehr von Bleiben, von Verbergen!
- Was für ein feiger Elender bin ich,
- Dass ich auf meine Sicherheit gedacht,
- Und nicht auf Deine — dein geliebtes Haupt
- Als Pfand gelassen in des Wütrichs Händen!
- Feigherz’ge Vorsicht fahre hin — Auf nichts
- Als blutige Vergeltung will ich denken,
- Hinüber will ich — Keiner soll mich halten —
- Des Vaters Auge von dem Landvogt fodern —
- Aus allen seinen Reisigen heraus
- Will ich ihn finden — Nichts liegt mir am Leben,
- Wenn ich den heißen ungeheuren Schmerz
- In seinem Lebensblute kühle.
(Er will gehen.)
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
Ende des Textes · Ganzes Stück lesen (öffnet neuen Tab)

