Max Piccolomini: „Du machst mich heute mündig“

Monolog · Weimarer Klassik · Blankvers

Max Piccolomini: Mein General! – Du machst mich heute mündig.

aus Wallensteins Tod (1799) von Friedrich Schiller · II. Aufzug, 2. Auftritt

Originaltext · Wallensteins Tod, Friedrich Schiller (1799)eingerichtet
Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 297 Wörter
Umfang
43 Verseeingerichtet
Figur
männlich
Spielalter
ca. 18–28redaktionelle Einschätzung
Tonlage
erschütterternst & dramatisch
Sprache
Blankversbehutsam modernisiert

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Inhalt
Seite

(Ein Zimmer in Wallensteins Hauptquartier in Pilsen. Wallenstein hat Max eben eröffnet, dass er den Kaiser verlassen und sich mit den Schweden verbünden will. Max steht lange unbeweglich.)

  1. Mein General! – Du machst mich heute mündig.
  2. Denn bis auf diesen Tag war mirs erspart,
  3. Den Weg mir selbst zu finden und die Richtung.
  4. Dir folgt ich unbedingt. Auf dich nur braucht ich
  5. Zu sehn und war des rechten Pfads gewiss.
  6. Zum ersten Male heut verweisest du
  7. Mich an mich selbst und zwingst mich, eine Wahl
  8. Zu treffen zwischen dir und meinem Herzen.

[…]

  1. Krieg! Ist das der Name?
  2. Der Krieg ist schrecklich, wie des Himmels Plagen,
  3. Doch er ist gut, ist ein Geschick, wie sie.
  4. Ist das ein guter Krieg, den du dem Kaiser
  5. Bereitest mit des Kaisers eignem Heer?
  6. O Gott des Himmels! was ist das für eine
  7. Veränderung! Ziemt solche Sprache mir
  8. Mit dir, der wie der feste Stern des Pols
  9. Mir als die Lebensregel vorgeschienen!
  10. O! welchen Riss erregst du mir im Herzen!
  11. Der alten Ehrfurcht eingewachsnen Trieb
  12. Und des Gehorsams heilige Gewohnheit
  13. Soll ich versagen lernen deinem Namen?
  14. Nein! wende nicht dein Angesicht zu mir,
  15. Es war mir immer eines Gottes Antlitz,
  16. Kann über mich nicht gleich die Macht verlieren;
  17. Die Sinne sind in deinen Banden noch,
  18. Hat gleich die Seele blutend sich befreit!

[…]

  1. O! tu es nicht! Tus nicht!
  2. Sieh! deine reinen, edeln Züge wissen
  3. Noch nichts von dieser unglückselgen Tat.
  4. Bloß deine Einbildung befleckte sie,
  5. Die Unschuld will sich nicht vertreiben lassen
  6. Aus deiner hoheitblickenden Gestalt.
  7. Wirf ihn heraus, den schwarzen Fleck, den Feind.
  8. Ein böser Traum bloß ist es dann gewesen,
  9. Der jede sichre Tugend warnt. Es mag
  10. Die Menschheit solche Augenblicke haben,
  11. Doch siegen muss das glückliche Gefühl.
  12. Nein, du wirst so nicht endigen. Das würde
  13. Verrufen bei den Menschen jede große
  14. Natur und jedes mächtige Vermögen,
  15. Recht geben würd es dem gemeinen Wahn,
  16. Der nicht an Edles in der Freiheit glaubt,
  17. Und nur der Ohnmacht sich vertrauen mag.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Max hat nie gegen Wallenstein gedacht. Jeder Satz ist ein Schritt auf neuem Boden. Spiele das Suchen, nicht das fertige Urteil.
  • Der Konflikt ist doppelt: Treue zum Kaiser und Liebe zu Wallenstein. Gib beiden Seiten Gewicht, sonst wird aus dem Konflikt bloße Empörung.
  • Die beiden Einwürfe Wallensteins sind gestrichen und mit […] markiert. Spiele sie mit: Wallenstein will ihn überzeugen, Max hört nicht mehr zu.
  • „O! tu es nicht! Tus nicht!“ ist kein Befehl, sondern ein Flehen. Max glaubt bis zuletzt an das Gute in seinem Vorbild.

Weitere Rollen aus diesem Stück

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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